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Testbericht

Stefan Grundhoff, 25. Juli 2009
Die blaue Periode hat Mercedes seinen Kunden hierzulande lange vorbehalten. Während die Sauber-Diesel in den USA schon länger unterwegs sind, kommen die Bluetecs erst jetzt nach Europa.

Während die Kunden im Mercedes-Heimatland verstärkt auf die kleineren Modelle ML und GLK setzen, erfreut sich der GL insbesondere in Nordamerika einer großen Beliebtheit. Als Konkurrent von Range Rover, Infiniti QX 56 oder Toyota Land Cruiser V8 geht dort Größe und Ausstattung vor Effizienz. Dass es aber auch bei einem Geländewagen der Fünf-Meter-Liga sparsam geht, davon kann man sich beim GL nun auch in unseren Breiten überzeugen. Mit einem Leergewicht von über 2,5 Tonnen ist der GL ein mächtiger Koloss. So merkt man auch nach ein paar Kilometern, dass die ZUsammenarbeit von 2,5 Tonnen Leergewicht und einem einfach aufgeladenen Dreiliter-Diesel ihre Grenzen kennt. Hersteller wie BMW, Jaguar und Land Rover machen ihren Sechszylinder-Selbstzündern mit doppelten Turboaufladungen Druck. Andere ziehen nach.

Während Mercedes bei den Vierzylinder-Dieseln bereits nachgelegt hat und im kommenden Jahr eine neue Benziner-Generation auflegt, fährt man mit dem Dreiliter-V6 hinter den Besten der Konkurrenz mit einigem Abstand hinterher. Daran ändert auch der Bluetec-Schriftzug am Heck wenig. Und nur weil der GL nun 350 und nicht mehr 320 heißt, hat er nach wie vor trotzdem den Dreiliter-Diesel unter der voluminösen Motorhaube. Dort arbeiten sechs Zylinder auf Hochtouren und leisten 155 kW/211 PS und 540 Nm maximales Drehmoment, das ab 1.600 Touren zur Verfügung steht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h.

Etwas mehr Leistung dürfte es angesichts der gewaltigen Masse zwar durchaus sein. Doch immerhin ist der Verbrauch mit 9,0 Litern auf 100 Kilometer auf der Höhe der Zeit. Da die Siebengang-Automatik bisher noch nicht mit einer Start-Stopp-Automatik gekoppelt ist, schaltet diese beim Ampelstopp wenigstens schon mal in den Leerlauf. Die elektrohydraulische Servolenkung reduziert den Verbrauch ebenso weiter wie die verbesserte Aerodynamik. Entkoppelbare Nebenaggregate oder ein regeneratives Bremssystem bleiben bei der Modellpflege jedoch außen vor.

Die Blauen von Mercedes schlucken nicht nur Diesel und Öl - sie wollen auch ein Additiv fürs Sauber sein. Im Durchschnitt werden pro 100 Kilometer allerdings nur 0,1 Liter AdBlue benötigt. Rein rechnerisch müsste der Tank also erst nach knapp 30.000 Kilometern nachgefüllt werden. Das geschehe dann im Rahmen der planmäßigen Wartungsintervalle, verspricht Mercedes. Bei hohen Anforderungen, etwa im Anhänger-Betrieb, steige jedoch parallel zum Spritverbrauch auch der von AdBlue an. Die Geräuschdämmung des GL 350 Bluetec ist gelungen: Nur wenig deutet im normalen Fahrbetrieb auf den Dieselantrieb der sauberen Schadstoffklasse Euro-6 hin. Trotz der gewaltigen Massen und den bis zu sieben Sitzplätzen ist man im GL also ebenso souverän wie leise unterwegs. Als einiges von wenigen Modellen weltweit ist in der GL-Klasse durchaus auch in der dritte Reihe akzeptabel viel Platz selbst für Erwachsene. Wer den Gepäckraum nicht braucht, kann die beiden Einzelsitze hinten elektrisch ausfahren. Das Ladevolumen liegt zwischen 620 und 2.300 Litern.

Die optische Modellpflege ist selbst für Fahrer einer aktuellen GL-Version kaum zu erkennen. Ähnlich wie jüngst die aufgehübschte S-Klasse verzichtet nun auch der GL auf Nebelleuchten. Statt dessen gibt es ein dünnes LED-Tagfahrleuchtenband. Im Rückspiegel durchaus eindrucksvoll - aber eben auch etwas Kirmes und Geschmacksache. Ansonsten ist wenig passiert. Neue Stoßfänger und Schürzen, ein neu gestalteter Chromunterschutz und leicht modifizierte Heckleuchten, nun ebenfalls in LED-Technik, sind nette Details - aber wenig beeindruckend.

Die großen Stärken des 5,10 Meter langen Mercedes GL 350 Bluetec sind also nicht so sehr sein verbesserter Verbrauch, sondern der gigantische Innenraum und die gute Geländegängigkeit. Dank Luftfedern mit bis zu 30 Zentimetern Bodenfreiheit, Sperren und Untersetzung kann man mit dem GL auch im harten Gelände seinen Spaß haben. Aber real fährt mit dem GL niemand ernsthaft ins Gelände. Ein Aufstieg zur Skihütte in den Bergen ist da schon wahrscheinlicher. Den vielen Platz braucht man im realen Alltagseinsatz zwar ebenso wenig wie die gute Geländegängigkeit - aber es ist schön zu wissen, dass man könnte, wenn man denn wollte.

Und wem der GL 350 Bluetec doch zu schwach auf der Brust ist, der kann sich immer noch für die deutlich kraftvolleren V8-Modelle GL 450, GL 500 und GL 450 CDI entscheiden. Der Basispreis für einen allenfalls mittelprächtig ausgestatteten Mercedes GL 350 Bluetec liegt bei 72.411 Euro. Immerhin hat die Bluetec-Version dann Klimaautomatik, ein komplettes Sicherheitspaket und 20-Zöller.
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Quelle: Autoplenum, 2009-07-25

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