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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 9. Januar 2020

Mercedes packt das Hybridmodul der E-Klasse-Limousine in sein GLE Coupé. Auf dem Papier überzeugt die rein elektrische Reichweite von 100 Kilometern, doch wie schlägt sich das schicke SUV beim Gewaltaufstieg in den Alpen?

Die Aufgabe ist schon für klassische Elektromobile keine ganz einfache: Von Innsbruck nach Kühtai, eine Strecke von rund 36 Kilometern und dabei sind ganz nebenbei rund 1.500 Höhenmeter überwinden. Die Herausforderung wird noch knackiger, wenn die Kraxeltour von einem SUV mit einem Eigengewicht von 2.690 Kilogramm im Winter bewältigt werden muss. Der automobile Alpinist heißt Mercedes GLE 350 de und hat einen permanenten Allradantrieb, insgesamt 235 kW / 320 PS, die von einem elektrifizierten Antriebsstrang bestehend aus einem Vierzylinder-Diesel mit 143 kW / 194 PS sowie einem Plug-in-Hybrid-Modul mit 100 kW / 136 PS generiert werden. Dank der Batterie mit einer Kapazität von 31,2 Kilowattstunden soll das Stromer-SUV rein elektrisch bis zu 100 Kilometer schaffen. Aber jetzt geht es hauptsächlich bergauf und die Temperaturen sind auch nicht durchgängig frühlingshaft.

Schon nach den ersten Metern in der Tiroler Metropole ist klar: Das Coupé steht dem klassischen SUV beim Fahrverhalten kaum nach. Das Luftfahrwerk verleiht auch dem Schwergewicht eine komfortable Leichtfüßigkeit und selbst enge Kehren kann man entspannt umfahren. Wenn es schneller um die Ecken geht, drängt der Mercedes nach außen. Schließlich wiegt der PHEV-Rucksack gefüllt mit 31,2 Kilowattstunden Batterie und Antriebsstrang rund 350 Kilogramm. Die Tour wird rein elektrisch absolviert, das heißt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Wir sind sehr entspannt unterwegs und lassen im Kolonnen- beziehungsweise Stopp-and-Go-Verkehr den adaptiven Tempomaten das Kommando, der schon vor Kurven und bei Ortsschildern prophylaktisch das Tempo reduziert. Die Unterschiede der Fahrprogramme machen sich nicht nur durch schnellere Gangwechsel, eine direktere Gasannahme oder durch ein strafferes Fahrwerk bemerkbar, sondern auch durch die Rekuperation. Die damit verbundene Verzögerung fällt aber auch beim Fahrprogramm Eco nicht so heftig aus, dass man Angst haben muss, mit dem Kopf auf das Armaturenbrett zu knallen. "Wir wollen die Mercedes-Fahrer mit Bedacht an die Elektromobilität heranführen", erklärt Techniker Christoph Großmann. Wie bei den anderen PHEV-Modellen mit dem Stern kann man per Schaltwippen selbst den Grad der Energierückgewinnung bestimmen.

Sobald es die Kehren hoch zum Skiort geht, nehmen wir das Steuer selbst in die Hand und stellen fest, dass man mit den 100 kW / 136 PS und vor allem dem Drehmoment von 440 Newtonmetern sehr gut klarkommt, solange man auf Sieg fährt. Wenn der Verbrenner einmal bei einer notwendigen Beschleunigung einspringen muss, meldet er sich auch akustisch spürbar zur Arbeit, aber der echte Punch fehlt. Nach 36 Kilometern rollen wir auf den Parkplatz in Kühtai, die Batterie ist nach dem Aufstieg auf 2.017 Höhenmetern leer - eine Punktlandung sozusagen. Die kombinierte Reichweite bestehend aus Benziner und Elektromodul zeigt immer noch 903 Kilometer an, der Stromverbrauch hat sich bei 59,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometern eingependelt. Mercedes gibt 28,7 kWh/100 km an. Weiter geht es hinunter in Ötztal, beim Herunterfahren wird wieder etwas Energie in die Batterie gepumpt und danach weiter bis nach Hochgurgl also wieder hinauf auf gut 2.100 Meter über den Meerspiegel. Das Ergebnis: ein Durchschnittsverbrauch von 6,6 Litern pro 100 Kilometern und 21,4 kWh.

Beim Strom-Nachtanken fällt das Betreiber-Quartett und das damit verbundene Kreditkartenmischen dank "Mercedes me" aus. Durch die Kommunikation mit dem Auto merkt die Ladesäule, wer tankt und kann die Kosten zuordnen. Der Autofahrer bekommt im Idealfall nur eine Rechnung und hat einen einfachen Überblick über die Strompreise. An der heimischen Wallbox sind die Akkus nach vier Stunden wieder voll, bei 60 kW Gleichstrom dauert es rund 20 Minuten, bis die Batterien zu 80 Prozent gefüllt sind, vollgetankt sind sie nach etwa einer halben Stunde. Bei Mercedes haben sie an vieles gedacht, so hat das Coupé im Hinterwagen einen eigenen Rohbau und eine spezielle Hinterachse, damit es bei den Platzverhältnissen möglichst wenig Abstriche gibt, das macht sich im Fond bemerkbar: Obwohl das Coupé eine abfallende Dachlinie und einen um sechs Zentimeter kürzeren Radstand als der klassische GLE hat, kann man es sich hinten richtig bequem machen und auch als Sitzriese wird es nicht eng um den Kopf. Beim Kofferraumvolumen wirkt sich die Neukonstruktion ebenfalls aus. Die Ladekante ist niedriger als beim Vorgänger und kann mit dem Luftfederfahrwerk bei Bedarf weiter abgesenkt werden. Dass das PHEV-Coupe eine Anhängelast von 3,5 Tonnen ziehen kann, ist sicher kein Nachteil. Doch so viel schwäbisches Hirnschmalz hat seinen Preis, den wollen Sie noch nicht verraten, aber zumindest dass das Mercedes GLE Coupé im Sommer nächsten Jahres auf den Markt kommt. Wenn man den klassischen Mercedes GLE 350 de 4Matic als Maßstab und den Coupé Aufpreis dazurechnet, dürfte die PHEV-Variante um die 80.000 Euro kosten.

Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Neungang-Automatik
Motor Bauart:Vierzylinder-Diesel
Hubraum:1.950
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2020-01-09

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