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Testbericht

Marcel Sommer, 9. April 2014
Mit dem Quattroporte lässt Maserati in kürzester Zeit den zweiten Diesel auf die Straße - sehr zum Schrecken der deutschen Premium-Konkurrenz. Am Klang lässt sich der 275 PS starke Selbstzünder nicht erkennen.

Die Aussage "Über 1.000 Kilometer ohne nachzutanken" in Kombination mit dem Herstellernamen Maserati hört sich im ersten Moment nach einem verspäteten Aprilscherz an. Sportwagen der italienischen Marke mit dem Dreizack sind ja für vieles bekannt, doch wer mit einer Premiumlimousine viele Kilometer am Stück zurücklegen möchte, der ersparte sich bis vor kurzem noch den Besuch bei einem Maserati-Händler. Und das natürlich völlig zu recht. Allerdings weht seit knapp einem halben Jahr ein anderer Wind aus dem Süden der italienischen Poebene in die weite Welt hinaus. Denn mit dem Ghibli bekam zum ersten Mal in der nun 100 jährigen Geschichte von Maserati eines ihrer Modelle einen Dieselmotor verpasst. Ein Motor, der ursprünglich für den Quattroporte vorgesehen und auch entwickelt wurde. Aus Marketinggründen wurde jedoch dem Ghibli der Vortritt gewährt. Ab sofort ist der Motor in seinem Mutterschiff angekommen, dem 5,26 Meter langen und 2,10 Meter breiten Quattroporte. Mit einem Einstiegspreis von 94.850 Euro liegt er ziemlich genau 30.000 Euro über dem seines kleinen Bruders. Das wundert nicht, wildert der Quattroporte ja auch im Revier eines ab 86.454 Euro teuren Mercedes S 350 BlueTEC und eines Panamera Diesel für ab 86.478 Euro - und da ist ein wenig mehr Luxus und vor allem Beinfreiheit von Vorteil, aber vor allem verlangt.

Letzteres bietet er dank seines Radstands von 3,17 Metern, den er sich mit der Langversion der S-Klasse teilt, mehr als genug. Ein Panamera hat 25 Zentimeter weniger. Und auch die beiden Frontpassagiere können sich über zu wenig Platz nicht beschweren. Unterschiede zum Benziner sind weder innen noch außen zu erkennen. Sowohl Interieur als auch Exterieur zeigen sich in gewohnt edlem Design, das sich bis zu den belederten Handgriffen am Dachhimmel erstreckt. Die Neuheit ist ohne Frage die Motor-Chassis-Kombination. Aus 3,0 Litern Hubraum, die sich über sechs Brennkammern erstrecken, holt er 275 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter. Dass ausgerechnet den italienischen Kunden auch eine 25 PS schwächere und mit 240 Kilometern pro Stunde 10 km/h langsamere Version angeboten wird, hat hingegen nichts mit Unterdrückung des eigenen Volkes, sondern mit dem dort geltenden Steuerrecht zu tun. Und ob die auf dem Papier schwächeren Fahrzeuge tatsächlich im Vergleich zum Rest der Welt 0,4 Sekunden langsamer das Landstraßentempo erreichen, glauben wahrscheinlich nicht einmal die Italiener selbst. Mit der deutschen Version dauert der Sprit zumindest 6,4 Sekunden.

Mithilfe von zwei Soundaktuatoren hört er sich erfreulicherweise dabei zu kaum einem Zeitpunkt wie ein Selbstzünder an. Nur innerhalb der ersten zwei kalten Minuten ist das typische Dieselnageln zu vernehmen. Danach grummelt er so, wie eine sportliche Luxuslimousine zu grummeln hat: leise, aber durchaus spürbar. Wem die Musik aus den vier Endrohren zu defensiv klingt, der kann durch einen Knopfdruck für ein wenig mehr Soundkulisse sorgen - richtig laut wird er aber auch bei starkem Gaspedaleisatz nicht. Gleichzeitig verändern sich die Gasannahme und die Schaltcharakteristik. Sein gesamter Habitus inklusive Klangbild bleibt zwar deutlich zurückhaltender, als noch im Ghibli, doch wirkt er immer noch deutlich aggressiver und damit auch dieseluntypischer als die deutsche Konkurrenz. Mit 6,2 Liter Dieselverbrauch auf 100 Kilometern liegt er genau zwischen dem Porsche mit 6,4 Litern und dem Mercedes mit 5,6 Litern.

Der zu Anfang nur als Hecktriebler erhältliche Maserati Quattroporte Diesel fährt sich dank seines langen Radstandes nicht nur komfortabel, sondern kombiniert diese beiden Eigenschaften zu einem sehr ausgewogenen und auf Wunsch dynamischen Fahrverhalten. Natürlich sind ihm seine 1.990 Kilogramm anzumerken, doch werden die von 21 Zoll großen und bis zu 28,5 Zentimeter breiten Rädern komfortabel über jede Unebenheit getragen. Per Knopfdruck lässt sich dieser Komfort zwar etwas zu Gunsten der Straßenlage verschlechtern, allerdings ist der Unterschied zwischen der normalen und der sportlichen Federungseinstellung kaum zu spüren. Hier war offenbar das Ziel, dem Kunden einfach einen weiteren Knopf zum Drücken anzubieten und in der Ausstattungsliste den Punkt der manuellen Dämpfereinstellung auftauchen zu lassen. Einen Unterschied zu den Benzinerversionen hat der selbstzündende Quattroporte dann aber doch noch: Wird der Achtgang-Automatik durch das manuelle Schalten per Schaltwippen die Macht über das Getriebe entzogen, holt sie sich diese, sobald das Drehzahllimit erreicht wurde, zurück. "Den Dieselmotor kann man nicht so einfach abschalten, sprich begrenzen, so dass wir mithilfe der Automatik in den nächst höheren Gang schalten. Beim Benziner machen wir das nicht", verrät ein Maserati-Mitarbeiter.

Ob der entweder in einer vier- oder einer fünfsitzigen Konfiguration erhältliche Maserati Quattroporte Diesel tatsächlich eine Chance gegen die typisch deutschen Premium-Dienstwagen hat, ist jedoch zu bezweifeln. Zu sehr nagt an der italienischen Marke das Image eines teuren Sportwagenherstellers, mit dessen Modellen hierzulande aus moralischen Gründen immer noch niemand zu einem Geschäftstreffen fahren möchte. Schade, denn Spaß macht solch ein Maserati - und dank seines 530 Liter fassenden Kofferraums lassen sich auch 20 Liter mehr Akten als mit einer S-Klasse transportieren. Der Panamera fährt mit seiner Viersitz-Konfiguration und einem Kofferraumvolumen von 445 Litern in puncto Personen oder Gepäckstückanzahl beiden hinterher. Gerechterweise muss an dieser Stelle aber erwähnt werden, dass der Zuffenhäuser diesen Nachteil mithilfe seiner 300 Pferdestärken und einer unschlagbaren Höchstgeschwindigkeit von 286 Kilometern pro Stunde deutlich wieder wettmacht. Der Kampf ist eröffnet.
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Quelle: Autoplenum, 2014-04-09

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