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Testbericht

Stefan Grundhoff, 19. Februar 2016
Die BMW-Fans hatten sich auf einen kleinen Bruder vom erfolgreichen Bodybuilder X6 M gefreut. Doch statt eines X4 M muss ein 360 PS starker M 40i reichen - erst einmal.

Schade. Gerade schien sich die M GmbH im Hause BMW wieder etwas zurechtgeruckelt zu haben. Spektakulärer M2, nachgeschärfter M4 GTS und erstmals ein M-Logo an einem 7er. Was läge da näher, als den X4 mit einem echten M zu adeln? Schließlich drehen ja auch der kommende Audi Q5 als RS-Modell und das GLC Coupé von Mercedes als bollernde AMG-Variante bald imposanter denn je ihre Runden. Doch der BMW X4 M fehlt auch weiterhin im Garchinger Modellangebot. Die Lücke nach oben soll der M 40i schließen, der fraglos ein fahrenswertes Topmodell ist; doch zu einem echten X4 M fehlt ihm einiges.

Dafür ist bei allen optischen Dreingaben schon der Auftritt viel zu brav. Der BMW X4 M40i sieht kaum anders aus als ein müder X4 xDrive 20d mit blassen 190 PS und Sportpaket. Wenn das Starlet im Nachtclub nur zwei Knöpfe ihrer Bluse aufmacht, hat sie es im Kreise der tief dekolletierten Kolleginnen mit entsprechender Auslage schwer, sich imposant in Szene zu setzen. Genauso geht es dem 4,67 Meter langen BMW X4 M 40i. Gut gemeint und sicher auch gut gemacht, aber eben nur der halbe Schritt ins Ungewisse. Die Gründe hierfür liegen alles andere als auf der Hand, denn das Triebwerk des M4 hätte man mit etwas gutem Willen durchaus in den Motorraum des SUV-Coupés bekommen. Dazu ein paar dicke Backe, mächtige Schürzen inklusiv Radsatz und ab geht die Post.

Dabei ist der halbe X4 M weit davon entfernt, eine Enttäuschung zu sein. Der aufgeladene Sechszylinder mit drei Litern Hubraum leistet in dem Hochdach-Schrägheck 265 kW / 360 PS. Der Einstiegspreis liegt bei 65.000 Euro zudem nennenswert über dem des bisherigen Topmodells mit Dieselmotor, dem X4 xDrive 35d mit 313 PS, der bei 60.900 Euro startet und nicht nur durch sein gewaltiges Drehmoment so richtig Laune macht. Der Normverbrauch von sechs Litern Diesel auf 100 Kilometern gibt einem die Möglichkeiten von Dampf ohne Reue. Da sieht es beim Dank Klappenauspuff bärig bollernden M40i, der trotz des fehlenden xdrive-Annex im Namen obligatorisch mit einem exzellent abgestimmten Allradantrieb unterwegs ist, in der Realität allemal anders aus. Der Normdurst von 8,6 Litern SuperPlus geht in der Realität problemlos in Richtung Dutzend-Marke. Die Fahrleistungen sind entsprechend. 0 auf 100 km/h schafft der 1,9 Tonnen schwere Allradler in 4,9 Sekunden. Für die Höchstgeschwindigkeit gibt es die gewohnte Abregelung bei 250 km/h und schon deshalb keinen Nachschlag, weil ihm sprichwörtlich die Puste ausgehen würde. 270 km/h würde er mit seinen 360 PS kaum schaffen. Daran ändern auch die 465 Nm maximales Drehmoment nichts, mit denen der US-Bayer aus Spartanburg seine Insassen zwischen 1.350 und 5.250 U/min in die Sportsitze drückt. Stramm abgestimmt auf 19-Zoll-Mischbereifung mit 245ern vorne und 275er hinten.

Für den Piloten gibt es den bekannt aufgeräumten X3-/X4-Arbeitsplatz und trotz der abfallenden Dachlinie auch im Fond ein akzeptables Raumangebot für Knie und Scheitel. Der Laderaum lässt sich durch Umklappen der geteilten Rückbank von 500 auf bis zu 1.400 Liter erweitern. Das heißt Großeinkäufe, Fahrten zum Sperrmüll oder dem Möbelhaus lassen sich ohne großen Ärger erledigen. Häufiger als auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt dürfte das sportlichste aller X4-Modelle jedoch auf Autobahnen und Landstraßen unterwegs sein. Hier zeigt es mit seiner strammen Fahrwerksabstimmung, der sehr guten Bremse sowie der präzisen Lenkung wahre Qualitäten. Zu der Verleihung des "goldenen M" reicht es in der X4-Sportwertung jedoch nicht. Vielleicht können sich die Kunden ja bei der Nachfolge-Generation von X3 / X4 auf echte M-Gene und somit mehr Dampf freuen. Kunden genug sollte es für derlei ambitionierte Eskapaden geben. Die dürften sich Preisspielereien wie beim BMW X4 M40i jedoch kaum gefallen lassen. Der weich gespülte X4-M-Buder bietet trotz 65.000 Euro Basispreis serienmäßig weder beheizte Ledersitze noch LED-Scheinwerfer oder ein Navigationssystem. Das ist bei allen sportlichen Ambitionen in dieser Liga bitterer denn je.
Technische Daten
Motor Bauart:Sechszylinder-Reihenmotor mit Turboaufladung
Hubraum:2993
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-02-19

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