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Testbericht

Holger Holzer/SP-X, 15. Januar 2020

SP-X/Köln. Nicht mehr ganz so schräg wie der Vorgänger, aber immer noch ein Hingucker: Die neunte Generation des Honda Civic (2011 bis 2017) bringt Design-Abwechslung in die oft eher spießige Golf-Klasse. Doch der Japaner punktet auch mit inneren Werten: Die Alltagstauglichkeit ist hoch, seine Technik sehr solide.

Karosserie und Innenraum: Wo die meisten Konkurrenten im Kompakt-Segment auf konventionelle Formen setzen, geht der Civic seinen eigenen Weg. Die kurze Motorhaube geht direkt in die schräge Windschutzscheibe über, Richtung Heck fällt die Dachlinie dynamisch ab, um Mitten auf der Heckscheibe in einem ungewöhnlichen Spoiler zu enden. Für die Übersichtlichkeit und das Raumgefühl im Fond ist das nicht ideal, dazu gesellt sich ein zerklüftetes Armaturenbrett mit gewöhnungsbedürftiger Bedienung. Ausgeglichen werden diese Schrullen durch bequeme Sitze, gut ablesbare Instrumente und vor allem durch die sogenannten „Magic Seats“. Die Sitzflächen der Rückbank lassen sich nämlich wie im Kino hochklappen und schaffen so einen Zusatzstauraum, der sich vor allem zum Transport klobigerer Güter eignet. Dazu kommt der relativ große Standard-Kofferraum. Noch mehr Platz als in der fünftürigen Limousine bietet dieser im 2014 aufgelegten Kombi („Tourer“), der zudem mit ebener Ladefläche und niedriger Kante aufwartet. Neben den beiden verbreiteten Karosserievarianten ist vereinzelt die 2012 erschienene Stufenhecklimousine zu haben; anlässlich des Liftings im Jahr 2014 wurde sie in Deutschland aus dem Programm genommen.

Motoren: Drei Ottomotoren und zwei Diesel waren über die Jahre für den neunten Civic zu haben. Der 1,4-Liter-Benziner mit 73 kW/99 PS ist nur für geduldige Naturen zu empfehlen, deutlich flotter fährt es sich mit dem 104 kW/141 PS starken 1,8-Liter-Modell. Einen Turbo gibt es in beiden Fällen nicht. Über einen Lader verfügt lediglich der 2,0-Liter-Motor des 228 kW/310 PS starken Type R, der in einer eigenen Liga fährt und nur für dezidierte Sportfahrer interessant ist – nicht zuletzt wegen des extrovertierten Spoilerwerks. Wer es als Normalverbraucher eilig hat oder hohe Durchzugskraft wünscht, fährt mit einem der zwei Diesel besser. Der sehr auf Sparsamkeit ausgelegte 1,6-Liter-Motor kommt auf 88 kW/120 PS, die wuchtigere 2,2-Liter-Variante auf 110 kW/150 PS. Für den Kombi ist das Motorenangebot eingeschränkt, dort sind nur der 1,8-Liter-Benziner und der 1,6-Liter-Diesel zu haben. Einen Lücke gibt es auch beim Thema Automatik. So ist lediglich für den 1,8-Liter-Benziner eine etwas ältliche Fünfgang-Box zu haben – bei allen anderen Motoren wird eine knackige Sechsgangschaltung per Hand bedient.

Ausstattung und Sicherheit: Als besondere Schnäppchen sind Honda-Neuwagen nicht bekannt. Auch der Civic bot zu gehobenen Kursen in der Basisvariante „S“ eher wenig Ausstattung. Durchaus ordentlich kommt aber bereits das zweite Niveau „Comfort“ mit Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen und Audioanlage daher. Darüber rangieren die „Sport“- und die schon sehr exklusive „Lifestyle“-Ausstattung mit Ledersitzen und Xenonlicht. Die Top-Variante heißt „Executive“ und bietet Quasi-Vollausstattung inklusive Panorama-Glasdach. Weitere Extras ließen sich in Paketen ordern, interessant ist vor allem das „Safety“-Bündel mit Notbremssystem und adaptivem Tempomat. Generell kann sich die Sicherheitsausstattung beim Civic sehen lassen, unter anderem sind immer sechs Airbags an Bord. Im Euro-NCAP-Crashtest fuhr die Limousine fünf Sterne ein.

Qualität: Beim TÜV macht der kompakte Honda nur selten Probleme. Lediglich defekte Lichter oder verschlissene Bremsscheiben trüben die Bilanz etwas – beides lässt sich aber zu überschaubaren Kosten beheben. Unter Beobachtung halten sollte man aber auch die Federn und Dämpfer des Japaners, die zuletzt in der Statistik mit leicht erhöhten Mängelquoten auffallen. Bei Lenkung, Antriebswellen und Abgasanlage schneidet der Civic aber besser ab als der Schnitt seiner Altersklasse. Rost ist über alle Jahrgänge kein Problem.

Fazit: Wer sich am extrovertierten Äußeren des Civic und der teils umständlichen Bedienung nicht weiter stört, findet in ihm ein verblüffend geräumiges und praktisches Kompaktauto. Vor allem bei Umzügen und kleineren Transportaufgaben glänzt der Honda. Trotzdem kommt der Fahrspaß dank straffen Fahrwerks und knackiger Schaltung nicht zu kurz. Rund 6.500 Euro müssen mindestens investiert werden.

Außen wild, innen ohne Tadel: Der Honda Civic der neunten Generation ist viel braver als er aussieht. Aber auch viel besser.

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Fazit

Außen wild, innen ohne Tadel: Der Honda Civic der neunten Generation ist viel braver als er aussieht. Aber auch viel besser.

Quelle: Autoplenum, 2020-01-15

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