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Testbericht

Stefan Grundhoff, 1. September 2015
Über Sinn oder Unsinn eines hoch gesetzten Passat Kombis lässt sich trefflich streiten. Doch die pseudo-rustikalen Alltrack-Modelle verkaufen sich nicht nur bei Volkswagen wie warme Semmeln.

Ausbrechen aus dem eintönigen Alltag - wer wünscht sich das nicht? Volkswagen hat hier seit Jahren die rechte automobile Antwort parat, wenn es weder Tiguan noch Touareg sein soll. Wem beispielsweise der ebenso exzellente wie gesichtslose Passat zu unauffällig ist, kann ihn mit Geländezierrat und allerhand Ausstattungsdetails zum Fluchtmobil aus dem grauen Alltag werden lassen - zumindest im Geiste. Für etwas über 3.000 Euro Aufpreis im Vergleich zu einem VW Passat Variant Trendline gibt es im Alltrack-Paket je nach Motorisierung bis zu 5.000 Euro Mehrausstattungen. Am auffälligsten sind dabei neben der leicht erhöhten Bodenfreiheit (17,5 Zentimeter) die dunklen Kunststoffleisten rundherum, die dem Familienkombi einen sportlich-rustikalen Charme verleihen sollen.

Anders als bei anderen Herstellern gibt es den 4,78 Meter langen VW Passat Alltrack nicht als komplette Mogelpackung, denn neben dem Plus von 2,8 Zentimeter an Bodenfreiheit, sowie Planken und Kunststoff-Unterfahrschutz ist der Wolfsburger serienmäßig mit einem sinnvollen Allradantrieb ausgestattet. Besonders interessant ist der Alltrack daher für Gespannfahrer, denn er kann Anhängelasten von bis zu 2.200 Kilogramm an den Haken nehmen und an nahezu jeglichen Wunschort schleppen. Ein Anhängerassistent macht das Rangieren mit einem Wohn-, Boots- oder Pferdeanhänger dabei deutlich leichter als gewöhnlich. Kaum jemand ist jedoch jeden Tag mit einem Anhänger unterwegs. Dann bietet der 639 Liter große Laderaum, der sich auf bis zu 1.769 Liter erweitern lässt, alle nur erdenklichen Möglichkeiten zum Lastentransport. Die maximale Ladelänge sind 2,02 Meter bis zu den Rückenlehnen der Vordersitze. Ärgerlich: die elektrische bedienbare Heckklappe kostet Aufpreis.

Das Motorenspektrum des VW Passat Alltrack reicht vom 150-PS-Diesel bis zum Topmodell mit einem 240-PS-Selbstzünder. Gerade die Topvariante passt ausgezeichnet zu dem geräumigen Familienkombi. Man merkt dem doppelt aufgeladenen Zweiliter-Diesel trotz eindrucksvoller 177 kW / 240 PS und mächtiger 500 Nm (ab 1.750 U/min) maximalen Drehmoment zwar seinen vier Zylindern und den überschaubaren Hubraum an, doch die Leistungsentfaltung ist nach einem kleinen, aber spürbaren Turboloch allemal eindrucksvoll. Alle Motorvarianten außer dem 150-PS-Basisdiesel sind obligatorisch mit einem Doppelkupplungsgetriebe unterwegs, das dezent im Hintergrund eine exzellente Arbeit verrichtet. Bei der 240-PS-Diesel-Version arbeitet mit sieben Schaltstufen und bemüht sich gekonnt und möglichst niedrige Drehzahlen mit einem entsprechend geringen Geräuschniveau. Wird die Motorleistung im Normalfall fast ausschließlich an die Vorderachse übertragen, so wird die Hinterachse über eine Haldex-Kupplung variabel dazu geschaltet, wenn ein Traktionsverlust dreht.

Am Steuer fährt sich der fast 1,8 Tonnen schwere VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4motion nicht anders als der normale Passat Variant mit identischer Motorisierung. Das Fahrwerk ist im Normalmodus betont komfortabel abgestimmt, die Lenkung präzise und etwas zu leichtgängig. Die variablen fünf Fahrprogramme des Passat werden beim Alltrack um einen Offroadmodus erweitert, der Fahrsysteme, Motor- und Getriebesteuerung, sowie Fahrwerk auf den Einsatz im unwegsamen Terrain einstellt. 0 auf Tempo 100 schafft der VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4motion in 6,4 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h. Der Normverbrauch liegt bei 5,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 144 g/km entspricht.

Der Innenraum des Alltrack präsentiert sich ebenso nüchtern und wertig. Abgesehen von anderen Sitzbezügen und den Edelstahlpedalen nicht anders als im Standard-Passat. Schalter, Bedienmodule und die gegen Aufgeld animierten Instrumente sind sehr gut abzulesen. Die teilelektrischen Sitze mit Massagefunktion für den Fahrer bieten Dank entsprechender Oberschenkelauflage und Seitenhalt einen sehr guten Langstreckenkomfort. Nicht gefallen kann im Innern allein das optionale Head-Up-Display, das Informationen wie Navigation, Tempolimit und aktuelle Geschwindigkeit auf eine ausfahrbare Kleinglasscheibe in das Sichtfeld des Fahrers projiziert. Diese Technik passt kaum zu einer Marke, die mit all ihrer Perfektion der vergangenen Jahre das Tor zur Premiumliga weiter denn je aufstoßen will. Basispreis für den 150 PS starken VW Passat 2.0 TDI Alltrack sind 38.550 Euro. Der 240 PS Topdiesel kostet mit mäßiger Ausstattung mindestens 47.150 Euro. Volkswagen erwartet, dass jeder zehnte verkaufte Passat eine Alltrack-Version sein wird.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplung
Motor Bauart:Zweiliter Commeonrail-Diesel
Hubraum:1968
Drehmoment:500 Nm bei 1750 UPM
Preis
Neupreis: 47150 € (Stand: 2015-09-02)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2015-09-01

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