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Testbericht

14. Februar 2013
Nizza (Frankreich), 15. Februar 2013 - Seit Herbst 2012 spricht ganz Auto-Deutschland von der siebten Generation des VW Golf. Doch Nummer sechs ist beileibe noch nicht Vergangenheit, ganz im Gegenteil: Mit dem Golf R Cabrio geht im Frühling 2013 der stärkste offene Golf aller Zeiten an den Start und der basiert noch auf dem Sechser. Grund genug, den Frischlüfter genauer unter die Lupe zu nehmen. Bissige Optik Schon bei der ersten Begegnung wird klar: dieser Golf meint es erst. Zum Sportfahrwerk inklusive Tieferlegung um 25 Millimeter gesellen sich Stoßfänger in Motorsportoptik, ein Heckspoiler in Wagenfarbe sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer in schwarzen Gehäusen. Das Gesamtresultat steht auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern mit 225er-Bereifung. Also ein Auto für Angeber? Eher nicht, denn selbst der stärkste Golf hält sich optisch zurück. Das gilt ebenso für den Innenraum mit etwas mehr Chrom und Aluminium für die sportliche Note. Erstaunlich: Die bequemen Sportsitze können nur manuell verstellt werden. Schippe draufEntscheidend ist vor allem das Triebwerk unter der Haube, welches den R von seinem GTI-Bruder unterscheidet. Hier kommt ein turboaufgeladener Zweiliter-Benzindirekteinspritzer der Baureihe EA 113 zum Einsatz. Soweit liegen GTI und R noch auf einer Wellenlänge, doch im Ober-Golf stehen ab 6.000 Umdrehungen 265 PS bereit, ein dickes Plus von 55 PS gegenüber dem GTI. Um diese Kraft auf die Straße zu bringen, ist ein Sechsgang-DSG immer serienmäßig an Bord.
Flotte Mütze Also nichts wie ran an das recht glatt belederte Sportlenkrad und den DSG-Wählhebel auf D gestellt. Doch halt: Natürlich wollen wir den Golf R offen genießen. Das Stoffverdeck öffnet in fixen neun Sekunden bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Allerdings ist das Cabrio schneller als seine Mütze: Schon nach 6,4 Sekunden werden 100 km/h erreicht. In dumpfer Tonlage setzt sich das Golf R Cabrio in Bewegung, aber wo ist der erwartete Biss abgeblieben? In Stufe "D" wartet die Maschine eine Gedenksekunde lang, um dann vehement loszustürmen. Der Schub kommt recht unvermittelt, die technischen Daten untermauern den subjektiven Eindruck. Erst zwischen 2.500 und 5.000 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter an. Weil das DSG sehr früh hochschaltet, liegt die Drehzahl im Durchschnitt unter 2.000 Touren. Das bedeutet nicht nur Beißhemmung, es klingt auch so: Ein dumpfes Brummen nervt auf Dauer die Gehörgänge. Die böse Seite Dass der offene Golf R aber auch ganz anders kann, zeigt sich beim Wechsel in den S-Modus des DSG. Hier werden die Gänge später gewechselt, die blaue Nadel des Drehzahlmessers darf weit über die 3.000er-Marke huschen. Als Untermalung gibt es ein sportliches Grollen, der Turbobenziner versucht sich an V8-Musik. Besonders hübsch: Wird ein Gang heruntergeschaltet, schallt ein Sprotzeln im Zwischengas-Stil durch die links und rechts angebrachten Endrohre. Schwer in Fahrt Sowohl das Fahrwerk als auch die Lenkung des Golf R Cabrio wurden VW zufolge sportlich abgestimmt. Hinsichtlich des Fahrwerks mit hinterer Mehrlenkerachse ist dem zuzustimmen, der Wagen rollt straff und verbindlich über das Pflaster, prügelt seine Insassen aber nicht windelweich. Weich ist eher ein Stichwort für die Lenkung: Sie dürfte gerne noch exakter sein, besonders in der Mittellage ist sie zu indifferent. Verzichtbar ist die adaptive Fahrwerksregelung DCC mit ihrem Sport- und Komfortmodus. Wirklich fühlbare Auswirkungen auf Fahrwerk und Lenkung sind nur in Nuancen feststellbar. Serienmäßig baut VW die elektronische Differenzialsperre XDS ein. Sie hilft beim Kurvenräubern, doch insbesondere bei starker Beschleunigung kann das Golf R Cabrio seinen Frontantrieb nicht leugnen. Hinzu kommt ein nicht gerade geringes Leergewicht von 1.614 Kilogramm.
Fast einzigartig Nichtsdestotrotz ist das VW Golf R Cabrio ein interessantes Angebot für leistungshungrige Fans des Wolfsburger Kompakten. In dieser Klasse gibt es kaum alternative Angebote, die wie der Golf R bei offenem Verdeck genügend Platz für vier Erwachsene und das mit 265 PS kombinieren. Am ehesten vergleichbar ist noch das ebenfalls "alte" BMW 135i Cabrio, was für 45.500 Euro aber schon 306 PS und einen Reihensechszylinder bietet. Leistungsmäßig gleichauf liegt hingegen der 48.291 Euro teure Porsche Boxster. Er bietet zwar auch 265 PS, weist aber nur zwei Plätze auf. Exakt 43.325 Euro ruft VW für das Golf R Cabrio auf, immerhin fast 10.000 Euro mehr als für ein GTI Cabrio mit DSG. Als Gegenwert gibt es eine reichhaltige Serienausstattung, zu der beispielsweise Ledermöbel plus Sitzheizung vorne zählen, aber auch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Trotzdem ist noch reichlich Raum für Aufpreise, zum Beispiel beim Paket von Tempomat und Windschott für 450 Euro. Mindestens 665 Euro müssen für ein Navigationssystem der jüngst abgelösten Gerätegeneration hingelegt werden.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung
Hubraum:1.984
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:195 kW (265 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 2.500-5.000 UPM
Preis
Neupreis: 43.325 € (Stand: Februar 2013)
Fazit
Keine Frage, das VW Golf R Cabrio ist ein Fall für Fans. Dafür sorgt bereits der fette Aufpreis gegenüber dem auch nicht lahmen GTI Cabrio. Als Gegenwert erhält man eine bullige Kraftentfaltung, wenngleich der Motor etwas Punch aus dem Drehzahlkeller vermissen lässt. Auch die Lenkung könnte noch etwas Feinschliff vertragen. Für das Golf R Cabrio spricht aber die Tatsache, dass man in dieser Preis- und Leistungsklasse kaum andere viersitzige Cabrios findet.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2013-02-14

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