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Testbericht

23. Dezember 2005
München, 21. Dezember 2005 – Général nennen die Franzosen all jene Autos einheimischer Hersteller, in denen sich Präsidenten, Wirtschaftsbosse und andere Wichtigkeiten chauffieren lassen. Ein klassischer Vertreter dieses Segments war – zumeist in der Langversion – der Citroën CX. Wohl ein jeder kennt Tagesschau-Bilder von Politikern, die vor dem Élysée-Palast eben solchen Stretchlimos entsteigen. Diese Rolle als prestigereiche Staatskarosse könnte eigentlich auch das aktuelle Renault-Flaggschiff Vel Satis spielen. Eigentlich. Doch mit seinem eigenwilligen Kombi-Körper fällt der formidable Franzose für diese Rolle optisch wohl zu sehr aus dem Rahmen.

Großer Diesel mit Druck und Sparpotenzial Dabei bietet der Vel Satis mit seiner Karosserie – einer Mischung aus Kombi, SUV und Limousine – handfeste praktische Vorteile. Mit üppigem Platzangebot und gediegenem Luxus zum attraktiven Preis kann der große Renault beeindrucken. Und in Zeiten hoher Spritpreise empfiehlt sich das Dickschiff zudem mit einem Dreiliter-V6-Diesel, der Kultiviertheit und Kraft mit gemäßigtem Durst vereint. Wir haben den eigenwilligen Vielkönner als 3.0 dCi Automatik getestet.

Platz für Gepäck und Passagiere Typisch für eine Oberklasse wirkt der Vel Satis imposant und wuchtig. Doch die eigenwillige Mischung aus Limousine und Kombi sorgt bei nur wenigen für große Begeisterung. Erst wenn man den Luxus-Salon betritt, werden die Vorzüge dieses Konzepts deutlich: Bei nur 4,86 Meter Länge bietet der Franzose ein erhabenes und zudem leicht erhobenes Raum- und Fahrgefühl. Vor allem Fondgäste dürfen sich auf komfortablem Gestühl über enorm viel Kopf- und Kniefreiheit freuen.

Kompromisslos Luxus Neben dem üppigen Platzangebot bietet das Passagierabteil außerdem viel Flair und Luxus. Edle Holzdekors und hochwertige Kunststoffe schaffen ein gehobenes Ambiente. Wer Wert auf eine umfangreiche Ausstattung legt, bekommt diese beim 3.0 dCi automatisch mit dazu, da es diese Motorisierung ausschließlich in der Top-Ausstattung Initiale gibt. So ist bereits ein Multimedia-DVD-Navigationssystem mit großem Farbbildschirm und CD-Wechsler an Bord. Außerdem gibt es eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit sechs Airbags, einer Reifendruckkontrolle und einer akustischen Einparkhilfe.

Druckvoll, jedoch nicht sportlich Mit viel Druck aus dem Keller geht der 177 PS starke V6-Dieselmotor zu Werke. In Kombination mit der sanft schaltenden, serienmäßigen Fünfgang-Automatik kann man ruhig dahingleiten oder auf Wunsch flott voranpreschen. Ein Turboloch ist kaum zu spüren, dafür das üppige Drehmoment von immerhin 350 Newtonmetern bei bereits 1.800 Umdrehungen. Während typische Dieselgeräusche dezent im Hintergrund bleiben, macht sich der V6 bei Leistungsabfrage durch ein markiges Grummeln bemerkbar. Die Fahrleistungen des immerhin 1,8 Tonnen schweren Riesen sind trotz dieser Kraft nicht wirklich sportlich: Für den Sprint von null auf 100 km/h vergehen immerhin 10,5 Sekunden. Und die elektronisch abgeregelte Topspeed von 210 km/h dürfte Hochgeschwindigkeits-Aspiranten ebenfalls nur mäßig begeistern. Renault hat hier einen elektronischen Riegel vorgeschoben.

Eignet sich besonders als Langstreckler Dennoch gefällt der große Diesel mit ordentlichem Durchzugsvermögen bei Zwischenspurts. Trotz der eher verhaltenen Fahrleistungen ist der Selbstzünder kein Sparwunder: Im Schnitt haben wir 10,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer verfahren. Mit seinem 80-Liter-Tank sind also Reichweiten von rund 800 Kilometer möglich.

Erstaunlich agil Nicht nur als Langstreckler, auch für flotte Kurvenfahrten eignet sich der Vel Satis. Die leichtgängige Lenkung überrascht mit unerwartet hoher Präzision. Ebenso untypisch für einen Franzosen ist die recht straffe Federung. Letztere kann bei holprigem Untergrund auch schon mal ungebührlich harte Stöße an die Insassen weitergeben. Ein Umstand, der wohl auch den 18-Zoll-Felgen unseres Testwagens zuzuschreiben ist. Doch ansonsten qualifiziert sich der Vel Satis als sanfter Gleiter, mit dem man zielgenau und schnell Biegungen durcheilen kann.

Bemerkenswert sicher Die recht bissig zupackende Bremsen sorgen zudem für gute Verzögerung. Die Armada elektronischer Helfer wie ABS, ESP, der Antriebsschlupfregelung ASR sowie der Untersteuerungskontrolle USC sorgen für ein hohes aktives Sicherheitsniveau. Bei der passiven Sicherheit spricht das hervorragende Abschneiden beim Euro-NCAP-Crashtest mit der Höchstzahl von fünf Sternen für den Vel Satis.

Großes Gepäckabteil Hinzu kommt ein variabler Kofferraum, der dank einer im Verhältnis 60 zu 40 umlegbaren hinteren Sitzbank von 460 Liter auf 1.468 Liter erweitert werden kann. Doch spezielle Clever-Lösungen für ein besonders sicheres Verstauen von Gepäck – wie der FlexOrganizer von Opel – bietet Renault nicht an. Schade. Auch lässt sich der Kofferraumdeckel nicht per Fernbedienung öffnen. Wer sich beim Öffnen der Heckklappe nicht die Finger schmutzig machen will, sollte – vor allem bei stark verdrecktem Auto – besser Handschuhe tragen.

Angesichts der Ausstattung ein Schnäppchen Der Preis für den Vel Satis liegt deutlich unterhalb des Niveaus deutscher Luxus-Limousinen. Für 47.550 Euro bekommt man im Falle des großen Renaults viel Platz, einen starken V6-Dieselmotor und darüber hinaus noch eine sehr umfangreiche Premium-Ausstattung. Zum Vergleich: Der VW Phaeton 3.0 TDI kostet mindestens 61.400 Euro, die Mercedes S-Klasse 320 CDI sogar 67.048 Euro.

Auch A6 Avant und 5er Touring sind teuer Nahe liegender ist aber wohl der Vergleich mit dem Audi A6 Avant 2.7 TDI, den es mit Sechsgang-Schaltgetriebe schon ab 39.400 Euro gibt, oder mit dem BMW 525d Touring für mindestens 41.950 Euro. Wer Wert auf noch mehr Kofferraum legt, bekommt bei diesen zwei starken Diesel-Kombis im Vergleich zum Vel Satis sogar mehr Stauraum für weniger Geld. Andererseits bietet der Vel Satis 3.0 dCi Initiale eine besonders umfangreiche Ausstattung, die sich Audi und BMW besonders teuer bezahlen lassen. Mit der gleichen Ausstattung kosten die beiden bayrischen Lademeister mit V6-Diesel fast 60.000 Euro.

Geringer Werterhalt Gegen den Vel Satis spricht wiederum sein besonders niedriger Wiederverkaufswert. Für Schnäppchen-Jäger gibt es dafür auf dem Gebrauchtmarkt sensationelle Angebote. Bereits ab 10.000 Euro kann man ein konkurrenzlos günstiges Oberklasse-Mobil ersteigern.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Dieselmotor
Hubraum:2.958
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:130 kW (177 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 1.800 UPM
Preis
Neupreis: 47.550 € (Stand: Dezember 2005)
Fazit
Das äußere Design des Vel Satis ist vor allem eines: Geschmackssache. Doch wem die eigenwillige Formgebung zusagt, der kann sich über das großzügige Platzangebot freuen: Einerseits haben die Passagiere viel Kopf- und Beinfreiheit und außerdem passt reichlich Gepäck in den Kofferraum. Darüber hinaus gibt es den Vel Satis mit Dreiliter-Diesel ausschließlich in der Top-Ausstattung Initiale. Diese beinhaltet nahezu alle wünschenswerten Komfortdetails im stilsicheren Innenraum: Von der Lederausstattung über eine Klimaanlage bis hin zu einer hochwertigen DVD-Navigation mit großem Farbmonitor ist alles bereits an Bord. Für vergleichbare Modelle deutscher Premium-Marken mit einer ähnlich hochwertigen Ausstattung muss man deutlich mehr zahlen.

Nicht über jeden Zweifel erhaben ist der große V6-Diesel, der zeitweilig etwas rau klingen kann und angesichts der nicht überragenden Fahrleistungen etwas viel verbraucht. (mh)

Quelle: auto-news, 2005-12-23

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