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Testbericht

Marcel Sommer, 23. Mai 2015
Der Aventador LP 750-4 Superveloce ist mit 750 PS der stärkste Lamborghini aller Zeiten. Fürs balzende Auf- und Abfahren ist der scharfe Italiener allerdings nicht zu gebrauchen.

Menschen mit einem Body-Mass-Index auf Niveau der Jahresdurchschnittstemperatur von sonnenverwöhnten Städten wie Barcelona haben es nicht leicht. Erst recht nicht, wenn es darum geht, Supersportwagen zu fahren. Schlimmer als eine ausladende Hüfte ist oft jedoch die simple Körpergröße. Denn alles ab knapp 1,90 Meter darf sich am Ende einer Fahrt in einem Lamborghini nicht über eine vom Dachhimmel plattgedrückte Frisur ärgern. Macht auch keiner, denn schon direkt nach dem zum Leben erwecken der 6,5 Liter großen Zwölfzylinder-Bestie im kantigen Kleid setzt der Überlebensinstinkt ein. Und dem sind diese trivialen Körperpartien ziemlich egal. Der Körper des Fahrers wird in der Zeit vom erstmaligen bis zum erneuten Drücken des Engine-Knopfs von Adrenalin, Glücksgefühlen und dem großen Gedanken "Was mache ich hier überhaupt?" durchflutet.

Die Antwort darauf liest sich ebenso kurz wie unvergessen: Den stärksten Lamborghini aller Zeiten fahren. Der auf 600 Einheiten limitierte Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce stellt mit seinen 750 PS die neue Sperrspitze der italienischen Traumfabrik dar. Wer der Meinung ist, dass ein ausgewachsenes Pferd für den Transport von zwei Tüten Milch Verschwendung und unnötig ist, darf sich jetzt eines Besseren belehren lassen. Die an alle vier gewaltigen Räder transportierte Leistung, sowie die Kraft von 690 Newtonmetern sorgen für ein brachiales Längsbeschleunigungs-Feuerwerk und ein Leistungsgewicht von 2,03 Kilogramm pro PS. Dass im Preis von 389.356 Euro der Service einer imaginären Domina inkludiert ist, sollte jeder Käufer vorher wissen. Diese Dame zimmert dem Fahrer mit ihrem Rohrstock bei jedem manuellen Hochschalten innerhalb des automatisierten Siebenganggetriebes zünftig in den Nacken. Solvente Chinesen müssen sich dank der gewaltigen Steuer diesen Service für rund 1,2 Millionen Euro wesentlich teurer erkaufen.

An dieser Stelle darf kurz gedacht werden, dass der Fahrer dann doch einfach die Finger von den großen Schaltwippen lassen und die Gangwechsel der Automatik überlassen könne. Doch genau dann stellt sich raus, dass die Getriebe-Domina die Gänge weder immer zum korrekten Zeitpunkt, noch besonders feinfühlig wechseln kann. Warum Lamborghini kein rein manuelles Schaltgetriebe anbietet erklärt Entwicklungschef Maurizio Reggiani trocken so: "Nicht jeder Käufer ist ein gelernter Rennfahrer." Oder anders formuliert: Das Getriebe würde besonders im Stadtverkehr auf Grund der gewaltigen Kräfte im Nu pulverisiert. Dass die Schaltwippen fest installiert und sich nicht mit dem Lenkrad mitbewegen spielt hier ausnahmsweise keine Rolle. Denn dank einer verbesserten dynamischen Lenkung treten nur beim Rangieren Lenkwinkel auf, die das manuelle Schalten unmöglich machen würden.

Das perfekte Einlenken und die brachiale Kraftentfaltung sind das eine, die erreichbaren Querbeschleunigungen das andere. Dafür unverzichtbar ist sein unverkennbares Markenzeichen: Der keinesfalls nur zu Show- oder Partnerfindungszwecken installierte Heckflügel, der den Abtrieb um 170 Prozent auf insgesamt 218 Kilogramm erhöht. Dank ihm werden die Innereien der beiden Insassen in schnell gefahrenen Kurven äußerst effektvoll umsortiert. Überhaupt ist der in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 und über 350 Kilometer pro Stunde schnelle Lambo kaum zum Balzen geeignet. Anders als so manch anderes Familienmitglied oder auch viele Konkurrenten rollt der 50 Kilogramm leichter und gleichzeitig 50 PS stärker gewordene Supersportler nahezu lautlos durch den Stadtverkehr. Das große Zwölfzylinderkonzert geht erst bei Drehzahlen los, die innerorts besser nicht erreicht werden sollten.

Neben all den physikalisch möglichen und auch tatsächlich erfahrbaren Superlativen während eines Nackenmuskel zerreißenden Ausritts, bietet der 1,5 Tonnen schwere Freudenspender auch humoristische Momente - je nach Humor versteht sich. So wirkt ein Blick auf die Restreichweite direkt nach einem erneuten Volltanken bei Umweltfreunden für ein hysterisches Lachen. Gleichzeitig sorgt der große und in schönstem Gelb erstrahlende Tacho-Display für ein Kampfjetgefühlt mit comichaften Zügen. Im neuen Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce scheint jedoch alles bis ins Details harmonisch zusammenzupassen, wenn nicht sogar zusammenzugehören. Den italienischen Supersportwagen-Schöpfern ist erneut ein waschechter Lamborghini mit allem was dazugehört gelungen.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:7-Gang-ISR-Getriebe
Motor Bauart:V12
Hubraum:6.498
Drehmoment:690 Nm bei 5.500 UPM
Preis
Neupreis: 389.356 € (Stand: 2015-05-24)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2015-05-23

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