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Testbericht

21. November 2003
Malaga, 14. November 2003 – Im Frühjahr 2000 fiel bei BMW die Entscheidung, sich auf das Premium-Segment des Automobil-Markts zu fokussieren. Das sagte BMW Vertriebs- und Marketing-Vorstand Dr. Michael Ganal anlässlich der Vorstellung des neuen 6er Coupés in Malaga.

So wurde seinerzeit die im Massengeschäft agierende, verlustbringende Tochter Rover abgestoßen und der verheißungsvolle Premium-Markt konzentriert angegangen. Denn: er verspricht doppelt so hohe Wachstumsraten wie der Gesamtmarkt. Mit Emotionalität und kompromisslosem Engineering will BMW an der Spitze stehen. Lesen Sie in unserem Testbericht, ob das mit dem neuen Coupé 645Ci gelungen ist.

Neue Designlinie Das 6er-Coupé passt in die neue Designlinie von BMW, die mit dem umstrittenen 7er begann und mit den allseits recht akzeptierten Neulingen Z4 und 5er weniger spektakulär fortgesetzt wurde. Ein langer Radstand mit kurzen Überhängen und langer Motorhaube prägt den 6er ebenso wie der aufgesetzte Kofferraum-Deckel.

Auffällig sind die LED-Leuchten im Heck, besonders schön wirken die Chromleisten der in die Kotflügel eingelassenen Seitenblinker und für einen bulligen Auftritt sorgen die beiden außen sitzenden Auspuffrohre. Das Ganze ergibt ein klassisches großes Coupé in sportlich gedrungener Optik. Das 6er-Coupé hebt sich deutlich von der 5er-Limousine ab, auf der er basiert, und wurde geschickt in die Nähe des 7ers gerückt – nicht zuletzt, um entsprechende Preise verlangen zu können.

Nicht gerade billig Wenn der Anschaffungspreis des 645Ci mit 72.000 Euro auch nicht gerade niedrig ist, so ist das Coupé doch serienmäßig recht gut ausgestattet: Die 18-Zoll-Räder mit 245er-Runflat-Reifen, auf der das Auto großspurig daherkommt, sind im Grundpreis ebenso inbegriffen wie die Ledersitze mit den schicken Ziernähten.

Im Innenraum empfangen uns edle und hochwertig verarbeitete Materialen wie Holz, Leder und Metall. BMW hat ein luxuriöses Ambiente geschaffen. Dieses wird allenfalls durch die optisch gewöhnungsbedürftige Doppelhutze auf dem Armaturenbrett getrübt, das von bösen Zungen als Taxameterhutze bezeichnet wird.

Vor Spiegelungen geschützt Unter der mittleren Hutze befindet sich das Control Display – in unserem Testwagen unter anderem mit der Anzeige für die Navigation. Und hier kommt die hohe Funktionalität ins Spiel: Das Display ist vor Spiegelungen besser geschützt als ausfahrbare Modelle. Durch die hohe Anordnung muss das Auge nicht so weit herunterblicken wie bei tiefer gesetzten Monitoren.

Alle für das Fahren wichtigen Funktionen sind am Lenkrad oder direkt darum angeordnet. Für seltener benötigte Einstellungen steht der recht schwergängige iDrive-Controller zur Verfügung, der rechts vor dem Schalthebel in der Mittelkonsole sitzt. Vorteilhaft: Im Gegensatz zum 7er gibt es wie beim 5er nur noch vier Hauptbereiche und eine spezielle "Return"-Taste, so dass man treffsicherer kommandiert.

Gute Sitzposition Wir nehmen in den bequemen Sportsitzen Platz und freuen uns über die tiefe und gute Sitzposition, die sich für kurze und lange Menschen herstellen lässt. Das Platzangebot auf der Rückbank ist brauchbar, aber der 6er bleibt ein 2+2-Sitzer. Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 450 Litern recht beachtlich.

Nun erwecken wir die 333 PS des 4,4-Liter-V8-Motors zum Leben. Der Sound ist zunächst dezent blubbernd. Unter Volllast wird er deutlich und präsent, aber nicht aufdringlich – ziemlich perfekt komponiert. Von außen lässt der Motor aufhorchen. Sportwagenfreunde wissen sofort, dass da ein potenter Sportwagen fahren muss.

Druckvolle Maschine Die Leistungsentfaltung ist geschmeidig und überaus druckvoll. In 5,6 Sekunden ist der 645Ci von null auf 100 km/h. Die Automatikversion braucht 5,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt.

Wir haben zunächst das sequenzielle SMG-Getriebe ausprobiert. Damit kann der 6er sehr sportlich geschaltet werden. Den fummeligen Schalttasten am Lenkrad ziehen wir den Schaltknauf vor: Er lässt sich auf äußerst kurzen Wegen knackig vor- und zurückkicken. Toll: Beim Runterschalten legt die Steuerung Zwischengas ein. Auch wenn es noch kleine Schaltpausen gibt – speziell bei langsamer Fahrt im Automatik-Modus, so bringt SMG aus unserer Sicht den richtig sportlichen Touch in das 6er Coupé.

Lange Wege: Sechsgang-Schaltung Das danach gefahrene Sechsgang-Schaltgetriebe überzeugt zwar mit einer perfekten Abstimmung. Doch im Vergleich zum SMG-Getriebe sind die Schaltwege recht lang und der sechste Gang will weit rechts außen gefunden werden.

Das Fahrwerk nötigt uns keine sportlichen Nehmerqualitäten ab, es ist eher komfortabel abgestimmt. Wir würden es uns etwas härter wünschen. Die Wankbewegungen werden durch das aufpreispflichtige Dynamic-Drive System DSC auf ein Minimum reduziert. Daher scheint das Auto wie von Magneten auf der Straße gehalten zu werden.

Aktivlenkung: sehr direkt Durch die Dynamische Stabilitäts Control DSC wird das Fahrwerk auch in kritischen Situationen perfekt geregelt. Mit der ebenfalls aufpreispflichtigen Aktivlenkung fährt sich das große Coupé schön direkt. Die Bremsen packen erstklassig zu und sind fein dosierbar.

Da die Geräuschentwicklung auch bei hohem Tempo recht gering ist – viel leiser als etwa bei einem nahezu gleichstarken Porsche 911 – stellt sich der 6er aufgrund der komfortablen Fahrwerks- und Sitzauslegung als erstklassiger Gran Turismo dar: Ein sportliches Coupé für lange Strecken. (ph)
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Technische Daten
Motor Bauart:Achtzylinder V-Motor (90 Grad), 4 Ventile je Zylinder
Hubraum:4.398
Leistung:245 kW (333 PS) bei UPM
Drehmoment:450 Nm bei 3.600 UPM
Preis
Neupreis: 72.000 € (Stand: Nov. 2003)
Fazit
Der neue BMW 645Ci ist ein klassisches großes Coupé. Gut sind das Platzangebot vorne, die bequemen Sportsitze sowie der starke Achtzylinder-Motor. Positiv zu erwähnen sind auch der große Kofferraum und das geringe Geräuschniveau. Aus all diesen Punkten ergibt sich ein hoher Langstrecken-Komfort.

Die Fahrwerksabstimmung würden sich sportliche Fahrer eine Spur straffer wünschen. Zurzeit bietet BMW aber weder ein Sportfahrwerk noch – wie beim alten 5er – eine elektronische Verstellmöglichkeit an.

Mit dem sequenziellen Schaltgetriebe SMG ergibt sich ein sehr sportlicher Touch des Fahrens – so ähnlich muss es wohl in der Formel 1 sein. Zu bemängeln ist allenfalls, dass SMG nicht von alleine hoch schaltet, wenn man die Drehzahlgrenze erreicht. Der Achtzylinder bietet brachiale Kraft in allen Lebenslagen, egal welcher Gang gerade eingelegt ist.

Da das 6er Coupé sportlich elegant wirkt, sehr schnell gefahren werden kann und darüber hinaus noch funktionell ist, scheint sein Verkaufserfolg trotz des nicht gerade niedrigen Preises vorprogrammiert. (ph)

Quelle: auto-news, 2003-11-21

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