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Testbericht

Sebastian Viehmann, 13. Januar 2010
Nach dem Volks-Hybrid nun der Sport-Hybrid: Honda bringt noch in diesem Jahr das Coupé CR-Z auf den Markt. Der Wagen weckt Erinnerungen an den erfolgreichen CRX, doch eine kleine Rakete wird er wohl kaum.

Glaubt man Zukunftsforschern, wird sich die Rolle des Autos radikal verändern. Der fahrbare Untersatz hat als Statussymbol bald ausgedient. Nun setzen vor allem japanischen Hersteller auf alternative Antriebe, um dem Automobil einen Rest Faszination zu erhalten. Der in Detroit präsentierte Honda CR-Z soll nichts anderes sein als eine coole Öko-Karre für junge Fahrer. „Die gänzlich neue Interpretation eines Fahrzeugs mit Hybridantrieb und einer Karosserieform, die für Sportlichkeit steht, wird das derzeitige Image von Hybridfahrzeugen radikal verändern“, tönt es selbstbewusst aus Hondas Presseabteilung.

Das kleine Hybrid-Coupé ist technisch mit dem Honda Insight verwandt. Für den europäischen Markt gibt es ausschließlich eine 2+2-sitzige Konfiguration, die auf dem Genfer Salon im März gezeigt wird. Die Europa-Version wird auch Tagfahrleuchten und Nebelscheinwerfer bekommen. Im Cockpit gibt es zwar ein paar Öko-Anzeigen, doch der zentrale Drehzahlmesser mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige sieht richtig schick aus. Der CR-Z weckt schon durch seine Optik Erinnerungen an den beliebten Dreitürer CRX und hat eine ähnliche Heckform mit großer Scheibe. Diese von Aerodynamikern „Kamm-Heck“ genannte Form ist bei Hybriden weit verbreitet.

Der erfolgreiche CRX entstand in den 80er Jahren als Sportcoupé auf Basis des Honda Civic. Mit dem Civic hatte Hondas Siegeszug auf den Importmärkten Europa und Nordamerika begonnen. Der genügsame und günstige Wagen mit der praktischen Heckklappe erfreute sich großer Beliebtheit und kam während der Ölkrisen der 70er Jahre genau zum rechten Zeitpunkt. Die Emotionen blieben bei dem kleinen Japaner allerdings auf der Strecke. So schob Honda den flotten Dreitürer CRX nach. Der Wagen hatte zunächst 100 PS und war nicht gerade eine Rakete. Doch dann kam der berühmte 1,6-Liter Vierzylinder mit 16 Ventilen, der vor allem in den USA den Ruf des CRX als „Pocket Rocket“ (Taschenrakete) begründete. 124 Pferdestärken mussten lediglich 1100 Kilogramm Auto durch die Arena jagen.

Der CR-Z hat ebenfalls 124 PS. Die Antriebsarbeit teilen sich ein 1,5-Liter Vierzylinder-Benzinmotor und ein 14 PS starker Elektromotor. Die E-Maschine steuert ein zusätzliches Drehmoment von 78 Newtonmetern bei, so dass das Drehmoment des Gesamtsystems auf 174 Newtonmeter steigt. Der Elektromotor ist zwischen Benzinmotor und Getriebe platziert. Er garantiert laut Honda eine ungewöhnlich flache Drehmomentkurve, deren Maximum bereits bei 1500 Umdrehungen pro Minute erreicht wird. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei fünf Litern pro 100 Kilometer. Über die Leistung der Hybridbatterie machen die Japaner keine Angaben, auch nicht darüber, ob der CR-Z rein elektrisch fahren kann. Wahrscheinlich wird das wie beim Honda Insight nur über sehr kurze Strecken im „Segel-Betrieb“ möglich sein.

Ob der CR-Z beim Fahrspaß an den berühmten CRX anknüpfen kann, wird sich zeigen – Hybride wie Insight und Prius sind schließlich keine agilen Kurvenjäger. Und da der CR-Z nur 44 Kilogramm leichter ist als der viertürige und 30 Zentimeter längere Insight, schleppt er immerhin rund 1,2 Tonnen mit sich herum. Die Japaner versprechen aber ein knackiges Fahrwerk mit leichten Aluminium-Federbeinen sowie einen sportlichen Auspuffsound. Im Gegensatz zu dem bei Hybriden üblichen stufenlosen CVT-Getriebe hat der CR-Z außerdem ein manuelles Sechsganggetriebe an Bord.

Eine spezielle Fahrdynamikregelung soll im kleinen Hybrid-Coupé sportliche Ambitionen wecken. Das System bietet die Wahl zwischen drei Fahrprogrammen, die Gasannahme, Lenkung, Leerlaufabschaltung, Klimasteuerung und Unterstützung durch das Hybridsystem variieren. Zur Auswahl stehen die Programme Sport, Normal und Econ. Je nach Programm stehen also Fahrspaß, betont wirtschaftliches Fahren oder ein Kompromiss aus beiden auf dem Plan.

Unterm Strich sind 124 PS bei einem Durchschnittsverbrauch von fünf Litern freilich wenig beeindruckend. Der größere Insight ist sparsamer, aber eben auch als Vernunftauto ausgelegt. Kleine Turbo-Benziner erreichen ebenfalls Werte zwischen 5 und 6 Litern bei sehr ordentlichen Fahrleistungen. Und VW präsentierte in Detroit mit der Hybrid-Studie NCS ein Jetta-Coupé mit 150 Turbo-PS plus Elektromotor, das nur 4,2 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen soll.

Im Gegensatz zum VW steht der CR-Z allerdings schon in den Startlöchern. Im Sommer kommt der Wagen nach Europa und Nordamerika. Die Japaner können den jungen Öko-Wilden schon im Februar kaufen. Preise nennt Honda noch nicht. Doch da das Auto vor allem ein jugendliches Publikum ansprechen soll, dürfte der Einstiegspreis moderat ausfallen. Der bislang günstigste Hybrid auf dem deutschen Markt ist der Honda Insight (ab 19.950 Euro).
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2010-01-13

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