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Testbericht

Sebastian Viehmann, 8. Juli 2008
Der SC ist eindeutig der schickere Ibiza. Zur echten Sportlichkeit fehlen ihm aber ein besseres Fahrwerk und starke Motoren. Doch das Leichtgewicht beweist, dass man schon mit 70 PS glücklich werden kann.

Dreitürer sehen im Allgemeinen sportlicher und knackiger aus als Fünftürer. Der neue VW Scirocco als Quasi-Coupéversion des Golf ist das Paradebeispiel dafür. Aber auch der Mazda 2 und jetzt der Seat Ibiza SC zeigen, wie schick-dynamisch man unterwegs sein kann, wenn man auf zwei Türen und Platz im Fond verzichtet. Das Seat-Design nimmt Anleihen an der Studie Bocanegra, die sich beim Genfer Salon auf dem Präsentierteller drehte.

Beim SC muss man das Wort Verzicht allerdings dick unterstreichen. Schon der Fünftürer bietet hinten keine üppigen Platzverhältnisse, im Dreitürer sitzen Erwachsene im Fond an Kopf und Knien noch beengter. Auch der Zustieg zu den Rücksitzen ist recht unbequem. Der Kofferraum ist mit 284 Litern nur marginal kleiner als beim normalen Ibiza. Die Rücksitze kann man umlegen, eine ebene Ladefläche entsteht aber nicht. Bei einem unserer Testwagen sprang außerdem beim Umlegen der linke Rücksitz aus seiner Halterung und musste wieder eingeklinkt werden.

Beim Interieur hat Seat im Vergleich zum alten Ibiza dennoch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Neue Schalter und Lüftungsdüsen, hochwertig wirkende Materialien und geschwungene Formen bringen eine Spur Emoción ins Auto. Schon die Sitze des Basismodells sind straff und bieten guten Seitenhalt, die Sportsitze setzen noch einmal eins drauf. Zum jugendlichen Charme des Autos passt die Zielgruppe: Der Altersdurchschnitt der bisherigen Dreitürer-Piloten beim Ibiza liegt laut Seat bei 34 Jahren - 5 Jahre weniger als beim Fünftürer und erheblich jünger als der Klassendurchschnitt. Für das Interieur soll es in Zukunft denn auch noch mehr Pep geben, etwa Farbakzente an Türgriffen, Schalthebel oder Lüftungsdüsen passend zur Lackierung des Wagens. Auch individualisierte Außen-Designs schweben den Spaniern vor – der Mini und der Fiat 500 feiern damit schon Erfolge.

Passend zum sportlichen Image gibt es eine straffe Fahrwerksauslegung. In Kombination mit der direkten Lenkung bereitet das Coupé durchaus komfortablen Fahrspaß - wenn auch die Vorderachse manche Schläge ziemlich polternd an die Insassen weitergibt. Hinten gibt es eine Halbstarrachse. In schnellen Kurven bleibt der Seat gut beherrschbar, legt aber eine Neigung zum frühen Untersteuern an den Tag. Knackig fährt sich der SC allemal, sportlich wäre zuviel gesagt.

Der Basismotor des SC (Dreizylindermotor mit 1,2 Litern Hubraum und vier Ventilen pro Zylinder) leistet 70 PS. Das hört sich nach wenig an. Doch in der Praxis schlägt sich das Motörchen ausgesprochen wacker. In der City und selbst auf der Landstraße verlangt es einem selten nach mehr. Wenn man die Gänge voll ausfährt, kann man mit etwas strategischer Planung selbst Überholmanöver überraschend flott absolvieren.

Dass das Basismodell recht spritzig ist, liegt vor allem an zwei Dingen. Zum einen an der Drehmomentstärke, wie sie für Dreizylindermotoren bei niedrigen Drehzahlen typisch ist. Zum anderen hat der SC eine klassische Seat-Eigenschaft: Er wiegt nicht viel. 974 Kilogramm sind für heutige Auto-Verhältnisse fast schon Fliegengewicht. Der Scirocco beispielsweise ist natürlich ein Stückchen größer als der Ibiza, boxt mit 1,3 Tonnen Lebendgewicht aber gleich ein paar Gewichtsklassen höher. Den Ibiza SC darf man mit einer halben Tonne Zuladung belasten. Recht sparsam ist er obendrein: Beim 1,2-Liter Benziner gibt Seat einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern an. Der 1.4 TDI wird mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern zum Spritgeizer. Der Ibiza wird für beide Karosserievarianten zudem als Sparmodell Ecomotive zu haben sein, mit 80 PS-Diesel und einem Durchschnittsverbrauch um 3,8 Liter.

Der 1.2 12V (70 PS) kostet in der Basisausstattung Reference 11.490 Euro, 700 Euro weniger als der Fünftürer. Den 1.6 16V (105 PS) gibt es ab 14.890 Euro, den Spardiesel 1.4 TDI ab 14.090 Euro. Der teuerste SC ist der 1.9 TDI Sport (105 PS) für 17.490 Euro. Beim Getriebe steht vorerst nur eine Fünfgang-Handschaltung zur Verfügung. Anfang 2009 wird es – zum ersten Mal in einem Seat – auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe von Volkswagen geben. Bei den Versionen Cupra und FR sollen außerdem die 1,4-Liter Turbobenziner von VW unter der Haube stecken.

Zur Serienausstattung aller Modelle gehört ESP, was in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich ist. Ansonsten bietet das Basismodell Reference ohne Aufpreis nur ein paar Dinge wie Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber. Ab Stylance-Ausstattung sind unter anderem Klimaanlage, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht-Funktion, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer und Tempomat an Bord. Dazu gibt es ein Audio-System mit CD-Player, MP3- und Bluetooth-Schnittstellen sowie Fernbedienungstasten am Lenkrad.
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Quelle: Autoplenum, 2008-07-08

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