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Testbericht

Stefan Grundhoff, 6. September 2016
Mutige Formen, scharfe Linien und riesige Räder - Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker durfte mit dem neuen Scenic seinen Traum verwirklichen. Doch der lässige Van hat auch seine Schwächen.

So einen Familienvan wie den Renault Scenic hat die Welt noch nicht gesehen. Der 4,40 Meter lange Franzose war einer der großen Stars auf dem Genfer Automobilsalon in diesem Frühjahr. Ein Auto, an dem man sich auch beim zehnten Kontakt noch nicht sattgesehen hat und immer neues entdeckt. Die gigantische Frontscheibe, die riesigen 20-Zöller, eine hohe Gürtellinie und viele nette Details - der Renault Scenic und sein großer Bruder Grand Scenic räumen mit dem Vorurteil auf, dass ein Van eine langweilige Kiste zur reinen Personenbeförderung sein muss. Der Scenic ist spektakulär, aber diesmal eben nicht zu verschroben oder mit zu viel Avantgarde, wie man es schon öfter aus französischer Hand gesehen hat. Konkurrenten wie VW Touran, Opel Meriva / Zafira, Peugeot 5008, BMW 2er Active Tourer oder Ford C-Max sehen gegen den Scenic aus wie Großväter.

Doch das Designerschmuckstück mit Platz für fünf hat auch seine schwachen Seiten. Die auf den ersten Blick gigantisch großen 20-Zoll-Räder sind viel zu schmal. Mit dem Format 195/55 R20 auf 6,5 Zoll großen 20-Zoll-Alus gibt es zwar einen niedrigen und somit verbrauchsgünstigen Rollwiderstand, aber auch ein überaus überschaubares Komfortniveau. Kleine Wellen und Bodenunebenheiten kann die Federung gar nicht so schnell schlucken, wie diese in der Karosserie und somit auch bei den Insassen ankommen. Auch bei größeren Unebenheiten wie Bodenwellen oder Kissen zur Verkehrsberuhigung schlägt es mächtig durch. Die schmalen Pneus mit den harten Seitenwänden können nicht überzeugen. Wie gut würde sich der neue Renault Scenic nur mit 17- oder 18-Zöllern fahren? Der Familien-Renault hat 17 Zentimeter Bodenfreiheit - fünf mehr als Vorgänger. Kein Wunder, dass es bisweilen mächtig wankt.

Deutlich überzeugender ist seine Motorenpalette. Und gerade der 132 PS starke Scenic TCe 130 zeigt, dass es bei einem Van nicht immer ein Diesel sein muss. Der nur 1,2 Liter große Vierzylinder gaukelt einem gar nicht vor, mit mehr Hubraum unterwegs zu sein. Doch trotz der kleinen Brennkammern bietet der Franzose eine beeindruckende Laufruhe. Alles andere als ein Kraftpaket - doch eben auch alles andere als enttäuschend. Mit dem leicht und präzise zu schaltenden Sechsgang-Getriebe ist der Fahrer jederzeit Herr der Lage. Niedertourig wird es schon einmal etwas träge; schließlich sind 205 Nm (kurzzeitig 225 Nm) bei 2.000 Touren heutzutage keine Offenbarung mehr. Doch das der 1,5 Tonnen schwere Familienvan erst einmal Fahrt aufgenommen, geht es flott über Berg und Tal, durch die City, über Land und Autobahn. 0 auf Tempo 100 in 11,4 Sekunden interessieren weit weniger als eine Höchstgeschwindigkeit von guten 195 km/h. Der Normverbrauch von 5,8 Litern erhöht sich im normalen Fahrbetrieb deutlich Richtung Acht-Liter-Marke. Mit dem 52-Liter-Tank reicht das allemal für 600 Kilometer und mehr.

Deutlich mehr Detailliebe als in den vorherigen drei Scenic-Generationen hat Renault in den Innenraum gesteckt. Die Stühle lassen sich vielfältig verstellen, bieten vorne wie hinten guten Seitenhalt und allemal Langstreckenkomfort. Allzu groß sollten die Insassen im Fond jedoch nicht sein; denn der Knieraum ist trotz verschiebbare Bank nicht üppig und so lockt der Grand Scenic mit sieben Zentimetern mehr Radstand und einer Gesamtlänge von 4,64 Metern für viele Interessenten wohl vehement. Die Instrumente sind übersichtlich und an den großen Hochkant-Touch-Bildschirm für die Bedienung von Soundsystem, Navigation, Telefon, Klimatisierung oder Apps gewöhnt man sich schnell. Vor Fahrer und Beifahrer präsentiert sich das Armaturenbrett jedoch als gewaltiger Kunststoffkoloss. Bis zur ebenso mächtigen Windschutzscheibe ist es fast ein halber Meter und so werden wertvolle Zentimeter für den Innenraum leichtfertig verschenkt. Zudem stoßen unterschiedliche Kunststoffnarbungen deutlich sichtbar schmerzhaft aneinander, die nach ein paar Jahren Sonneneinstrahlung noch problematischer werden dürften.

In Sachen Komfort- und Sicherheitsausstattung steht der 4,40 Meter lange Renault Scenic der deutschen Konkurrenz schon lange in nichts mehr nach. Abstandstempomat, Tempoerkennung, Spurwechsel- oder Totwinkelwarner bietet der Franzose im Paket. Dazu gibt es Details wie LED-Scheinwerfer, Müdigkeitserkennung oder Notbremsassistent. Das Ladevolumen von 506 Litern lässt sich durch einfaches Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.554 Liter erweitern. Mit dem umklappbaren Beifahrersitz lassen sich Gegenstände bis zu einer Ladelänge von 2,61 Metern einladen. Die Zuladung: 525 kg. Schlicht vergessen wurde scheinbar eine bei der Konkurrenz und in anderen Fahrzeugklassen längst verbreitete elektrische Heckklappe und das Schloss steht markant und gefährlich aus der Ladeklappe heraus. Praktische Ablagen bilden das 11,5 Liter große Handschubfach oder die variabel verschiebbare Mittelkonsole.

Der Basispreis für den blass ausgestatteten Renault Scenic TCe 115 Life liegt bei 19.900 Euro. Wer keinen Diesel braucht, ist mit dem 132 PS starken Scenic TCe 130 in der Ausstattungsvariante Intens ab 25.090 Euro bestens unterwegs. Der bietet unter anderem Navigationssystem, Klimaautomatik, Einparkhilfe vorne / hinten, abblendbare Spiegel sowie ein Basispaket an Fahrerassistenzausstattungen. Das 590 Euro teure Relax-Paket bringt Sitzheizung, Komfortkopfstützen und einen elektrischen Fahrersitz in den Innenraum. Die sinnvollen LED-Scheinwerfer kosten weitere 1.190 Euro extra und allein um die 20-Zöller kommt man leider nicht herum.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Sechsgang-Handschaltung
Motor Bauart:Vierzylinder-Turbo
Hubraum:1197
Drehmoment:205 Nm bei 2000 UPM
Preis
Neupreis: 25450 € (Stand: 2016-09-07)
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-09-06

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