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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 29. Januar 2014
Mercedes lässt es auch bei den schweren Jungs richtig krachen. Die SLT-Versionen der beiden Lkw-Brüder Actros und Arocs kombinieren brachiale Kraft und Hightech.

Erinnern Sie sich noch an die Kult-Serie der 80er Jahre "Knight Rider". Dann ist Ihnen sicher noch der monströse schwarze Truck "Goliath" ein Begriff, der mit seinem Fahrer Garthe Knight dem Serienhelden Michael Knight und KITT das Leben schwer machte. Gegen die Mercedes-Benz-Trucks Actros SLT (hauptsächlich für die Straße) und Arocs SLT (für den Bau) ist der pechschwarze US-Lkw ein halbwüchsiges Bürschchen. Die riesigen Stern-Vehikel sind Hightech-Maschinen mit einer Reihe von ausgeklügelten Ideen. Wer Nutzfahrzeuge immer noch mit technisch einfachen und rustikalen Pritschenfahrzeugen gleichsetzt, ist schief gewickelt.

Die SLT-Trucks mit dem Stern wiegen rund 41 Tonnen, haben einen Reihensechszylinder-Dieselmotor, der aus 15,6 Liter Hubraum mal eben knackige 3.000 Newtonmeter maximales Drehmoment schöpft. Ja, Sie haben richtig gelesen: dreitausend. Damit die bis zu 250 Tonnen schweren Lasten auch in Bewegung geraten, stehen bereits bei 800 Umdrehungen 2.500 Newtonmeter Gewehr bei Fuß. Nur dank dieser urwüchsigen Kraft schaffen es die Zugmaschinen, Teile von Windkraftanlagen quer durch Deutschland zu schleppen. In der stärksten Ausbaustufe knallt der wuchtige Selbstzünder mit dem internen Code OM 473 lockere 625 PS auf die vier Achsen.

Dass so ein Aggregat einen gehörigen Durst hat, dürfte wohl keinen mehr überraschen. Wie viel der Motor verbraucht hängt vom Einsatzgebiet ab. Bei extremer Belastung, wenn es mit Maximal andauernd steil bergauf geht, können daraus schon einmal 304 l/100 km werden. Da ist auch der 900-Liter-Tank schnell geleert. Aber dieser Ausnahmezustand wird nur bei außergewöhnlichen Erprobungen erreicht. Der riesige Motor unterscheidet sich in seiner grundsätzlichen Technik kaum von den Pkw-Varianten: Direkteinspritzung und Turbolader - alles vorhanden. Die Leistungsbandbreite reicht von 517 bis eben den 625 PS. Ein Leckerbissen ist die sogenannte Turbo-Compound-Technik. Das ist im Grunde nichts anderes, als eine zweiter Turbolader, der nach der Hauptturbine den Rest des Abgasstroms nutzt, um noch 50-Extra-PS auf die Kurbelwelle zu bekommen. Unterm Strich erreicht das Triebwerk sogar die Euro-6-Abgasnorm.

Im Detail gibt es dann schon ein paar Unterschiede, die den Lkw zum Hightech-Fahrzeug machen: Da ist zum Beispiel die Kupplung. Eigentlich müsste es heißen, die Kupplungen. Die "Turbo-Retarder-Kupplung" hat eine hydraulische Kupplung, die zum verschleißfreien Anfahren, Rangieren und Motorbremsen genutzt wird. Geht es auf der langen Strecke dahin, übernimmt eine konventionelle Trockenkupplung die Schaltvorgänge. Immerhin haben die SLT-Trucks 16 Gänge. Die kann der Fahrer mit verschiedenen Fahrprogrammen kombinieren. Bei der eigens für die SLT-Versionen entwickelten Heavy-Einstellung werden die Gänge möglichst spät und möglichst schnell gewechselt. Den braucht man, wenn es mit schweren Lasten bergauf geht.

Auch bergab sind die SLT-Trucks für alle Fälle gewappnet. Schließlich sollen gestresste Pkw-Fahrer keinen Herzinfarkt bekommen, wenn ein 40-Tonnen-Prügel mit einem 200-Tonnen-Anhänger auf einer Bergabpassage formatfüllend im Rückspiegel auftaucht. Der Brummi-Pilot kann die regulären Bremsen mit der Motorbremse unterstützen. Das funktioniert im Grund genauso, wie beim Pkw. Allerdings gibt es auch hier verschiedene Verzögerungsstufen, die mit einem Hebel aktiviert werden. In der ersten werden drei Zylinder des Motors genutzt, in der zweiten alle sechs und bei der dritten springt die Turbo-Retarder-Kupplung helfend ein. Dann beträgt die Verzögerungsleistung rund 1000 PS. Grund genug für den Familienvater in seinem Mini-Van beruhigt den Berg hinunter zu rollen. Auch wenn ein Lkw von hinten aufschließt.

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist auf Bequemlichkeit getrimmt. Der superbequeme Sitz, die Instrumente die alle in Richtung des Lenkers ausgerichtet sind und das komfortable Bett gleich hinter den Sitzen machen die geräumige Kabine fast schon zum Wohnparadies. Bei Mercedes wird das größte Führerhaus namens GigaSpace auch gerne "Dreizimmer-Apartment" genannt. Ganz falsch ist das nicht, immerhin kann sogar Basketball-Star Dirk Nowitzki im 2,13 Meter hohen Aufbau stehen. Um in die Kabine zu kommen, muss man erst über vier Stufen hinaufklettern, um dann knapp zwei Meter über allem in dem Fahrersitz zu thronen. Irgendwie ist der Monster-Truck Goliath doch cooler als der Pkw KITT.
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Quelle: Autoplenum, 2014-01-29

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