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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 9. Februar 2014
Bei Mercedes-Benz Custom Tailored Trucks im elsässischen Molsheim fertigen rund 600 Mitarbeiter speziell auf Kundenwünsche zugeschnittene LKWs.

Das Städtchen Molsheim im Elsass war bisher als Mekka der Extrem-Beschleunigungs-Jünger bekannt. Doch nicht nur PS-starke Bugattis laufen dort vom Band, sondern auch modifizierte Mercedes-Benz LKWs, die nicht mit weniger Aufwand hergestellt werden. "Unsere Kunden wollen den Truck als Maßanzug. Das sehen wir als Auftrag. Geht nicht, gibt es nicht ", sagt Werksleiter Klaus Fischinger. Deswegen ist der Name "Custom Tailored Trucks" (dt: maßgeschneiderte LKWs, CTT) auch Programm. Seit der CTT-Gründung im Jahr 2000 haben über 150.000 Umbauten die Hallen verlassen und tun nun in über 140 Ländern ihren Dienst. Ob auf chinesischen Ölfeldern oder einer schweizer Kiesgrube - die Wahrscheinlichkeit, einen Mercedes-Benz-CTT-LKW zu finden, ist relativ groß. Jeder fünfte Truck mit dem Stern auf dem Kühlergrill kommt aus dem Elsass.

Die Bandbreite der Kundenwünsche ist beeindruckend: "Kleinigkeiten", wie das Versetzen des Tanks oder eines Auspuffrohres gehören für die Techniker aus Molsheim zur Routine. Spannender wird es dann schon, wenn extreme Spezialanfertigungen gefragt sind: wie zum Beispiel, wenn acht Trucks eine mobile Ölplattform transportieren sollen. Dann sind viel Ingenieurskunst, Erfindungsreichtum und handwerkliche Fähigkeiten gefragt. Geht es an solche Umbauten, agieren die Ingenieure aus Molsheim nicht als Einzelkämpfer, sondern greifen auch auf die Expertise der Kollegen aus einem anderen Mercedes-LKW-Werke in Wörth.

Diese vierachsigen Ölförderungs-Spezialfahrzeuge werden zunächst fast komplett demontiert: Die Techniker bauen die Hinterachsen aus und entfernen alle Anbauteile vom Rahmen. Danach wird der Rahmen auseinandergeschnitten und Radstands-Verlängerungen eingeschweißt. Dass bei dieser Konstruktion natürlich jeder Schweißpunkt sitzen muss, ist klar. Da die Ölplattform viel Platz braucht, versetzten die Spezialisten kurzerhand den Tank an die Rückwand des Fahrerhauses.

Genau andersherum läuft es bei einer Zugmaschine für eine der gigantischen Road-Trains in Australien, bei der drei Anhänger quer durch den Kontinent gezogen werden. Um die vorgeschriebene Gesamtlänge nicht zu überschreiten, musste der Radstand von der Vorderachse bist zur ersten Hinterachse von rund 3,90 auf etwa 3,15 Meter verkürzt werden. Sobald Lasten über 250 Tonnen gezogen werden sollen, verstärken die Techniker auch noch den Anhängerbock, zu dem auch die Anhängerkupplung gehört. Auch die Feuerwehr-Laster gehen durch die Hände der Männer aus dem Elsaß. Bei den typisch rotlackierten Zugmaschinen wird vor allem an den Platzverhältnissen in den Fahrerkabinen gefeilt. Bei der neuesten Version haben die Passagiere einzeln verstellbare Rückenlehnen und Einzelsitze, die versetzt angebracht sind. Da bedeutet mehr Platz für die Passagiere.

Neben den schweren Zugmaschinen, wird auch die Fahrgastkabine des deutschen Klassikers Unimog in Molsheim gefertigt. Die Kabine ist allerdings nicht aus Stahl, sondern aus Plastik und Verbundstoffen, wie Carbon. "Bei einer Stückzahl von 1.000 pro Jahr ist das billiger, als wenn wir Stahlwerkzeuge verwenden", erklärt der Techniker Claude Vermel.

Wie es sich für die Umbau-Künstler geziemt, heißen die Arbeitsplätze "Ateliers". Auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern befinden sich 65 solcher Standplätze und zwei Lackierkabinen. Von außen sieht man den unscheinbaren weißgrauen Hallen die Ingenieursleistung, die darin vollbracht wird nicht an. Ganz entscheidend ist die sogenannte Aufbauherstellerfreundlichkeit. Um mehr Platz für die Aufbauten zu haben, verlegten die Ingenieure auf Wunsch der Kunden den Euro-6-Katalysator kurzerhand unter die Fahrkabine.

Bastellösungen sind in Molsheim verpönt. Schließlich muss jeder Umbau mit den technischen Regularien und den Mercedes-Produktionstechniken vereinbar sein. Sobald genug Nachfrage besteht, wird die Umbau-Lösung in das Serienangebot aufgenommen. Bei aller Kunst und Erfahrungf sind komplizierte Aufträge nicht von heute auf morgen umsetzbar, sondern brauchen etwa sechs Monate. Doch auch hier gilt: Möglich ist alles.
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Quelle: Autoplenum, 2014-02-09

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