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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 1. Juni 2018
Die neue G-Klasse kann alles besser, als der Vorgänger. Doch beim zeitlosen Stil und Kultfaktor bleibt der ursprüngliche Geländewagen unerreicht.

Der Fahrer des knallorangenen Porsche Targa ist sich der Wirkung seines Autos voll bewusst. Schwungvoll zirkelt er den Zuffenhausener Schönling vor das Münchner Straßencafé, lässt den Sechszylinder-Boxer noch einmal kurz aufheulen - damit auch jede weiß, dass er da ist - und schält sich dann kaugummikauend betont lässig aus seinem Auto. Doch nur wenige Augenblicke später, entgleisen dem Mann hinter seiner verspiegelten Pilotenbrille die Gesichtszüge. Der Grund ist der ungehobelte Klang eines fast vierzig Jahre alten Diesel, der mit seinen 65 kW / 88 PS ein mittelblaues Mercedes G-Klasse Cabrio, der Baureihe 300 GD gemächlich in Richtung der Sonnenschirme bewegt. Die Bewunderung der weiblichen Gäste ist dem kantigen Gesellen sicher.

Das Fahren in diesem Auto aus dem Jahr 1989 entschleunigt. Das geht schon beim Starten los: Klassische Dieseltechnik inklusive Vorglühen. Hinterm Volant taucht man ein in eine vergangene Zeit, eine Ära in der das G-Klasse Cabrio im klassischen Nutzfahrzeug-Duktus als \"offener Wagen\" geführt wurde. Das Rasseln des Fünfzylinder-Triebwerks erinnert an einen Schiffsdiesel, herrlich archaisch und irgendwie passend. Eine G-Klasse, die knapp 30 Jahre auf dem Buckel hat, darf gar nicht anders klingen. Das Interieur trägt der ursprünglichen Einordnung des Fahrzeugs Rechnung: Das Lenkrad ist ebenso aus Hartplastik wie das ganze Cockpit, die Getriebe-Untersetzung wird mechanisch eingelegt und Stoffsitze sind bessere Klappstühle, bei denen Seitenhalt ein Fremdwort ist. Gut, den braucht man bei einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auch nicht. Im Gelände steht die Oben ohne-Version der Baureihe 460 sowieso ihren Mann - und das ohne wenn und aber.

Neun Jahre älter ist die kurze Version der geschlossenen Mercedes G-Klasse. Dem Veteranen, der ein Jahr nach dem Debüt des Geländewagens zugelassen wurde. Da ist es kein Wunder, dass das Cockpit noch rustikaler ist. Das XXL-pizzagroße Hartplastiklenkrad ist daumendick und zwischen grauschwarzen Kunststoffelementen blitzen unverkleidete lackierte Blechteile im Cockpit. Vier Gänge, die mit einem Spazierstockhebel eingelegt werden, sind genug, dazu natürlich die obligatorischen Untersetzungen und Differentiale, die natürlich auch beim Mercedes Benz 230 G nicht fehlen dürfen. Der 2.4 Liter Vierzylinder-Benziner bringt es auf 102 PS, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 137 km/h reicht. Mehr als genug, zwar agiert der Ottomotor akustisch zurückhaltender, als der Selbstzünder, aber Bäume reißt man mit ihm nicht aus. Eher zieht man das Gehölz aus dem Wald, dafür war die G-Klasse der Baureihe 460 eigentlich geplant. Doch davon hat sich die Mercedes G-Klasse schnell entfernt. Eine Version dieses Modells mit langen Radstand die Basis für das Papa-Mobil, in dem Papst Johannes Paul II. das Bad in der Menge suchte.

Die Geschichte der Mercedes G-Klasse beginnt 1969, als Vertreter der Daimler-Benz AG und der österreichischen Steyr-Daimler-Puch AG sich trafen, um ihre Off-Road-Kompetenz, die sich in Fahrzeugen, wie den Unimog oder den Puch Pinzgauer manifestierte. Dass die G-Klasse zunächst nichts anderes als ein Arbeitstier sein sollte, zeigt der Entwicklungscode des Geländewagens. Der Buchstabe \"H\" im internen Kürzel \"H II\" steht für nichts anderes als das genügsame Südtiroler Gebirgspferd Haflinger. Auch wenn bei dieser Bezeichnung vermutlich eine gehörige Portion derben alpenländischen Humors mitschwang, ein Kompliment ist diese Titulierung sicher nicht. Allerdings hatten sich die Entwickler nicht im Traum ausgemalt, welchen Erfolgszug die G-Klasse auf der ganzen Welt antreten würde. Was nur Wenige wissen: Von 1979 bis 1999 wird unter der Marke Puch in bestimmten Ländern bis zu einem Zehntel der Produktion verkauft. Zu den Kernkompetenzen der G-Klasse gehört seit jeher der Einsatz als Sonderfahrzeug der Polizei oder, der Feuerwehr. Manche Spezialisten bauen den Geländewagen auch zu einer rollenden Festung um, indem sie ihn mit einer starken Panzerung versehen.

Aus dem rustikalen Nutzfahrzeug wurde bald auch ein Lifestyle-Vehikel, mit dem die Reichen und Schönen ihren besonderen Geschmack ostentativ demonstrierten. Das geht sogar soweit, dass heute für Cabrios der G-Klasse der letzten Serie, die mit einem elektro-hydraulischen Verdeck ausgestattet sind astronomische Preise bezahlt werden - wir reden da von deutlich mehr als 100.000 Euro. In der Geschichte der Mercedes G-Klasse gab es auch sportliche Höhepunkte, wie zum Beispiel der Gesamtsieg der berühmten Rallye Paris Dakar 1983. Eine ganz ansehnliche Bilanz für einen Haflinger auf vier Rädern.
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Quelle: Autoplenum, 2018-06-01

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