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Testbericht

Stefan Grundhoff, 7. September 2009
Eine perfekte Symbiose aus Gran Turismo und Cabriolet – daran sind in den letzten Jahrzehnten viele Hersteller gescheitert. Aston Martin setzt seiner begehrenswerten Palette mit dem DBS Volante die Krone auf und lässt einen für die Dauer einer Ausfahrt der Umwelt entrücken.

Lange Jahre war Aston Martin für echte Sportwagenfans tabu. Qualität, Image und Design hatten gelitten. Die Konkurrenz war weit enteilt und teilte die elitäre Kundschaft längst allein unter sich auf. Doch wer die aktuelle Modellpalette der Briten sieht, schnalzt mit der Zunge und möchte sich nie wieder in einem der Konkurrenzprodukte sehen. Das Tüpfelchen auf dem „i“ und das Maß aller Dinge ist dabei der Aston Martin DBS Volante. Marken-Dauerliebhaber James Bond hat Cineasten in Autos aus Gaydon schon genug den Kopf verdreht - ab dieser Herbstsaison kann er es auch noch mit voluminöser Fönfrisur tun. Ein Cabriolet, das einem bereits mit geschlossenem Dach den Atem raubt, sieht man nicht alle Tage. Der DBS hat da keinerlei Schwierigkeiten. Selbst die Lackierung im an sich wenig sportwagentauglichen Rotmetallic kann ihm nichts anhaben. Er steht da wie ein Beau – lässig, elegant und kraftvoll, kein Aufschneider oder Protzer. Der 4,70 Meter lange Schönling steht einfach nur da und beeindruckt. Dabei hat er sein wichtigstes Statement noch gar nicht abgegeben: Er fuhr noch keinen Meter.

Das wird sich ändern. Der Einstieg öffnet nicht nur nach vorn, sondern auch leicht nach oben. Nicht das erste Zeichen dafür, dass sich der DBS Volante zu Höherem berufen fühlt. Im Innenraum gibt es das bekannte Aston-Interieur. Begeisterung kommt bei visuellen Altlasten aus Ford-Zeiten kaum auf. Anzeigen und Bedienelemente sind nur partiell schmuck und können das abgehobene Designniveau der Außenhaut daher nicht halten. Die Sitze mit der obligatorischen Bedienung am Mitteltunnel sehen gut aus, lassen beim Komfort jedoch genügend Spielraum für Verbesserungen. In einem 517-PS-Geschoss will man bessere Verstellmöglichkeiten, mehr Oberschenkelauflage und sowieso mehr Seitenhalt genießen. Hier patzt der Volante gerade bei größer gewachsenen Piloten, die gerade noch den Einstieg mit Markenlogo und dem Zusatz „Handbuilt in England“ bestaunt haben.

Dass die einen kurzen Moment später wie in eine Schockstarre verfallen, scheinen die Ingenieure aus Gaydon einkalkuliert zu haben. Denn entschließt sich der sechs Liter große Zwölfzylinder nach einem Druck auf den Starterknopf dazu, seine Kolben in Bewegung zu setzen, läuft selbst erfahrenen Sportwagenstrategen ein Schauer über den Rücken. Zwölf Brennkammern brabbeln und grollen so willig vor sich hin, dass man sich beim Öffnen des Dachs bereits vorab von seiner Frisur verabschiedet. Windschott hin und Seitenscheiben her – keine Chance für Gel, Wachs, Spray oder Schaum. In rund 15 Sekunden öffnet sich das ebenso straff wie elegant geschnittene Stoffdach. Kein unansehnlicher Klappdach-Fauxpas wie bei so manchem Konkurrenten. Mit der Mütze aus schneidigem Gewebe zeichnet das Cabriolet die nahezu identische Linie des Coupés. Wer sich erst außerhalb der Tiefgarage für eine Dachöffnung entscheidet, wird bei niedrigem Tempo nicht von einem Warnton oder blinkenden Signalen genervt. Bis knapp 50 km/h öffnet sich die Sonnenterasse ohne Murren. Der Aufbau versenkt sich dabei weitgehend lautlos hinter den zum Personentransport untauglichen Rücksitzen.

Nach kurzer Strecke hat man sich in den bulligen Volante verliebt. Nicht, dass einem das DBS Coupé nicht schon genug schlaflose Stunden bereitet hätte. Doch die Zweifel, ob ein Cabrio-Bruder Schöngeister und Fahrdynamiker gleichermaßen beeindruckend bewegen kann, sind schnell verflogen. Verstärkte Bodenelemente und Versteifungen an der Aluminium-Karosse machen sich angenehm bemerkbar. Das offene Dach kann der Brite gerade bei sportlicher Schräglage kaum verhehlen, doch die Verwindungen sind minimal. Den Nachteil dieser fahrdynamischen Glanzvorstellung sieht man bekanntermaßen beim Gewicht. Hier ist der DBS Volante am oberen Ende der Fahnenstange angekommen. Hightech-Materialien sorgen an vielen Stellen dafür, dass der DBS Volante nicht noch schwerer wird.

Was man bei der Fahrdynamik nicht vollends überspielen kann, wird von dem Triebwerk ad absurdum geführt. Das bekannte DBS-Triebwerk geht mit dem Gewicht um, als wäre es kaum vorhanden. 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden sind eine Ansage. Und der 517 PS starke Zwölfzylinder hält, was er verspricht. In welchem Gang man unterwegs ist, ist zweitrangig. 570 Nm Drehmoment lassen einem in einem ungewohnt breiten Geschwindigkeitsband die Wahl zwischen den Gängen zwei bis sechs. Die Höchstgeschwindigkeit von 307 km/h sorgt dafür, dass man sich von den meisten Konkurrenten bereits bei deutlich geringerem Tempo verabschiedet hat. Der akustische Genuss steigert sich über 3.500 Touren ins Unermessliche. Die Klappen öffnen und schließen wie auf Geheiß eines Dirigenten. Beim Brüllen des Triebwerks geht der Verbrauch von rund 16 Litern einfach unter.

Längst ist es zur Nebensache geworden, dass die Gangwechsel nach wie vor manuell durchgeführt werden. Der Fahrer spürt den DBS Volante über die etwas unwilligen Schaltstufen noch eindrucksvoller. Wenn er es nicht will, entscheidet er sich für die automatisierte Version – ebenfalls mit sechs Schaltstufen. Gerade bei ambitionierter Gangart und selbst auf einer Rennstrecke zeigt der offenherzige DBS, dass er nicht nur posen kann. Er ist schnell - sehr schnell - und beeindruckt mit stoisch ruhigem Fahrverhalten. Für die härtere Gangart sei der Sportmodus empfohlen, der sich von Komfortattributen schnell verabschiedet. In jedem Fall wünscht man sich bei höherem Tempo eine direktere Lenkung. Für beeindruckende Bremswerte sorgt eine Keramik-Bremsanlage. Unterm Strich ist der Volante ein grandioses Auto für einen beeindruckenden Geldbetrag. 254.000 Euro stehen versteckt auf dem Preisschild. Wer hat Zweifel, dass der Aston Martin DBS Volante das nicht wert ist? Eine Lizenz zum Begehren sollte einem das allemal wert sein.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-07

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