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Testbericht

Jürgen Wolff, 1. Juni 2011
Das ist ein Kätzchen, wie Mann es mag: Im Straßenalltag sanft schnurrend und zivilisiert, auf der Rennstrecke böse fauchend und voll unbändiger Kraft. Kraft hat der Jaguar XKR-S schier im Überfluss.

Schon der normale XKR ist nicht nur klassisch schön, sondern auch kraftvoll und stark. Aus den acht Zylindern der 5-Liter-Maschine prügeln sich 375 kW/510 PS und ein maximales Drehmoment von 625 Nm an die Hinterräder. Das reicht, um ihn in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu katapultieren. Doch bei 250 km/h ist Schluss, die Elektronik macht dem Vorwärtsdrang ein Ende. Anders beim XKR-S, den Jaguar ab September seinen Kunden auf Bestellung vor die Tür stellt. Dort haben die Ingenieure noch einmal 30 kW/40 PS drauf gepackt, das Drehmoment auf bis zu 680 Nm hochgekurbelt - und das mit der elektronischen Begrenzung gleich ganz sein gelassen: Jaguar gibt als Topspeed 300 km/h an. Damit hat der Renner nicht nur seine Mitgliedschaft im exklusiven 300er-Club angemeldet, sondern ist auch der bisher schnellste Serien-Jaguar überhaupt. Für den Spurt auf 100 km/h reichen nun 4,4 Sekunden - da kommt selbst das bordeigene Navigationssystem mit seinen Empfehlungen nicht immer mit.

Der XKR-S ist ein Erlebnis der ganz speziellen Art. Wer einsteigt fühlt sich in den straffen Sportsitzen gleich bestens aufgehoben. Rings herum ist für einen Zweisitzer viel Platz, der breite Mitteltunnel sorgt für zusätzlichen Halt. Die "Rücksitze" kann man wie üblich vergessen - sie taugen allenfalls fürs Handgepäck. Selbst der Einbau von Kindersitzen ist allenfalls mit akrobatischen Verrenkungen zu schaffen und völlig spaßfrei. Immerhin bietet der Kofferraum unter der weit aufschwenkenden Heckklappe mit 330 Litern Stauraum konkurrenzlos viel Platz auch für längere Reisen.

Der Druck auf den Start-Knopf entfesselt eine infernalische Geräuschkulisse: Aus den vier Auspufftöpfen blubbert und faucht es, bläst es den Abgasstrahl hinaus wie aus einem heiß gelaufenen Föhn - jeder Kick aufs Gaspedal provoziert ein lustvoll-aggressives Brüllen. In der portugiesischen Einöde sorgt es dafür, dass die Hunde selbst in ein paar Kilometer Entfernung noch mit wütendem Gebell antworten. Aber der XKR-S kann auch sanft. Ein behutsamerer Umgang mit dem Gaspedal sorgt für ein eher zivilisiertes Säuseln. Behutsam setzt sich die Katze in Bewegung - als ob man irgendeinen Durchschnitts-Golf unterm Hintern hätte. Wer will, kann es aber auch knallen lassen: Den Drehhebel der 6-Gang Automatik von ZF auf "S" stellen, Kickdown - und ab dafür. Das Heck fängt an, ein wenig zu tänzeln, die 295er Reifen ringen um Fassung und Gripp - aber nach Sekundenbruchteilen hat sich die Elektronik sortiert und der knapp 1,8 Tonnen schwere XKR-S schießt voran, als ob ihn jemand mit der Zwille abgefeuert hätte.

Der gegenüber dem XKR noch einmal um 10 mm tiefer gelegte XKR-S rennt um die Kurven wie auf Schienen. Nur wer es drauf anlegt und die Katze am Kurvenausgang mit einem Gasstoß anfeuert, verführt sie zu einem kleinen Wischer des Hecks. Das Adaptive Fahrwerk, das die Dämpferrate je nach Situation kontinuierlich und blitzschnell elektronisch zwischen den beiden Extremen Weich und Hart verstellt, reagiert trotz aller kernigen Sportlichkeit selbst auf schlechten Straßen erstaunlich komfortabel und macht den XKR-S so ganz nebenbei auch noch zu einem angenehmen Reisewagen. Unter der langen Fronthaube arbeitet die nun dritte und komplett neu konstruierte Generation von Jaguars AJ-V8-Motorenfamilie. Der von einem Doppel-Vortexkompressor beatmete Motor spritzt den Kraftstoff über eine zentrale Multipoint-Direkteinspritzung und einem Druck von bis zu 150 bar in die Verbrennungsräume.

Wer mit dem XKR-S so unterwegs ist, wie er am meisten Spaß macht, der darf die offizielle Verbrauchsangabe von Jaguar getrost verdoppeln. Statt der 12,3 Liter aus dem Datenblatt attestierte der Bordcomputer nach gut 200 Kilometern Geschlängel durch das bergige Hinterland der Atlantikküste einen Verbrauch von 22,8 Litern auf 100 Kilometern. Im zivilisierten Alltag auf den mit Starenkästen gespickten deutschen Landstraßen und ausgeschaltetem Sportmodus dürfte man schon eher an die offiziellen Verbrauchszahlen heran kommen. Der XKR-S ist die wichtigste Neuerung, die Jaguar der Baureihe im neuen Modelljahr gegönnt hat. Der Rest sind nur ein paar Retuschen. So bekamen die Scheinwerfer eine Schlankheitskur verordnet und haben nun erstmals LED-Einsätze für das Tagfahr- und Abblendlicht, der Kühlergrill wurde etwas vergrößert und auch das Design der Stoßfänger wurde aufgefrischt. Der bislang vertikale Schlitz für den Luftaustritt am vorderen Kotflügel läuft jetzt horizontal. Beim XKR-S kommen unter anderem Heckflügel mit Karboneinlage dazu, vergrößerte Seitenschweller, ein eigenes Frontdesign mit doppelt gewölbter Motorhaube, breiten vertikalen Lufteinlässen und Splitten aus Karbon sowie eine Heckschürze mit Karbondiffusor.

Im 300er-Club ist der Jaguar XKR-S schon fast ein Schnäppchen - trotz des happigen Aufpreises von über 20.000 Euro für die 40 Mehr-PS zum XKR. Die Briten haben den "S" mit 129.900 Euro inklusive Mehrwertsteuer in ihrer Preisliste stehen - schon ganz ordentlich ausgestattet. Bei Porsche startet die 300er-Crew mit dem Carrera S bei knapp unter 99.000 Euro, spielt aber meistens eher in der Liga ab 150.000 Euro mit. Audi schickt den R8 ab 110.000 Euro über 300 km/h, Maserati knackt mit seinem GranTurismo ebenfalls gerade die 300er-Marke. Alle anderen Edelschmieden kastrieren ihre Hochleistungsmotoren entweder bei 250 km/h oder sind wie Ferrari, SLS & Co. gleich sehr viel teurer.
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Quelle: Autoplenum, 2011-06-01

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