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Testbericht

8. Oktober 2003
An Fahrzeugen wie der Lotus Elise scheiden sich die Geister: Für die einen einfach nur laut und unbequem, ist sie für andere der Spaß-Sportler schlechthin. Für mich persönlich war es ein Vergnügen, die 160 PS starke Britin einmal außerhalb einer Playstation zu fahren. Lesen Sie hier, was die schnelle Elise zu bieten hat.

Mehr Komfort im aktuellen Modell
Gegenüber ihren Vorgängern wurde die Elise des Modelljahres 2003 im Detail überarbeitet. Das von uns getestete Modell 111 S bekam elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung sowie ein Soundpaket zur Verringerung der Motorengeräusche im Innenraum.

Erst ein Bein und dann hinein
Die größte Hürde vor Fahrtantritt stellt der Einstieg dar. Die extrem niedrige Sitzposition und die hohe Einstiegsschwelle erfordern fast turnerische Fähigkeiten. Einige Male muss man schon probieren, bis man einen eleganten Einstieg drauf hat. Mein Tipp: Den Sitz ganz nach hinten schieben, das rechte Bein zuerst reinbugsieren und den Rest nachrutschen lassen. Ein eleganter Ausstieg gelang mir während des Testzeitraums nicht.

Sitzt wie angegossen
Einmal im Sitz angekommen, fühlt man sich schnell integriert. Die Instrumente sind übersichtlich angeordnet und die Bedienelemente leicht zu erreichen. Der Vollschalensitz gibt den nötigen Halt und hat sogar einen Hauch von Luxus zu bieten: Mit einer seitlich am Sitz montierten Handpumpe lässt er sich im Bereich des unteren Rückens aufpumpen. Dadurch passt sich der Sitz an die Körperform an und ist relativ komfortabel.

Dezenter, sportlicher Sound
Eine schwierige Balance müssen Sportautos in punkto Sound halten: Sportlich soll er klingen, aber nicht schwerhörig machen. Die Elise schafft diesen Spagat. Das Brummen des Motors lässt auf die Leistungsfähigkeit schließen, verhindert dabei aber nicht die Kommunikation mit dem Beifahrer. Auch von außen hört sich das Auto sportlich, aber nicht aufdringlich an.

160 PS auf ein Gewicht von 806 Kilogramm
Die Fahrwerte der Elise sprechen für sich: 5,1 Sekunden dauert die Beschleunigung von null auf 100 km/h, in 14 Sekunden sind 160 km/h erreicht. Die Spitzengeschwindigkeit liegt nach Angaben von Lotus bei 211 km/h, das getestete Modell zeigte zumindest auf dem Tacho eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h an. Diese Fahrwerte sind aufgrund des geringen Gewichts möglich: In vollgetanktem Zustand bringt der Sportwagen nur 806 Kilogramm auf die Waage. Auch für den Verbrauch ist das geringe Gewicht von Vorteil: Der getestete Wagen verbrauchte auf Autobahn- und Überlandfahrten nur 8 Liter auf 100 Kilometern.

Beschleunigung über gesamten Drehzahlbereich
Ihr maximales Drehmoment von 175 Newtonmetern erreicht die Elise zwischen 3.500 und 4.650 Umdrehungen pro Minute. Aber auch außerhalb dieses Bereichs ist eine beachtliche Beschleunigung möglich. So lässt sich bei Autobahnfahrten im fünften Gang zwischen 100 und 220 km/h auch ohne Zurückschalten zügig überholen. 

Perfekt abgestimmtes Fahrwerk
Das Fahrwerk der Elise ist nicht nur für Spitzenzeiten auf der Rennstrecke gut. Auch der Fahrspaß auf öffentlichen Strecken ist zu einem guten Stück darauf zurückzuführen. Denn auch hier gelang den Ingenieuren ein Balanceakt: Die Abstimmung ist so straff, dass auch bei starken Lenkbewegungen die Seitenneigung extrem gering ausfällt. Gleichzeitig ist sie aber nicht so hart, dass jede Unebenheit ins Kreuz fährt. Dadurch sind enorme Kurvengeschwindigkeiten relativ entspannt möglich. 

Bremsen ohne Bremskraftverstärker
Der erste Tritt auf die Bremse verursacht bei nicht vorbereiteten Fahrern eventuell ein Schockerlebnis. Betätigt man die Bremse sachte wie bei einem Standard-Auto, rührt sich erst mal gar nichts. Erst mit richtigem Krafteinsatz spürt man die Verzögerung. Der Grund dafür liegt im fehlenden Bremskraftverstärker. Diese Eigenart stammt aus dem Rennsport, hätte aber nicht unbedingt seinen Weg in den öffentlichen Straßenverkehr finden müssen.

Schwachpunkt Verdeck
Die Elise ist eindeutig als offenes Fahrzeug konzipiert. Denn um das Verdeck hat man sich wohl nur widerwillig Gedanken gemacht. Ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h hört es sich an, als wäre man mitten in einen Sturm geraten. Richtig unangenehm wird es aber erst, wenn Regen dazukommt. Bei unserem Testwagen war in diesem Fall für den Beifahrer Duschen angesagt. Von Fahrzeug zu Fahrzeug dürften die undichten Stellen allerdings variieren. Abhilfe könnte hier ein Hardtop schaffen, das allerdings einen Aufpreis von gut 2.800 Euro kostet.

Montage des Verdecks
Elektrisch funktioniert beim Verdeck natürlich nichts. Trotzdem ist es innerhalb weniger Sekunden montiert, beziehungsweise demontiert. Mit vier Hebeln lassen sich die Seitenstreben lösen und mitsamt Stoff entfernen. Die Streben in der Fahrzeugmitte lassen sich ebenfalls leicht entfernen. Die Bauteile werden anschließend in dem dafür vorgesehenen Kofferraum verstaut.

Kofferraumvolumen
Wer eine Lotus Elise fährt, setzt seine Prioritäten wohl nicht auf vernünftige Dinge wie Kofferraumvolumen. Das ist auch gut so. Denn wenn das Verdeck im Kofferraum verstaut ist, bleibt gerade mal Platz für einen größeren Schminkkoffer. Ansonsten stehen 115 Liter zur Verfügung.
 
Technische Daten
Motor Bauart:Reihenvierzylinder
Hubraum:1.796
Leistung:116 kW (160 PS) bei UPM
Drehmoment:175 Nm bei 3.500 bis 4.650 UPM
Preis
Neupreis: 43.160 €

Quelle: auto-news, 2003-10-08

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