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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. Februar 2012
Für diese Katze braucht man einen Flugschein. Der 550 PS starke Jaguar XKR-S ist ab März auch als offene Cabrioversion zu bekommen. Auf Testfahrt mit dem britischen Sonnenanbeter auf der El Centro Airforce Base an der mexikanischen Grenze.

"Hier auf dieser Air Force Base wurden einige Szene aus dem Hollywood-Film Top Gun gedreht", erzählt Carl Garcia, der auf NAF El Centro die Aufsicht hat. 25 Jahre ist es her, dass der Film mit Tom Cruise und Kelly McGillis in den Hauptrollen weltweit zum Kassenschlager wurde. In den Wintermonaten ist die El Centro Naval Airbase, rund eineinhalb Stunden östlich von San Diego an der mexikanischen Grenze ein beliebtes Trainingsareal für Kampfflieger aus aller Welt. Auch Piloten aus England, Deutschland und Italien trainieren in der kalifornischen Wüste ihre Luftkünste. Doch heute geht es auf den beiden in X-Form liegenden Start- und Landebahnen von El Centro nicht um Hubschraubermanöver oder die spektakulären Flugübungen der Flugstafel Blue Angels. Stattdessen fühlt Oberaufseher Carl Garcia einem deutlich bodenständigeren Fluggerät auf den Zahn: dem Jaguar XKR-S Cabrio. "Ist mein erster Fahreindruck mit einem Jaguar", erzählt der glatzköpfige Garcia, "ein tolles Teil mit unglaublich viel Power – fast wie ein Jet." Außen gibt es wuchtigen Schürzen, Pirelli-Hochgeschwindigkeitsreifen und einen Spoiler, der das Heck des offenen Jaguar XKR-S Cabrio spektakulär verunstaltet.

Der wuchtig aufgesetzte Carbonflügel hat seinen Sinn. Bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h soll das Hinterteil so wenig Auftrieb wie möglich bekommen. Denn die Leistungsdaten des stärksten Serien-Jaguar aller Zeiten zaubern selbst den flugerprobten Piloten auf der El Centro Airbase ein Lächeln auf die Lippen. Der fünf Liter große Achtzylinder unter der Motorhaube leistet 405 KW / 550 PS und ein gewaltiges Drehmoment von 680 Nm. Carl Garcia nimmt im edlen Ledergestühl Platz, stellt sich das Steuer ein und fährt mit der Sonne im Rücken Richtung Startbahn 8/26. Schnell noch den Schalter mit der Startflagge am Mitteltunnel gedrückt und der Sportmodus erweckt zum Leben. Aus dem Grollen des Kompressor-V8 wird nunmehr ein wildes Brüllen. Zudem werden die Dämpfer härter, die Lenkung präziser und die einzelnen sechs Schaltstufen des ZF-Automatikgetriebes können ausgedreht werden.

Garcia tritt aufs Gas und die Hinterräder drehen auf der Startbahn kurz durch, ehe sich die P-Zeros mit dem Asphalt verzahnen. Der erfahrene Navypilot wird in den Sitz gepresst und lässt es fliegen. Erst bei rund 170 Meilen (ca. 272 km/h) tritt er auf die Bremse und staucht den 1,8 Tonnen schweren Sportler am Ende von 8/26 heftig zusammen. Die Startbahn ist nach 2.900 Metern zu Ende – leider für Carl Garcia. "Unsere F-18-Jets heben je nach Gewicht bei rund 170 Meilen pro Stunde ab", lacht Garcia, "bis zur 1.000-Fuß-Marke hätte der Jaguar unseren Kampfjet sogar hinter sich gelassen. Der erreicht das Abhebetempo erst bei knapp 4.000 Fuß. Doch die F-18 schafft mit Mach 1,8 fast die zweifache Schallgeschwindigkeit." Das hat seinen Preis. Während die F-18 schon ohne Waffen an Bord rund 100 Millionen Dollar pro Flugzeugzeug kostet, ist der Jaguar XKR-S Roadster mit 138.100 Euro geradezu ein Schnäppchen. Auch sein Verbrauch von 12,3 Liter auf 100 Kilometern ist gerade einmal ein Fingerhut gegen die Tankladung, die eine F-18 pro Flugeinsatz verbraucht. Von 0 auf Tempo 100 braucht der britische Granatenwerfen 4,4 Sekunden.

Der XKR-S ist als offene und geschlossene Version zu bekommen; aktuell die Prunkstücke der Jaguar-Modellpalette. Hatte man dem alles andere als zahmen XKR vorgeworfen, dass er bei maximal 280 km/h abgeriegelt wurde, schaffen die Zwillinge mit dem Annex-S im Namen problemlos die 300er-Marke. Doch auch hier wird eingebremst. "Der Wagen wäre durchaus schneller", erklärt Entwickler Andy Lovis, "doch bei solchen Geschwindigkeiten wird es oben herum etwas zäh. Das wollten wir vermeiden. Er würde fast 200 Meilen pro Stunde schaffen – rund 320 km/h." So wurde viel Wert auf die Abstimmung des Fahrwerks gelegt. Das ist im Vergleich zum normalen XKR mit seinen 510 PS straffer und gibt mehr Rückmeldung an den Piloten. Insbesondere die nachgeschärfte Vorderradaufhängung kann mit ihren höheren Dämpferraten gefallen.

Damit die Leistung auch im Grenzbereich abseits der Start- und Landebahn von El Centro artgerecht auf die Straße kommt, gibt es ein um zehn Millimeter tiefer gelegtes Sportfahrwerk, eine steifere Radaufhängung vorn, den bissigen TracDSC-Modus und ein aktives Hinterachsdifferenzial. Andy Lovis: "Die Nordschleife des Nürburgrings schaffen wir auf Serienreifen in unter acht Minuten. Das schafft kaum ein anderes Auto – insbesondere nicht mit diesem Restkomfort." Und nicht mit diesem Sound. Denn so einen Hörgenuss wie das Jaguar XKR-S Cabriolet bietet derzeit kaum ein anderer. Weder in El Centro noch an der Nordschleife.
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Quelle: Autoplenum, 2012-02-11

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