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Testbericht

Stefan Zaumseil, 18. Januar 2008
Nur selten finden das extravagante Design von Konzeptstudien den Weg in den Alltag. Anders bei Hondas Civic: Der hebt sich schon auf den ersten Blick von seiner oftmals recht hausbackenen Konkurrenz ab.

Schon die Karosserieform hebt den Civic der achten Generation aus dem biederen Einheitslook der Kompaktklasse heraus. Selten zuvor hat ein Hersteller derart polarisierendes Design präsentiert. Der seit dem Frühjahr 2006 erhältliche Honda Civic ist etwas flacher und kürzer geraten als sein Vorgänger - aber bei weitem nicht so langweilig. Die ansteigende Karosserielinie und der kurze Überhang des Hecks vermitteln eine ausgeprägte Keilform. Die Scheinwerfer sind ebenso wie die Rückleuchten in die großflächigen Stoßfänger integriert - die Frontansicht wird daneben durch einen gläsernen Kühlergrill, dreieckige Nebelscheinwerfer und eine vergitterte Frontschürze dominiert. In der Heckansicht finden sich mit dreieckigen Endrohren links und rechts sowie einer vergitterter Heckschürze und komplett durchgehenden Rückleuchten inklusive Reflektoren die Designelemente der Front wieder. So etwas gab es zuvor allenfalls im Zubehörhandel. In Kombination mit dem Spoiler quer über die Heckscheibe wirkt der Honda klassenuntypisch eindrucksvoll.

Auch das Innenleben des Honda sieht nicht nach dem üblichen Standard aus. Das aus mehreren Teilen bestehende Armaturenbrett und die verteilte Anordnung der Bedienelemente und Anzeigen wirken je nach Geschmack futuristisch bis unruhig. Und da man über Geschmack bekanntlich trefflich streiten kann, ist der kleinste gemeinsame Nenner wohl: ungewöhnlich. Geradezu charismatisch auch die Startprozedur: Nach dem Einschalten der Zündung erscheint erst einmal ein beachtliches Arsenal von Displays, die nacheinander verschiedenste Anzeigen durchlaufen. Man sucht unwillkürlich eine Checkliste für den Raumschiffpiloten. Houston, haben wir ein Problem?

Das neue Cockpit informiert den Fahrer in zwei übereinander liegenden Ebenen: Multiplex Meter nennt Honda dieses System. Statt die klassischen Rundinstrumente nebeneinander zu montieren, wurden Benzin- und Temperaturanzeige um einen zentral angeordneten Analog-Drehzahlmesser gruppiert. Der digitale Tacho wurde in einer kleinen Extrahöhle unterhalb der Frontscheibe eingebaut. Laut Honda ist diese Lösung besonders sicher, da der Fahrer insgesamt weniger Konzentration zum Ablesen des Tachos braucht. Schön ist wohl anders. Aber zumindest sind die restlichen Instrumente nach erster Gewöhnung gut einzusehen - ganz besonders bei Nacht. Auch die Darstellung des Navigationssystems ist gelungen. Abgesehen davon navigiert das System allerdings ungenau und lässt sich nur kompliziert bedienen.

Verarbeitung und Qualitätsanmutung des Interieurs hinterlassen insgesamt einen guten Eindruck. Das Platzangebot und der Sitzkomfort auf allen Plätzen ist gut, die Polster bequem und die Seitenwangen angenehm straff. Selbst groß gewachsene Fahrer finden dank des in der Höhe und Tiefe verstellbaren Lenkrads die passende Sitzposition. Insgesamt ist der Innenraum trotz 40 mm kürzerer und 35 mm niedrigerer Karosserie nicht geschrumpft. Durch den Radstand von 2,62 Metern haben sowohl Fahrer und Beifahrer als auch die Fondspassagiere viel Beinfreiheit. Großgewachsene müssen aber schon einmal den Kopf einziehen - vielleicht fehlen ja hier die drei Zentimeter an Höhe.

Ebenso ungewöhnlich ist die Position des Tanks unter den Vordersitzen. Diese Anordnung ermöglicht die Realisierung eines flexiblen Rücksitz-Systems ("Dive down") und den mit 456 Liter Volumen größten Kofferraum der Kompaktklasse. Noch dazu lassen sich die Rücksitzlehnen zu einem ebenen Laderaumboden mit einem Ladevolumen von 1.352 Litern umlegen. Trotz des futuristischen Designs und der fast verspielten Elemente ist der Civic ein praktischer Kompaktklässler. Dennoch hat die futuristische Karosserie nicht nur Vorteile: Die Übersichtlichkeit ist nach allen Seiten und vor allem nach hinten schlecht. Der in die Heckscheibe integrierte Spoiler ist als dicker Querbalken immer im Weg und einen Heckscheibenwischer sucht man vergebens.

Dafür bietet das überarbeitete Fahrwerk eine wunderbare Mischung aus sportlicher Straffheit und Komfort. Neben einem tadellosen Geradeauslauf besticht Hondas Mittelklässler durch ein unkompliziertes Kurvenverhalten und eine direkte elektrische Servolenkung. Die Bremsen lassen sich leicht dosieren und packen bei Bedarf ordentlich zu.

Das ist auch gut so. Denn der mit einer roten Start-Taste im Armaturenbrett zum Leben erweckte 1.8 Liter 4-Zylinder i-VTEC mit seinen 103 kW/140 PS bei 6.300 Touren hat es in sich. Abhängig von der Situation wird der Charakter des Motor angepasst. Mit Stadtgeschwindigkeit im 6.Gang zu fahren ist ebenso wenig ein Problem, wie ein beherzter Kick auf das Gaspedal im dritten Gang auf der Landstraße. Denn wenn der Drehzahlmesser sich dem roten Feld nähert und man mit dem knackigen Sechsganggetriebe agieren muss, hört und fühlt man, dass Honda sich erfolgreich im Motorsport engagiert. Dabei bleibt der flinke Japaner immer gutmütig und auch im Grenzbereich leicht beherrschbar.

Ganz besonders erfreulich ist der Kraftstoffverbrauch: 6,6 Liter Super auf 100 Kilometer sind angesichts der dynamischen Fahrleistungen ein sehr guter Schnitt. Die 0,4 Liter Differenz zur Herstellerangabe gehen als Alltagstoleranz durch. Unverändert ist die Preispolitik des Herstellers: Der Honda Civic 1.8 in der gehobenen Executive-Ausstattung ist mit 23.500 Euro kein Schnäppchen, aber serienmäßig mit Xenon-Scheinwerfern, ABS, ESP, Bremsassistent, elektrischen Außenspiegeln, Tempomat, Klimaautomatik, Multifunktions-Lederlenkrad, Sitzheizungen vorn, Aluminium-Sportpedalerie und 17-Zoll-Leichtmetallrädern sehr gut ausgestattet. Für eine Metallic-Lackierung sind noch einmal 480 Euro fällig, für das DVD-Navigationssystem 2.700 Euro und die Lederausstattung 1.400 Euro.

Quelle: Autoplenum, 2008-01-18

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