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Testbericht

Stefan Grundhoff, 1. Juli 2013
Peugeot schockt mit dem Fabelsieg am Pikes Peak die internationale Konkurrenz. Sebastian Loeb stürmt in seinem 895 PS starken Peugeot 208 T16 in 8.13,878 Minuten den 4.301 Meter hohen Berg hinauf. Kommt da noch mehr?

In Sachen Motorsport-Engagement tun sich die Franzosen derzeit schwerer denn je. Aus der Le-Mans-Serie ist man 2012 ausgestiegen und auch in Sachen Tourenwagen bietet die Löwenmarke seinen Fans derzeit nichts Greifbares. Peugeot, durch den wegbrechenden europäischen Markt stärker als viele andere Marken betroffen, sucht nach festem Boden und einer neuen Strategie - auch im Motorsport. Das zeigt auch der phantastische Sieg von Sebastian Loeb am Pikes Peak in Colorado. Die 12,42 Meilen lange Achterbahn mit ihren 156 Kurven hinauf auf den renommiertesten Berg im Motorsport schafft der neunmalige Rallyeweltmeister aus Frankreich in 8.13,878 Minuten und verbesserte die Bestzeit von Vorjahressieger Rhys Millen um fast eineinhalb Minuten. Das hatte es in der Geschichte des 1916 ins Leben gerufenen Rennens noch nicht gegeben.

"Wir wollten nach unserem Aus für das 24-h-Engagement ein Zeichen setzen", erläutert Peugeots Motorsport-Chef Bruno Famin, "wir sind ein kleines Team und kommen hier am Pikes Peak mit einem Bruchteil der Kosten für Le Mans oder eine Rallye aus. Die Zeit von Sebastian war phantastisch." Trotzdem bleibt die Frage, was Peugeot mit dem prägnanten Aufschlag in Feines Land am Pikes Peak bezweckt. Die Franzosen sind auf dem amerikanischen Automarkt seit Jahren nicht mehr vertreten und besonders hier hat das schwerste Bergrennen der Welt einen Namen wie Donnerhall. Der Nutzen des imageträchtigen Sieges in den Rocky Mountains und der Abstrahleffekt für Europa oder Asien halten sich in Grenzen. Für Sebastian Loeb, neunfacher Serien-Weltmeister in der Rallye-Weltmeisterschaft bei der Schwestermarke Citroen, war das Pikes-Peak-Engagement ein Traum. Große Motorsport-Namen wie Walter Röhrl, Ari Vatanen, Stig Blomquist, Michele Mouton oder drei Mitglieder der legendären Unser-Familie waren in den letzten Jahrzehnten den 4.301 Meter hohen Pikes Peak mit seinen 156 Kurven und Kehren bereits mit Vollgas hochgejagt und hatten sich so in die Geschichtsbücher geschrieben.

Peugeot war mit gerade einmal zehn Mann nach Colorado Springs gereist und hatte mit dem 208 T16 Pikes Peak eine einzigartige Kanonenkugel als Einzelstück auf Rennreifen gestellt. Zahlreiche Komponenten des 875 PS starken Allradlers stammen aus den alten Le-Mans-Rennwagen vom Typ 908. Der aufgeladene Sechszylinder-Turbo mit seinen 3,2 Litern Hubraum kommt aus einer alten Le-Mans-Entwicklung für ein Privatteam. Seine Höchstgeschwindigkeit trotz nachlassender Motorleistung in der Höhe: 250 km/h. "Die Idee zu dem Engagement hier am Pikes Peak hatten wir im letzten Sommer", erinnert sich Bruno Farim, "am 19.November haben wir dann offiziell mit dem Projekt begonnen." Nach ersten zaghaften Kontakten mit Sebastian Loeb, seit vielen Jahren Topfahrer der Konzernmarke Citroen, zum Jahreswechsel sagte der schnelle Elsässer im März zu. Sebastian Loeb gewohnt wortkarg: "Wieso nicht einmal der Pikes Peak? Es war ein komplett neues Projekt und eine ganz neue Erfahrung im Vergleich zu einer Rallye."

Um den Werbewert möglichst hoch zu halten, bekam der Bergrenner die Bezeichnung Peugeot 208 T16 Pikes Peak. Mit dem Serien-208, der auch als 200 PS starke GTI-Version zu bekommen ist, hat der in rund vier Monaten entstandene Pikes-Peak-Donnervogel abgesehen vom Markenlogo und dem 208er-Signet am Heck nicht eine Schraube gemein. Allein die Silhouette wurde nachempfunden und einige Details wie Scheinwerfer und Rückleuchten als Aufkleber auf das Einzelstück gebracht. Sebastian Loeb: "Welchen Stellenwert das Rennen neben den neun Rallye-Weltmeistertiteln hat? Schwer zu sagen; ich kann nicht das eine oder das andere werten. Aber auf jeden Fall war es was ganz besonderes."

Der Bergmonster Peugeot 208, mit dem Loeb die Konkurrenz in Grund un Boden fuhr, besteht aus nicht viel mehr als vier Rennreifen, einem Gitterrohrkäfig, Karbonhülle, Turbo-Triebwerk, Lenkrad, dem mittig positionierten Sitz und gigantischen Spoilern für maximalen Abtrieb. Schließlich hat die Strecke den beliebtesten Berg der USA hinauf keine Begrenzungen. Ein Fehler und man stürzt hunderte von Metern in die Tiefe. Sebastian Loeb: "Klar war ich nervös; aber man darf sich nicht verrückt machen. Das Auto war klasse, was sollte also schief gehen?" Bleibt abzuwarten, welche Einzelprojekte Peugeot noch im Blick hat. Für größere Motorsport-Engagements scheint das Geld zu fehlen; daher will man mit markanten Signallichtern wie am Pikes Peak auf sich aufmerksam machen. Fehlt nur noch der Transfer in die Serie. Da haben die Franzosen derzeit nichts wirklich Sportliches zu bieten.
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Quelle: Autoplenum, 2013-07-01

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