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Testbericht

Susanne Kilimann, 2. April 2012
Kompaktwagen werden für Premium-Hersteller immer wichtiger. Mercedes will die Produktpalette in diesem Segment auf fünf Modelle erweitern - und durch hohe Stückzahlen sowie Produktion am Niedriglohn-Standort kräftig Kosten dämpfen.

Derzeit läuft es ganz nach Wunsch für die deutschen Premiumhersteller. Da macht Daimler keine Ausnahme. Der schwäbische Autobauer kann dieser Tage das beste Absatz-Quartal seiner Geschichte verbuchen. Die Verkaufszahlen werden weiter steigen - nicht nur bei den Stuttgartern, sondern bei allen Herstellern, die im globalen Rennen bleiben. Die weltweiten Fahrzeugverkäufe dürften Prognosen zufolge von 60 Millionen Einheiten im Jahr 2011 auf 100 Millionen Einheiten in 2020 steigen. China, bereits heute größter Absatzmarkt der Welt, wird auch am Ende der Dekade an der Spitze stehen. In den nächsten acht Jahren sollen sich die dortigen PKW-Verkäufe verdoppeln. Auch für die USA, den weltweit zweitwichtigsten Markt, wird ein leichtes Wachstum vorausgesagt. Indien hat gute Chancen in den nächsten Jahren zum drittgrößten PKW-Markt der Welt aufzusteigen.

Mehr als andere vom allgemeinen Wachstum der Branche zu profitieren ist das Ziel aller Global Player. Daimler will sich ein überproportional großes Stück vom Kuchen abschneiden und sich den Spitzenplatz im Premium-Segment bis zum Ende des Jahrzehnts zurückerobern. Mittelfristig strebt man Absatzziele von mehr 1,5 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2014 und mehr als 1,6 Millionen in 2015 an. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern knapp 1,28 Millionen Fahrzeuge an die Kundschaft bringen können. Um die Verkaufszahlen anzukurbeln, reicht es längst nicht mehr, allein auf Oberklassemodelle zu setzen. Es gilt, auch im wichtigen Kompaktwagensegment deutlich zuzulegen. Zum einen, weil sich mit kleineren Modellen jüngere Neuwagenkunden mit geringeren Budget erreichen lässt. Gerade auch auf dem aufstrebenden indischen Markt sei dies eine wichtige Strategie, um jüngere Autokäufer frühzeitig und nachhaltig an die Marke zu binden, betont die Stuttgarter Vorstandsriege.

Auch hierzulande werden kleinere Autos angesichts steigender Spritpreise und strengerer CO2-Obergrenzen für die Oberklasse-Hersteller wichtiger. Die Premium-Autobauer gehen davon aus, dass sie auf den gesättigten Märkten Westeuropas nur mit kleineren Wagen neue Kunden in nennenswertem Umfang gewinnen können - und zielen dabei auf Neuwagenkäufer, die heute bei den Produzenten preisgünstigerer Autos einkaufen gehen. Etwa die Hälfte der neuen Kunden, so die Hoffnung der Stuttgarter, werde man den direkten Wettbewerbern im Premiumsegment abjagen können. Die zweite Hälfte will man aus dem Kundenbecken anderer Hersteller fischen.

Doch auch die Konkurrenz rüstet in der Kompaktklasse kräftig nach. BMW 1er ist erfolgreich gestartet und nach dem Fünftürer steht nun ein sportlicher Dreitürer in den Startlöchern. Bei Audi fährt im Frühsommer die nächste Generation des A3 vor. VW bringt einen neuen Golf zum Pariser Salon im September, Seat kommt mit dem sportlichen Leon und die Zwillingsmodelle Kia Ceed und Hyundai i30 signalisierten auf dem Autosalon in Genf ganz deutlich, dass auf den Tummelplätzen der Kompakten mit heftigen Attacken aus Fernost zu rechnen ist.

Mercedes hatte in dieser Liga bisher nur die wenig emotionalen Modelle A- und B-Klasse am Start. Erstere geht in der zweiten Jahreshälfte vollkommen neu gestylt an den Start, letztere sorgt seit Monaten für prallgefüllte Auftragsbücher. Künftig will der Konzern jedoch mit mindestens fünf kleineren Modellen weltweit Kunden und Marktanteile erobern, bekräftige Daimlers Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche. Der aktuelle Doppelpack wird um eine Stufenhecklimousine ergänzt, die auf der Peking Motorshow Premiere feiert. Später folgen ein Crossover und ein Cabriolet. In Kecskemét, eine Autostunde von Budapest entfernt, wurde jetzt der Startschuss für die Produktion der B-Klasse gegeben. Der neue osteuropäische Standort ergänzt die Fertigung in Rastatt, wo der kompakte Van seit vergangenem November von den Bändern rollt. Weil im extrem preissensiblen Segment der mittleren und kleineren Wagen weit geringere Margen erzielt werden als bei den Oberklassemodellen, sei der Druck, die Produktionskosten so weit wie möglich zu reduzieren, gerade hier besonders hoch. Das neue Werk in Ungarn leiste mit Lohnkosten, die rund 70 Prozent unter denen in Deutschland liegen, einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit. In Zukunft soll ein Montagewerk in Chinas Hauptstadt das Produktionsnetzwerk Rastatt - Kecskemét ergänzen. Wann genau die Bändern in der chinesischen Mercedes-Kompaktwagenschmiede anlaufen sollen, verriet Vorstandschef Zetsche seinen Investoren noch nicht.
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Quelle: Autoplenum, 2012-04-02

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