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Testbericht

Stefan Zaumseil / Stefan Grundhoff, 16. November 2009
Hyundai hat eine sehenswerte Allradtradition. Doch statt des robusten Terracan lieben es die Koreaner mittlerweile eine Klasse schicker. Der ix55 ist an sich ein Amerikaner mit Namen Veracruz.

Wer auch immer auf die Idee mit der neuen Nomenklatur im Hause Hyundai kam – verstehen kann man ihn nur schwer. Gerade bei den Geländewagen hatte Hyundai mit Modellen wie Terracan, Santa Fe oder Tucson ein glückliches Händchen und auch der Name Veracruz für das 4x4-Aushängeschild der Marke kann sich hören lassen. Doch der 4,84 Meter lange SUV hört nur in seiner Wahlheimat USA auf den Modellnamen Veracruz. In Europa klebt ein ix55-Logo auf der üppig dimensionierten Heckklappe. Hyundai kann längst nicht nur Kleinwagen. Das haben die Koreaner mit erfolgreichen Modellen in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen. Jetzt, als die deutschen Hersteller langsam Lust auf Geländecrossover kleiner und mittlerer Dimensionen kommen, klopft Hyundai selbstbewusst eine Klasse höher an. Nicht nur angesichts seiner Dimensionen, sondern auch in Bezug auf die Motorisierung will man sich gegenüber den Luxus-SUV von Audi, Mercedes und BMW nicht länger im Wald verstecken.

Beim Design wirkt der ix55 gefällig, aber beeindruckend unauffällig. Ähnlich wie beim Audi Q5 aus den Klassen darunter erscheint das Model eher als hoch gesetzter Familienkombi denn als Geländewagen. Die Zeiten eines robusten Klettermaxen vom Typ Terracan sind eben vorbei. Dabei zeigt der ix55 das Selbstbewusstsein der Koreaner deutlicher als bisher jedes andere Fahrzeug aus eigener Produktion. „Wir gehen davon aus, dass der Trend zu kleineren Autos anhalten wird“, sagt Hyundai-Deutschland-Geschäftsführer Walter H. Frey, „trotzdem wollten wir den ix55 als Top-of-the-Line-Modell der Marke auch in Deutschland haben.“ Auf das Triebwerk ist man hierzulande besonders stolz.

Immer wieder gab es im Entwicklungsprozess Rückmeldungen nach Korea, dass man für den europäischen und besonders den deutschen Markt einen besonders kraftvollen Diesel bräuchte. Die Wünsche wurden erhört. Der gerade auch im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim entwickelte drei Liter große Commonrail-Diesel mit sechs Zylindern säuselt sanft vor sich hin und 176 KW / 239 PS hören sich beim Erstkontakt kraftvoll an. Doch bereits das überschaubare Drehmoment von 451 Nm und ein opulentes Leergewicht von 2,3 Tonnen zeigen, dass hier kein Kraftprotz unter der Motorhaube arbeitet.

Nach ein paar Kilometern verfestigt sich der erste Eindruck – nach ein paar hundert Kilometern steht fest, dass das Triebwerk eine ordentliche Mischung bietet. Doch für ein derartiges großes Gerät wie den ix55 ist man angesichts der starken Europa-Konkurrenz einfach mehr gewöhnt. Die sechsstufige Automatik nimmt dem Koreaner spürbar an Tatendrang. So lässt sich auch der überaus müde Spurt in gemessenen elf Sekunden von 0 auf Tempo 100 erklären. Immerhin animiert einen der ix55 zum entschleunigten Cruisen. So pendelte sich der Durchschnittsverbrauch auf 10,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern ein. Eineinhalb Liter mehr als die Werksangabe. Die Höchstgeschwindigkeit des 2,3-Tonners ist ebenfalls kein Bestwert: zäh errungene 203 km/h. Zudem nervig, dass die Wundgeräusche ab 130 km/h deutlich vernehmbar zunehmen.

Auch im Innenraum zeigt sich der Modelfokus auf den amerikanischen Hauptmarkt. Die Verarbeitung ist ordentlich, die Bedienung jedoch überaus bodenständig. Dort, wo man in dieser Klasse einen großen Multifunktionsbildschirm für Navigation, Klimaautomatik, Soundsystem und weitere Selbstverständlichkeiten erwartet, gibt es ein normales Radio und eine asiatisch anmutende Klimabedienung. Das kann man sich als Konkurrent von Audi, BMW, Volvo und Mercedes nicht erlauben. Auch die fehlende Sitzhöhenverstellung auf der Beifahrerseite und weitere Bedienschwächen sind in dieser Klasse untypisch und verwässern den an sich guten Eindruck. Auch um die klassentypischen Assistenzsysteme macht der Hyundai einen großen Bogen. ESP, ABS und Airbags sind an Bord. Doch das war es auch schon. Abstandstempomat, Überholassistent und eine Luftfeder oder elektronische Dämpfer für hohe Lasten oder Autobahnfahrten gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Bei der Zuladung hält sich der ix55 ebenfalls zurück. Maximale 560 Kilogramm sind nicht viel, denn es gibt Platz für sieben Personen und einiges an Gepäck. Ernsthaft zumuten kann man den Innenraum jedoch nur fünf Insassen.

Der 598 Liter große Gepäckraum sollte dem dienen, für das ihn sein Name bestimmt. Die beiden Notsitze sollten dort bleiben, wo sie hingehören: unter dem Ladeboden. Immerhin wurde das Fahrwerk den europäischen Maßstäben angepasst. Die Lenkung ist zu indirekt, doch der Federungskomfort ist über die meisten Zweifel erhaben. Nicht erst in schnellen Kurven macht sich jedoch eine spürbare Seitenneigung bemerkbar. Zudem reagiert der Allradantrieb mit der variablen Kraftübertragung an die Hinterachse überaus träge. Zudem gelangen maximal 50 Prozent der Kraft nach hinten. Im normalen Fahrbetrieb ist der ix55 nicht viel mehr als ein Fronttriebler.

Die größte Schwäche des Hyundai ix55 ist sein Preis. Für die komplett ausgestattete Luxusversion mit Namen „Premium“ sind 46.990 Euro an sich ein fairer Preis. Doch noch bevor der ix55 Anfang Sommer bei den Hyundai-Händlern stand, boten viele EU-Importeure das koreanische Vorzeigemodell für kaum mehr als 30.000 Euro an. Die Zeiten, dass diese Euro-Sparversionen allein eine Magerausstattung hatten und über keinen Partikelfilter verfügten, sind ebenfalls vorbei. Und in dieser Liga wollen viele Kunden nicht mit einem TomTom-Navigationssystem an der Windschutzscheibe durch die Weltgeschichte gondeln. Doch immerhin das DVD-System mit Rückfahrkamera soll bald lieferbar sein. Hyundai täte gut daran, es in den Serienumfang aufzunehmen. Darüber hinaus sollte man sich für eine angenehme Innenraumatmosphäre allenfalls das große Panoramadach für 1.090 Euro gönnen. Ansonsten ist die Serienausstattung mit elektrischer Heckklappe, Xenonlicht und elektrischen Ledersitzen überaus komplett.
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Quelle: Autoplenum, 2009-11-16

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