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Testbericht

21. Mai 2015
Nürburgring, 22. Mai 2015 - Porsche hat den Cayenne Turbo S und BMW den X5 M. Mercedes versieht schon seit Jahren Geländewagen mit der AMG-Plakette. Und während Maserati, Lamborghini und Bentley gerade noch ihre Power-SUV-Waffen durchladen, drückt Land Rover schon ab und bringt den schnellsten, stärksten und luxuriösesten Range Rover Sport aller Zeiten, den Range Rover Sport SVR. Der "nächste logische Schritt" Die Bezeichnung SVR stammt von Jaguar Land Rovers "Special Vehicle Operations". Das ist die Abteilung, die bei den Briten alles noch schneller und rennstreckentauglicher macht. Laut Hersteller ist das SVR-Logo der "nächste logische Schritt". Aber wo verlaufen die logischen Grenzen? Anscheinend oberhalb von 550-V8-Kompressor-PS über 2.333 Kilogramm sowie jenseits von 260 km/h Vmax und einem 4,7-Sekunden-Sprint von null auf 100 km/h. Natürlich sind diese Fahrleistungen auf der Nordschleife erprobt worden. Der Sport SVR war mit einer Zeit von 8:14 Minuten sogar mal Rekordhalter dort - zumindest in der SUV-Klasse und bis der Porsche Cayenne Turbo S kam und 15 Sekunden schneller war. Jetzt ist er zurück auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings, und zwar, damit wir ihn testen können. Neue Motorsteuerung, höherer LadedruckIm Motorraum arbeitet der wunderbare Fünfliter-V8, der im Jaguar-Land-Rover-Konzern überall dort zum Einsatz kommt, wo es Ernst wird mit dem Spaß. Ich mach es kurz: Er sorgt auch im SVR für mächtig Laune. Durch eine Neukalibrierung der Motorsteuerung und die Erhöhung des maximalen Ladedrucks leistet das Aggregat jetzt 40 PS mehr als im bisherigen Spitzen-Range mit 510 PS. Damit ist der SVR genauso leistungsstark wie ein F-Type R. Analog dazu stieg auch das Drehmoment um 56 auf 680 Newtonmeter. An diese neuen Daten wurde die Achtstufen-Automatik angepasst. Sie schaltet jetzt 50 Prozent schneller hoch.
Kompromissbereitschaft muss sein Solange es geradeaus geht, ist der große Brite ein ziemlich imposanter Rennwagen. Kommen Kurven in die Quere, schlägt die Physik zu. Trotz 15 Zoll großer Bremsscheiben mit sechs Kolben, steiferen Fahrwerksbuchsen und modifizierten Luftfedern. Die 2.333 Kilogramm sind das große Problem. Das sind 24 Kilogramm mehr als beim Range mit dem Standard-Kompressor-V8. Aber warum wurde das Gewicht nicht optimiert? Stichwort Kompromissbereitschaft. Land Rover ließ nämlich alles an Geländeequipment an Bord. So litten zwar die Böschungs- und Rampenwinkel unter den tieferen Schürzen, trotzdem gibt es beispielsweise noch eine zweistufige Geländeuntersetzung. Dadurch soll der Sport SVR immer noch ein Geländewagen bleiben. Mit 22-Zoll-Felgen. Sicheres Gefühl bei Topspeed Für Hochgeschwindigkeitsfahrten wurde versucht, der Schrankwand so etwas wie Aerodynamik beizubringen. Das funktionierte erstaunlich gut. Der Verantwortliche, Ex-Williams-Mechaniker Paul Newsome, rekrutierte ein paar Formel-1-Kollegen von früher und gemeinsam halfen sie dem Elefanten, auf dem Boden zu bleiben. Jetzt sehen der Heckspoiler, der Diffusor, die Lufthutzen und die Radkastenentlüftungen nicht nur unverschämt gut am edlen Range Rover aus, sondern sorgen dafür, dass wir und das Auto uns auch jenseits der 200-km/h-Marke wohlfühlen. Keine Understatement-Vorgaben Bisher müssen wir feststellen, dass sich der Range Rover Sport trotz des SVR-Logos durchaus sozialverträglich bewegen lässt. Ein Druck auf die Taste mit den Endrohren ändert dies schlagartig und ein Gewittersturm bricht los. Gemeint ist dieses dumpf-blecherne V8-Grollen, dass bei der Konkurrenz aufgrund von Understatement-Vorgaben abgeschwächt wurde. Zum Glück scheint sich bei Land Rover aber keiner die Frage gestellt zu haben, ob und wo die Selbstbewusstseinsskala der Kunden ein Ende hat. Deshalb darf die aktive Sportauspuffanlage mit Vierfach-Endrohren mithilfe eines elektronisch gesteuerten Beipass-Ventils ordentlich Lärm machen. Bei der Gaswegnahme und den Schaltvorgängen kommen dann noch gewaltige Fehlzündungen hinzu. Hat was von Klick-Konditionierung, denn der Suchtfaktor ist enorm, die 550 Pferde immer und immer wieder anzuspornen.
Preise und Käuferschaft Aber mal ehrlich, wer kann einen Gelände-Koloss rechtfertigen, der gut situierte Sportwagen stehen lässt und dabei auch mal gut und gerne über 20 Liter Sprit fordert? Eigentlich jeder, der mal mit einem gefahren ist und zufällig 126.400 Euro auf der hohen Kante hat. Trotzdem wird der Großteil der Käuferschaft aus Russland, China oder den USA kommen. Insgesamt 1.600 Bestellungen kann der Hersteller bislang vorweisen. 120 davon wurden in Deutschland getätigt.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatikgetriebe
Motor Bauart:V-Benzinmotor
Hubraum:5.000
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:405 kW (550 PS) bei UPM
Drehmoment:680 Nm bei 3.500 - 4.000 UPM
Preis
Neupreis: 126.400 € (Stand: Mai 2015)
Fazit
Der Range Rover Sport SVR ist mehr als ein Benzin verbrennendes, angeberisches und teures SUV. Er ist ein großer und perfekter Kompromiss zwischen Luxus, Sportlichkeit und Geländewagen mit einem absolut irren Sound als Sahnehäubchen. Alles im und am Fahrzeug ist dafür da, um einen surrealen Eindruck zu hinterlassen. Und wenn man es nur auf die Rennsitze herunterbrechen müsste. Rennsitze, verehrte Damen und Herren. In einem Range Rover. + starker Motor, irrer Sound, komfortables Fahrverhalten, ungewohnte Sportlichkeit, vielseitiger Innenraum, vielseitiges Fahrzeugkonzept - hoher Preis, hoher Verbrauch
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2015-05-21

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