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Testbericht

Mario Hommen/SP-X, 17. Januar 2017

Schnäppchen-Freunden machte Chevrolet in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2014 mit dem Cruze ein verführerisches Angebot: Astra-Technik, viel Platz und Ausstattung zum günstigen Preis. Im Vergleich zum Opel-Bruder musste man bei Qualität und Technik zwar ein paar Abstriche hinnehmen, doch unterm Strich bot der „Logan für Anspruchsvolle“ viel Auto fürs Geld. Auch auf dem Gebrauchtmarkt ist der Cruze eine leicht günstigere Alternative zum Astra. Allerdings: Auf lange Sicht bereitet der in Korea gefertigte Pseudo-Ami seinen Besitzern viel Kummer.
 
Karosserie und Innenraum: Zum Marktstart kam der Cruze zunächst als gut 4,60 Meter lange Stufenheck-Limousine, der Chevrolet 2011 eine um gut zehn Zentimeter verkürzte Steilheckversion zur Seite stellte. 2012 folgte dann im Rahmen eines Facelifts schließlich der geräumige und 4,68 Meter lange Kombi SW. Bei den Transportaufgaben ist der Station Wagen mit seinem 500 bis fast 1.500 Liter großem Kofferraum natürlich der Hit. Die Stufenheck-Version sei eher Fans von Eiche rustikal ans Herz gelegt. Die etwas pummelige Steilheck-Version ist hingegen eine neutrale aber auch etwas farblose Erscheinung. Egal, für welche Variante man sich entscheidet: Ein gutes Platzangebot für die Passagiere bieten alle drei.
 
Der Arbeitsplatz ist zudem modern und die Bedienung einwandfrei. Wenn auch solide gemacht, merkt man, dass die Kostenoptimierer hier manche Budget-Lösung durchdrückten. Sprich: Kratzempfindliches Hartplastik oder etwas mehr Toleranz bei den Spaltmaßen muss man hinnehmen. Recht sehenswert ist hingegen der abwechslungsreiche Materialmix der höherwertigen Ausstattungen. Hier sorgt zum Beispiel ein über das gesamte Armaturenbrett verlaufender, breiter Textil-Dekorstreifen für Wärme und Behaglichkeit. Viele gebrauchte Cruze werden außerdem mit einem vollwertigen Navi-Infotainmentsystem angeboten. Mit dem Facelift gab es alternativ ein Infotainmentsystem mit MyLink-Technologie, das allerdings eine Navifunktion nur über die Einbindung eines GPS-fähigen Smartphones erlaubt.
 
Motoren und Fahrwerk: Bei den Antrieben hat Chevrolet in den ersten Jahren einfache Aggregate verwendet, die weder in Hinblick auf Kraftentfaltung noch Effizienz überzeugen konnten. Zwar sind die Saugbenziner 1.6 und 1.8 für den Alltag ausreichend, doch erst der 2012 eingeführte 1,4-Liter-Turbobenziner mit 103 kW/140 PS ist eine wirklich gute Wahl. Gleiches gilt für die Downsizing-Diesel mit 1,7 Liter Hubraum, die 74 kW/100 PS beziehungsweise 96 kW/130 PS leisten. Souveränen Dampf bietet der leider etwas durstige Zweiliter-Diesel in der starken Version mit 120 kW/163 PS. Ziemlich durstig wird der Cruze mit Automatik, die in Kombination mit dem Top-Diesel oder dem 1.8er-Benziner mit 104 KW/141 PS zu haben ist.
 
Dem Fahrwerk des Cruze fehlt es ein wenig an Feinfühligkeit. Der Unterbau ist nicht zu straff, doch gehobenen Kurvenspaß kann man angesichts der etwas indifferenten Rückmeldung nicht erleben. Für den Alltagseinsatz ist die Abstimmung passabel, aber Begeisterung vermag der Cruze dem Fahrer nicht vermitteln.
 
Ausstattung und Sicherheit: Bereits die Cruze-Basis LS bietet mit sechs Airbags, EPS und ABS eine vollständige Sicherheitsausstattung. Entsprechend gab es 2009 beim EuroNCAP-Test volle fünf Sterne. Darüber hinaus sind Zentralverriegelung, CD-Radio, ein verstellbares Lenkrad, Fensterheber und ein höhenverstellbare Fahrersitz Teil der Basisausstattung. Mehr bietet das mittlere Niveau LT mit Tempomat, Parkpiepsern, Fensterhebern hinten, Alurädern, Klimaanlage, Lederlenkrad und Mittelarmlehne vorne. Bei der Topversion LTZ sind unter anderem noch Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor sowie ein automatisch abblendender Rückspiegel an Bord.
 
Qualität: Bereits als Neuwagen hat der Cruze die ihm auferlegten Sparzwänge oberflächlich angedeutet, die sich mit fortschreitendem Alter auch gehäufter tief unterm Blech offenbaren. Der TÜV attestiert bei der zweiten HU einen sprunghaften Anstieg der Probleme. Bei der ersten Untersuchung war der Cruze noch unauffällig und zeigte lediglich gehäufte Defekte an der Beleuchtung. Bei der zweiten HU kommt es hingegen knüppeldick, weshalb der Chevrolet mittlerweile auf die hinteren Plätze des TÜV-Rankings zu den Mängelriesen abgestiegen ist. Stark gehäuft bereiten laut TÜV beim Fahrwerk Achsaufhängung und Achsfedern Problem. Auch die Funktion der Bremse wird häufig bemängelt. Außerdem sind Ölverluste an Antrieb und Motor keine Seltenheit. Interessant ist der Vergleich mit dem technisch eng verwandten Opel Astra, der beim TÜV-Report wesentlich besser abschneidet.
 
Fazit
Als Neuwagen wurde der Cruze vor allem angesichts seines günstigen Kaufpreises als spannende Alternative zum technisch recht ähnlichen Opel Astra gehandelt. Mit dem Alter macht der Chevrolet mit Astra-Genen allerdings Zicken. Wieder einmal zeigt sich: Wer am Preis spart, spart auf langfristige Sicht hin meist auch an der Qualität. Da diese bei dem Cruze im Alter zu wünschen übrig lässt, könnte er vor allem als Gebraucht-Schnäppchen interessant sein. Doch die Abschläge sind im Vergleich zum deutlich robusteren Opel Astra nicht sonderlich groß.

Als Schnäppchen-Alternative machte einst der Chevrolet Cruze von sich Reden. Wie sich im fortgeschrittenen Alter zeigt, hat der einst günstige Preis allerdings Folgen.

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Fazit
Als Schnäppchen-Alternative machte einst der Chevrolet Cruze von sich Reden. Wie sich im fortgeschrittenen Alter zeigt, hat der einst günstige Preis allerdings Folgen.
Testwertung
3.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2017-01-17

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