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Testbericht

Sebastian Viehmann, 25. Februar 2010
Porsche tut es, Ferrari tut es – jetzt ist auch Lotus dabei: Hybridantrieb ist der neue Trend bei Sportwagen. In Genf präsentieren die Briten einen Lotus Evora als 414 PS starken Plug-In-Hybrid mit knackigen Fahrleistungen und vielen technischen Leckerbissen.

Es gar nicht so lange her, da musste jeder Sportwagen Elektroantrieb haben. Die Stromer-Studien verstopften jede Automesse und täuschten doch kaum darüber hinweg, dass ein Serienmodell meistens in weiter Ferne lag. Jetzt besinnen sich immer mehr Autobauer auf den Zwischenschritt und stellen Hybridsportler vor. Bei Porsche zum Beispiel bekommt der 911er einen Extra-Boost dank des elektrischen Schwungradspeichers, und auch Ferrari soll einen schnellen Hybriden im Reisegepäck für den Genfer Salon haben. Bei Lotus steht der kupferfarbene Evora 414E Hybrid im Rampenlicht. Die Fahrleistungen sind standesgemäß: Von 0 auf 100 Km/h in weniger als vier Sekunden lautet die Ansage.

Die Sportwagenschmiede feilt in ihrer Ingenieurssparte schon seit Jahren am Hybridantrieb und hat dazu einen speziellen Verbrennungsmotor entwickelt, der ohne Verbindung zur Antriebsache als „Range Extender“ die Batteriereichweite eines Elektroautos verlängert. Die Techniker nennen das einen seriellen Plug-In-Hybrid, auch der Opel Ampera funktioniert nach diesem Prinzip. Der Lotus Evora 414E Hybrid wird von zwei Elektromotoren befeuert, die unabhängig voneinander die Hinterräder antreiben. So ist auch Torque Vectoring möglich, eine radselektive Drehmomentverteilung, die die Fahrstabilität verbessert. Eine Lithium-Polymer-Batterie speichert die elektrische Energie. Wenn der Speicher erschöpft ist, liefert ein Dreizylinder-Verbrennungsmotor mit 1,2 Litern Hubraum Energie zum Weiterfahren. Die Gesamtreichweite des hybriden Sportflitzers soll bei rund 480 Kilometern liegen.

„Innovation war schon immer das Herz von Lotus und wird heute mehr denn je benötigt“, sagt Robert Hentschel, Chef von Lotus Engineering. Mit Leichtbau, effizienter Performance und hoher Fahrdynamik sei der Evora-Hybrid die „perfekte Demonstration“ für die Entwicklungskompetenz der Briten, heißt es in der Pressemitteilung. Die beiden Elektromotoren leisten jeweils 152 kW / 207 PS und versorgen beide Räder mit je 400 Newtonmetern Drehmoment. Die Batterie hat eine Speicherkapazität von 17 Kilowattstunden. Bei dem 48 PS starken Verbrennungsmotor sind Zylinderblock, Zylinderkopf und Auslasskrümmer in einer Monoblock-Konstruktion aus Aluminium vereint. Der Range Extender bringt 85 Kilogramm auf die Waage und läuft sowohl mit Benzin als auch mit allen Arten alkoholbasierter Kraftstoffe. Die mechanische Energie wird von einem Generator in elektrische Energie umgewandelt, der gleichzeitig als Anlasser für den Verbrenner dient.

Als Plug-In Hybrid wird der Evora 414E an der Steckdose aufgeladen und kommt mit der in den Batterien gespeicherten Energie knapp 60 Kilometer weit, bis der Range Extender einspringen muss. Die Kraftübertragung des Elektroantriebs funktioniert stufenlos, doch Lotus simuliert elektronisch verschiedene Schaltpunkte, die an das Fahrgefühl mit einem Doppelkupplungsgetriebe erinnern sollen. Sogar ganz leichte Zugkraftunterbrechungen und den Effekt der Motorbremsung wollen die Ingenieure nachstellen. Man „wechselt“ die simulierten Gangstufen mit Schaltpaddles an der Lenksäule. Beim „Herunterschalten“ und Bremsen wird Energie für die Batterie zurückgewonnen.

Auch bei einer anderen Sache wollen die Briten, dass sich der Hybrid-Evora wie ein herkömmlicher Sportwagen anfühlt: Über das Radio wird elektronisch der Sound eines V6- oder V12-Motors simuliert. Wenn man das Gaspedal – das ja eigentlich ein Ampere-Pedal ist – durchtritt, schwillt auch das elektronische Motorengeräusch an. Gleichzeitig tragen Lautsprecher den Sound nach draußen. Es muss jedoch nicht immer ein klassischer Motorsound sein: Auch futuristische Geräuscheffekte sind geplant. Der positive Nebeneffekt solcher Systeme, die es auch schon für den Tesla Roadster gibt, ist eine Warnung an Fußgänger, wenn sich der lautlose Stromer nähert.

Ob der Evora-Hybrid das Zeug zum Serienmodell hat, wird sich zeigen, doch die Technik dürfte es durchaus auf die Straße schaffen. Denn Lotus gehört seit Jahren zum Autobauer Proton aus Malaysia, der ebenfalls ein Show Car mit seriellem Hybridantrieb in Genf zur Schau stellen soll. Chevrolet Volt / Opel Ampera sind also längst nicht mehr allein auf weiter Flur. In China hat der Hersteller BYD das Elektroauto E6 entwickelt, das ebenfalls mit Range Extender ausgerüstet ist. Noch 2010 will BYD den E6 in die USA exportieren, ein Jahr früher als geplant. Er soll rund 40.000 US-Dollar kosten und den Volt angreifen.
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Quelle: Autoplenum, 2010-02-25

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