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Testbericht

Sebastian Viehmann, 13. Dezember 2009
In Dubai gehören dicke Schlitten zur Selbstverständlichkeit. Wer seine Kundschaft beeindrucken möchte, muss sich in den Emiraten schon etwas besonders einfallen lassen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem goldenen SLS?

Goldschmuck am Körper zu tragen, das gilt im Islam zumindest für Männer als unpassend. Doch in der eigenen Garage könnten Sportwagen-Fans in den Vereinigten Arabischen Emiraten demnächst in Versuchung geraten. AMG präsentiert seinen Supersportwagen SLS auf der Dubai Motor Show im Farbton „Desert Gold“. Zwar wurde die Aluminiumkarosserie nicht in echtes Edelmetall getaucht, doch der seidenmatte Goldton verleiht dem Flügeltürer eine besondere Aura. Als Kontrast sind sämtliche Zier- und Anbauteile wie Tankdeckel und Typenschilder mit einem tiefschwarzen Lacküberzug versehen.

Wenn die Resonanz auf der Messe positiv ausfällt, soll der Goldlack künftig als Sonderausstattung angeboten werden. Besonders gute Kunden muss man schließlich regelmäßig streicheln: Während Märkte wie Deutschland und die USA schwächeln, bleibt der Mittlere Osten selbst in der Wirtschaftskrise ein Lichtblick am Ende des Tunnels. „Im Jahr 2009 haben wir in Dubai mehr als 1000 Autos verkauft, das ist ein Plus von 10 Prozent gegenüber 2008 und damit eine Entwicklung gegen den Trend“, sagt AMG-Chef Volker Mornhinweg. Die Premiere des goldenen Flügeltürers in Dubai sei daher auch „eine Verneigung vor dem Mittleren Osten“. Nach USA, Deutschland und Japan ist die Golfregion der viertgrößte Markt für AMG.

Auch bei Gargash Enterprises, einem der größten Mercedes-Händler in den Vereinigten Arabischen Emiraten, freut man sich auf den Flügeltürer. „Für den SLS haben wir schon 20 bis 24 Vorbestellungen“, sagt Firmenchef H.E. Abdul Jabbar Gargash. Und dabei dürfte es nicht bleiben. „Ich schätze, dass wir im Jahr 2010 insgesamt 100 Stück verkaufen können“, so Gargash. Doch nicht nur im Mittleren Osten kommt der SLS als Imageträger für Mercedes und AMG gut an. „Die Nachfrage in Deutschland ist so groß, das wir die ursprünglich für den deutschen Markt geplante Anzahl des SLS aufgestockt haben“, freut sich Volker Mornhinweg.

Aber selbst in der Golfregion, in der die Nachfrage nach Luxusautos trotz Krise bislang nur moderate Einbußen verzeichnet, sind Supersportwagen eine Nische. Abdul Jabbar Gargashs erfolgreichstes Modell ist der G 55 AMG. 2008 hat er rund 200 Stück davon verkauft, 2009 waren es schon 300. Auf der Dubai Motor Show steht deshalb auch eine Sonderedition zum 30-jährigen Jubiläum des kantigen Kraxlers, die „Edition 79“ mit 507 PS, mattgrauer Lackierung, Rammbügel an der Front, Zierleisten in Karbonoptik und 19-Zoll-Leichtmetallrädern. Nur 79 Exemplare werden gebaut. Der hohe Verbrauch des Geländewagens ist in einer Region, in der einmal Volltanken umgerechnet keine 20 Euro kostet, im Bewusstsein der Menschen nicht wirklich als Problem verankert.

In ein paar Jahren könnte allerdings selbst der SLS nicht mehr aufs schwarze Gold im Tank angewiesen sein. Die Elektro-Version des Schwaben-Renners läuft bereits im Testbetrieb. „Wir fahren damit schon 250“, so Volker Mornhinweg. Da Kardanwelle und Abgassystem beim Elektro-SLS wegfallen, bleibt genügend Raum für die Lithium-Ionen-Batterien. In Sachen Fahreigenschaften stellt der Stromer mit seinen vier Elektromotoren die AMG-Ingenieure vor ganz neue Herausforderungen – und bietet gleichzeitig neue Möglichkeiten: „Da wir alle vier Räder einzeln ansteuern können, kann man die Drehmomentverteilung mit Torque Vectoring allein über Software-Steuerung realisieren“, berichtet der AMG-Chef von den ersten Fahrversuchen mit dem Strom-Sportler.

Zunächst einmal wird der SLS mit konventionellem Antrieb an die Kunden gehen und als „Must Have“ seinen Weg in den Fuhrpark zahlreicher Scheichs finden. Bei den Ultra-Reichen dürfte er aber nur die zweite Geige spielen, denn selbst ein güldener SLS tut sich schwer gegen das ultimative Statussymbol am Golf. Das hat nämlich nicht vier Räder, sondern vier Beine: Renn-Kamele sind die wahren Spielzeuge für jene, die schon alles andere in der Garage stehen haben. Im vergangenen Jahr wurde eines der begehrten Tiere für umgerechnet 1,8 Millionen Euro verkauft.
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Quelle: Autoplenum, 2009-12-13

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