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Testbericht

Sebastian Viehmann, 27. Januar 2010
Der R ist der böse Golf. Das zeigt er auch nach außen. Mit grollendem Motorsound und einer aggressiven Rückseite – schließlich sehen die meisten dieses Auto nur von hinten. Das wichtigste aber: Endlich gibt es wieder einen sportlichen Allrad-Golf.

„Jetzt ein bisschen mit dem Gaspedal spielen“, ermuntert Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck auf dem Beifahrersitz. Der Golf R rast auf der spiegelglatten Eispiste entlang und beweist, was er am liebsten macht: Driften, driften, driften. Mit gezieltem Gaseinsatz und schnellem Gegenlenken kann man den 270 PS starken R buchstäblich quer übers Eis scheuchen. Zugegeben – ohne die kleinen Spikes an den Reifen ginge das nicht in diesem Affenzahn. Denn selbst High-Tech-Allrader müssen sich auf blankem Eis irgendwann den Gesetzen der Physik beugen.

Doch auch mit normalen Winterreifen fängt beim Golf der Spaß dort an, wo er für Fronttriebler aufhört. Ob Asphalt, Schotter, festgefahrene Schneedecke oder rutschiger Schneematsch – der R ist so trittsicher wie eine Gämse in den Alpen und dabei dynamischer als je zuvor. Im Extremfall können 100 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse abgegeben werden. Beim überarbeiteten 4Motion-System bedarf es keiner Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse, um die Allradkupplung zu aktivieren. Der Druckaufbau funktioniert mit einer elektrischen Pumpe, die einen Druckspeicher mit Öl versorgt. Ein Computer berechnet den jeweils nötigen Druck auf die Lamellen der Kupplung.

Der stärkste Serien-Golf aller Zeiten mit seinem aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder tritt ein schweres Erbe an, denn der Golf R32 mit Allrad und Sechszylinder gilt bis heute als Traum vieler Golf-Spieler. „Welcher von beiden sich auf Schnee besser schlägt, kann man schlecht sagen – dazu müsste man beide mit gleichen Reifen testen“, sagt Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, der selbst einen R32 in der heimischen Garage stehen hat. Dass der neue R mit vier statt sechs Töpfen auskommen muss, stört Stuck nicht: „Dafür erreicht der Wagen einen Verbrauch, den man mit einem R32 wohl kaum schafft.“ 8,5 Liter pro 100 Kilometer lautet der offizielle Durchschnittswert des R. In der Praxis sind bei gemütlicher Fahrweise laut Bordcomputer immerhin Werte um 9 Liter drin.

Doch auch wenn man im Golf R gemütlich cruisen kann – vor allem, wenn das optionale Fahrwerksregelungssystem DCC in der „Comfort“-Einstellung steht – giert dieses Auto nach schnellen Kurven und Überholmanövern. Die machen trotz der recht langen Schaltwege besonders mit der handgeschalteten Version Spaß und lassen sich selbst im vierten Gang problemlos absolvieren. Der Turboschub setzt ohne Verzögerung ein, das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern hält der Motor bis 5000 Touren aufrecht. Die Elastizität des Vierzylinders ist fantastisch, und wer am Stammtisch mit nackten Zahlen angeben muss, kann auch das: 5,7 Sekunden reichen dem R für den Sprint von 0 auf 100 Km/h, mit Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe sind es 5,5 Sekunden (Golf GTI: 6,9 Sekunden; Golf R32: 6,5 Sekunden). Bei 250 Km/h wird der Vorwärtsdrang elektronisch abgeregelt.

Das Sportfahrwerk lässt den R um 25 Millimeter tiefer auf dem Asphalt kauern, doch selbst in der Sport-Einstellung des adaptiven Fahrwerks ist der Allrad-Golf nicht ganz so hart wie der frontgetriebene Scirocco R. „Den Scirocco haben wir als Sport-Coupé konzipiert, er ist noch agiler abgestimmt. Beim Golf R mussten wir einen Riesen-Spagat abdecken. Mit diesem Wagen kann man morgens die Kinder zur Schule bringen und nachmittags auf den Nürburgring seine Runden drehen“, sagt Guido Sever, Entwicklungsleiter der R-Modelle. Trotzdem steckt auch im massentauglichen Wolfsburger ein kleiner Krawallmacher. Der Golf R hat einen kräftig-satten Motorsound, der nicht ganz so rund klingt wie ein Sechszylinder, aber auch nicht so angestrengt wie ein handelsüblicher Turbo-Vierzylinder.

Optisch setzen Details wie schwarze Außenspiegelgehäuse, spezielle Stoßfänger oder schwarze Bremssättel den R von seinen zahmeren Brüdern ab. Am meisten Eindruck macht der Allrad-Golf von hinten, dafür sorgen die abgedunkelten LED-Rückleuchten und das mittig platzierte Doppelendrohr. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht und Reinigungsanlage, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Dreispeichen-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten, Edelstahl-Pedale, höhenverstellbare und beheizte Sportsitze, akustische Einparkhilfe, Klimaautomatik, LED-Tagfahrlicht und CD-Radio.

Trotz der ordentlichen Ausstattung ist der Preis happig. 36.400 Euro ruft VW für den R auf, fast 10.000 Euro mehr als für den GTI. Beim Viertürer mit DSG klettert der Preis auf 39.040 Euro. Kein Wunder also, dass die Zielgruppe für den R im Schnitt rund fünf Jahre älter und damit wohl finanzkräftiger ist als die des GTI. Wer sportliches Allrad-Golf spielen will, hat keine Alternative zum R: Der normale Golf 4Motion hat nur einen 140 PS-Dieselmotor unter der Haube.
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Quelle: Autoplenum, 2010-01-27

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