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Testbericht

Stefan Grundhoff, 18. Oktober 2009
Vor Jahren wimmerten sich die Kompressormodelle von Jaguar in ihre Leistungshöhen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der Jaguar XKR bietet viel mehr als nur Hörgenuss – gerade als Cabriolet.

Allen Unkenrufen zum Trotz schießt Jaguar seit der Übernahme durch den indischen Tata-Konzern aus allen Rohren. Prunkstück der Modellpalette ist der elegante Jaguar XKR. Geschlossen ein grandioser Cruiser, offen eine audiovisuelle Versuchung für Herrenfahrer jeden Alters mit Spaß an einer luftigen Fönfrisur. Das Kompressorjammern vergangener Generationen haben die Techniker dem britischen Beau abgewöhnt. Gibt man dem fünf Liter großen V8-Triebwerk Feuer, entlädt sich ein gewaltiges Stakkato durch die vierflutige Auspuffanlage. Hat der Brite bereits ohne die mechanische Zwangsbeatmung mit keinerlei Leistungslöchern zu kämpfen, so presst der im V der Zylinderbänke untergebrachte Kompressor den offenen Jaguar zu wahren Bestleistungen. Der Vortrieb ist gewaltig. Sind die 375 KW / 510 PS des XKR erst einmal entfacht, gibt es kein Halten mehr. Ab 2.500 Touren kann der britaffine Chauffeur die 625 Nm maximales Drehmoment via Direkteinspritzung in grandiosen Vortrieb umsetzen. Wer es einmal ausprobiert hat, wird es wieder tun – immer wieder. Das imposante In-den-Sitz-gedrückt-werden untermalt von einem bollernden Brummen – mehr als nur ein Hörgenuss.

Bei allem noch so beeindruckendem Tatendrang spürt man am Steuer des Schönlings jedoch nach kurzer Strecke, dass man in einem bullig motorisierten Cabriolet und keiner echten Sportskanone sitzt. Offen wie geschlossen verwöhnt der XKR seine Insassen nicht nur mit allzeit abrufbaren Leistungsausbrüchen, sondern auch mit den bekannten Nehmerqualitäten für den Alltag. Straff, aber niemals hart bügelt er über nahezu alle Fahrbahnunebenheiten hinweg, die sich den schmucken 20-Zöllern in den Weg stellen. Die engagierte Fahrweise ist ein echter Lustgewinn, doch im absoluten Grenzbereich zeigt die offene Katze, dass sie nicht zum Rennwagen taugt. Die Lenkung ist zu leicht, die Automatik selbst im Sportmodus kaum bissig genug, um längere Zeit der Kurvenhatz zu frönen. Wer im Geiste ein bis zwei Schaltstufen zurückschaltet, ist besser bedient. Hier spielt der Brite seine Qualitäten deutlich eindrucksvoller aus und fährt vielen Konkurrenten immer noch lässig um die Ohren.

Deutlich gewonnen hat die Traktion des XKR. Hatte der offene Spaßmacher in der Vergangenheit allzu oft Probleme, seine üppig portionierte Leistung auf den Asphalt zu bannen, so macht sich das elektronisch gesteuerte Sperrdifferenzial an der Hinterachse nicht nur bei Kurvenfahrten angenehm bemerkbar. Via Elektromotor und Mehrscheibenkupplung wird die Antriebskraft zu dem Rad mit der besten Traktion weitergeleitet. Das macht den fast 1,8 Tonnen schweren XKR auch in schnellen Kurven agil und das ESP wird an der langen Leine gelassen. Die Bremse ist bissig, zeigt bei schneller Gangart in den Alpen jedoch durchaus nachlassendes Engagement.

Dass bei ambitionierter Gangart deutlich mehr als die avisierten 12,3 Liter Superkraftstoff auf 100 Kilometern durch die Einspritzdüsen rauschen, versteht sich von selbst. Doch selbst bei normaler Gangart und entsprechend artgerechter Fahrweise liegt dieser Normdurst in weiter Ferne. Im Durchschnitt gab sich das Jaguar XKR Cabriolet mit 15,9 Litern auf 100 Kilometern zufrieden. Vielleicht sollte man im Hause Jaguar doch einmal über die Kombination aus Direkteinspritzung und Turboaufladung nachdenken.

Gewohnt gut abgestimmt zeigt sich die serienmäßige Sechsgang-Automatik. Nur allzu selten ist man animiert, in die von ZF berechneten Schaltvorgänge einzugreifen. Im Sportmodus geht es flotter, bissiger und eine deutliche Spur lauter zur Sache. Beim Herunterschalten brüllt das Achtzylindertriebwerk einmal kurz nach und nervt beim Beschleunigen nicht mit voreiligem Hochschalten. Die Gänge werden stilecht ausgedreht. Bei den Fahrleistungen liegt das Jaguar XKR Cabriolet dabei auf Höhe der Konkurrenten, die ohne Kompressoraufladung ihr Dasein fristen. Wenn Untergrund und Reifentemperatur stimmen, schafft der Brite die Spurtorgie 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Bei schlechteren Bedingungen sind es rund 5,3. Unverständlich, wieso die Briten ihren schnellsten Jaguar nicht von der Leine lassen. Der mit 416 PS deutlich schwächere motorisierte Vorgänger XKR-S durfte 280 km/h rennen. Die direkten Wettbewerber von Aston Martin, BMW, Mercedes und Maserati lassen ihre sportlichen Kronjuwelen bis an die 300er-Marke laufen.

Der Innenraum des R-Modells unterscheidet sich abgesehen von den bequemen Sportsitzen kaum von denen der normalen XK-Versionen. Das meiste ist gut bedienbar und nach der Modellpflege wertiger als zuvor. Das vollelektrische Dach lässt sich bis Tempo 30 während der Fahrt öffnen. Da sich der Kofferraum alles andere als üppig dimensioniert präsentiert, sollte man als Ablagefläche gleich die Rückbank einbeziehen. Sitzen kann angesichts ihrer Dimensionen hier sonst allenfalls die Katze des Hauses.

Bei kaum einer anderen Luxusmarke entscheiden sich mehr Kunden für das Topmodell wie bei Jaguar. Der Anteil der R-Modelle liegt hier bei rund 50 Prozent. Der offene Jaguar XKR startet mit Komplettausstattung bei 112.100 Euro. Serienmäßig dafür an Bord: ein komplettes Sicherheitspaket mit Airbags, ABS und ESP, sowie Xenonlicht, exzellenten Sportsitzen, Soundsystem, Rückfahrkamera und Navigation. Die ist in Sachen Rechengeschwindigkeit und Kartendarstellung jedoch nicht auf Konkurrenzniveau. Hier sollte nachgebessert werden.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-18

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