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Testbericht

Stefan Grundhoff, 2. August 2011
BMW lässt sich nicht aus der Reserve locken. Viele warten auf einen echten Supersportler mit Namen M1. Doch die Bayern setzen auf Rendite, das breite Alltagsgeschäft und eine neue i-Familie. Der supersportliche Ausreißer bleibt das 1er M Coupé.

Dass man von BMWs hauseigener M GmbH seit Jahren vergeblich auf einen potenten Supersportler wartet, ist nichts Neues. Während die Konkurrenz mit Mercedes SLS, Audi R8 oder Lexus LF-A mächtig im ehemaligen BMW-Terrain wildert, zuckt man am Petuelring darüber nur müde mit den Schultern. Sicher, da kommt ein neuer, 560 PS starker M5 und auch sonst haben die dynamischen Bayern genug engagierte Sportmodelle wie Nachfolger für M3 und M6 in der Hinterhand. Doch abseits des Volumengeschäfts drehen die Produktverantwortlichen ein ganz anderes Ding. Der M1 als Neuauflage des Sportspaßmachers von einst liegt dabei unverändert in einer weit abgelegenen Schublade. Die BMW-i-Familie soll es in den nächsten Jahren richten. Freude am Fahren und sportliche Dynamik soll insbesondere der i8 in sich vereinen.

Der ungehorsame Krawallmacher im BMW-Haus ist das 1er M Coupé. Auch er war intern lange umstritten, weil die 1er-Baureihe in diesen Wochen ihre Ablösung erfährt und das krawallige M Coupé mit seinen dicken Backen, dem doppelt aufgeladenen Sechszylinder und opulentem Spoilerwerk noch auf den alten 1er basiert. 2.000 Fahrzeuge waren ab Mai 2011 ursprünglich einmal geplant, damit das Geschäftsmodell aufgeht. Hinter vorgehaltener Hand planen die Münchner Bayern nun mit 4.000 bis 5.000 verkauften Modellen. Es ist eben nach wie vor ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Boliden der M GmbH immer zum Besten zählen, was in der jeweiligen Fahrzeugklasse zu bekommen ist. Das zeigt das 1er M Coupé, dem der traditionsbeladene Name M1 verwehrt blieb, mehr als jedes anders Modell im Portfolio. Dabei ist das M Coupé mit seinen dick aufgeblasenen Backen, der zerklüfteten Spoilerfront und dem kurzen Stufenheck keine Sportwagenschönheit – im Gegenteil. Doch den Spruch mit dem hässlichen M-Entlein sollte man sich lieber verkneifen, denn auf der Straße wird der Einstieg in die M-Liga zu einer gefährlichen Waffe.

Am liebsten verputzt das 4,38 Meter lange 1er M Coupé Kurvenkombinationen jeglicher Art – mmhhh lecker. Angebremst, eingelenkt und mit Vollgas aus der Kurve. Dazu dieser sensationelle Sound – lieber also gleich das Seitenfenster öffnen. Man muss auf keine Rennstrecke fahren, um das M Coupé in der Hand des versierten Piloten zum lustvollen Spielball auf vier Rädern werden zu lassen. Die Gewichtsverteilung von 52:48 ist zumindest beinahe perfekt für dynamisches Fahren, die Lenkung ungemein präzise und der 340 PS starke Sechszylinder mit Turboaufladung fühlt sich an, als hätte man das ein oder andere Dutzend mehr Pferde vor den Karren gespannt. Natürlich bleibt das 1er M Coupé dabei ein harter Geselle, bei dem der Komfort nicht auf den ersten drei Punkten der Arbeitsliste stand. Und das Paket in Sachen Fahrdynamik ist mehr als beeindruckend. Dabei verzichtete die M GmbH aus Kostengründen auf technischen Schick-Schnack wie ein Doppelkupplungsgetriebe, das dem Einstiegs-Modell der anderen Art sicher gut stehen würde. Doch die knackig-kernige Sechsgang-Box mit ihren kurzen Schaltwegen ist einer der großen Pluspunkte des Pseudo-M1. Die Lenkung ist präzise, aber recht schwergängig.

Im Grenzbereich kommt das Heck schnell und bissig – lässt sich auch ohne elektronische Helfer jedoch mit Gas und Lenkung im Zaum halten. Auf rutschiger Fahrbahn wird das schwieriger. So sind echte Sportwagen unterwegs, die eben nicht jedem gefallen müssen. Jedoch ist dem 1er M Coupé anzumerken, dass er mit knapp 1.600 Kilogramm Gewicht gerne den ein oder anderen Zentner weniger auf den breiten Rippen haben dürfte. Dann würde das Untersteuern in engen Kehren eine Spur dürftiger ausfallen. Dass so viel Sportlichkeit Abstriche in anderen Bereichen mit sich bringen, versteht sich. Doch interessieren tut sich dafür bei einem Spaßmacher wie diesem niemand. Wenn der Doppelturbo nach einem kaum spürbaren Loch zum Durchatmen einmal anbläst und die Hinterachssperre greift, gibt es kein Halten mehr. Die breiten Heckpneus mit ihren 2 x 26,5 Zentimetern Bodenhaftung krallen sich in den Asphalt, verformen ihn und lassen den Piloten gleichzeitig jauchzen. Der Vortrieb gerade aus engsten Kurvenkombinationen ist grandios. Auch der Sound des grandiosen Reihensechszylinders ist zum Niederknien – Turbolader hin oder her.

Natürlich ist das 1er M Coupé bei so viel Sportsgeist kein Kostverächter. 250 KW / 340 PS und 500 Nm maximales Drehmoment wollen gefüttert werden. Der Normverbrauch von 9,6 Litern Super auf 100 Kilometern ist selbst bei gemäßigter Gangart ein ambitionierter Wert. Realistisch rauschen je nach Gangart 11 bis 14 Liter durch die Einspritzdüsen und nicht nur Sportwagenfahrer wissen, dass dieser Wert allemal noch vertretbar ist. Hier ist der Ärger über die weitgehend sinnfreie Selbstbeschränkung auf 250 km/h höher. Immerhin, der Testwagen lief 270 km/h schnell. Der Spurt 0 auf 100 km/h ist besonders mit warmen Reifen beeindruckend. Das 1er M Coupé bleibt allzeit spürbar unter fünf Sekunden. Nicht ganz zu verachten ist der hohe Alltagsnutzen des 1er M Coupé. Klar ist der 1er mit Sportfahrwerk, dicken Backen und bissigen 19-Zöllern ein harter Hund. Doch im Innenraum geht es mit sehr guten Sportsitzen und ordentlichen Bedienelementen durchaus bequem zu. Die beiden Sitzgelegenheiten im Fond lassen sich ebenfalls nutzen – und zwar am besten für Jacken und Taschen, wenn die 370 Liter Laderaum einmal nicht reichen sollten.

Das BMW 1er Coupé ist aktuell einer der größten Spaßmacher auf dem deutschen Automarkt. Er bietet den Fahrspaß eines BMW M3 und ist mit 50.500 Euro durchaus noch bezahlbar. Zumindest wenn man weiß, was die Sportwagen der Konkurrenz kosten. Und mit denen kann man sich allemal messen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-08-02

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