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Testbericht

automobil-magazin.de, 3. Dezember 2013
Der Alfa 4C soll den Wendepunkt für Alfa Romeo markieren: als emotionaler, purer und leichter Zweisitzer mit 240 PS starkem Mittelmotor zum attraktiven Preis von 50.500 Euro.

„Es gibt hier in Hockenheim Wagen, die schneller fahren als der 4C“, weiß Rennfahrer Christian Menzel, neben den vier schnittigen 4C-Werkswagen stehend. Schnell sein ist jedoch nicht alles, das weiß er genauso. Erstens, weil an den Vortagen bei Tests viel zu schwere Sportlimousinen mit viel Gewichtheben und Krampf durch die Sachskurve gewuchtet wurden. Zweitens, weil er selbst ganz nah an der Nürburgring Nordschleife – 20,83 Kilometer, 73 Kurven – zuhause ist. Und drittens, weil er einen 4C am Tag zuvor: „150 Runden verprügelt hat“. Motto: „massiv gequält aus Freude“. Viel Qual war da aber nicht. Der Alfa Romeo 4C ist superleicht.

Trockengewicht 895 kg. Da bleibt kein Auge trocken. „Trocken“ heißt: Der 4C stand ohne 90 % der Betriebsflüssigkeiten, ohne 68 kg-Normfahrer und ohne 7 kg Zusatzgewicht auf der Waage. Trotzdem ist der 3,99 Meter lange, 3,86 Meter breite und nur 1,18 Meter hohe Prachtitaliener ein Bruder Leichtfuß. Seine sportliche Schnörkellosigkeit im Innenraum ist gewollt und Prinzip. Schon beim Öffnen der Fahrertür schimmert im Türspalt verheißungsvoll Kohlefaser und im Fußraum nacktes Bodenblech. Die Kofferraumhaube – der „Kofferraum“ taugt für eine Reise von Frankfurt nach Offenbach – verpasste man, Gewicht sparend, nicht mal Dämpfer. Der Vorteil des Karbon-Monocoques lässt sich mit mehr Steifheit und Crashsicherheit begründen, aber ebenso mit 65 Kilogramm Mindergewicht. Ähnliches gilt für die Alucrashbox, den integrierten Überrollbügel aus Aluminium und die Kunststoffkarosserie, die 20 % Gewicht einspart. All der moderne Leichtbau erweist sich jedoch als historisch korrekte Rückbesinnung.

War früher so, ist heute so: Was wenig wiegt, rennt gut. Die Physik will es nun mal so. Und der Motor, neckisch verpackt unter der transparenten Haube, ebenso. Mit dem C" im Typenname (für „Cilindri") werden Alfa Romeo 6C und 8C reanimiert. „1750“ ist ebenso eine Ziffernfolge mit historischer Wucht. Im Vergleich zur Giulietta QV, wo der 1,8 Liter braver zum Einsatz kommt, wiegt der Motor im 4C dank Alublock 22 Kilogramm weniger. Zudem wurde der Vierzylinder-Turbo auf der Ein- wie Auslassseite kompromisslos optimiert. Mit Direkteinspritzung, doppelter Phasenverstellung, zwei obenliegenden Nockenwellen und dem „Scavenging“-Kontrollsystem zur Unterdrückung kleiner Turbolöcher ist er ein ganz moderner. Im Sound von gestern. Und wie: Das cuore sportivo bebt, im Werkswagen mit Sportauspuff, wie lange nicht mehr. Was für ein Spektakel – schon im Leerlauf.

Der Antrieb ist Trieb. Das Leistungsgewicht liegt bei 4 kg/PS. Die Beschleunigung ist damit enorm, von den Gewichtsproblemen der Neuzeit unberührt. Mit den Paddles des Doppelkupplungsgetriebes oder automatisiert tapeziert man die 240 PS auf den Rennbelag. In 4,5 Sekunden zeigt das Digitaltachometer 100 km/h. Die Betonung des Vortriebs und des Gewichts liegt dabei mit 40:60 auf der Hinterachse. Das kickt in Fahrt gewaltig. Die mechanische Direktlenkung lenkt präzise und mit hohem Lenkwiderstand ein. Und das frei von Antriebseinflüssen. Wie im klassischen Sportwagen: Lenkungsführung vorne, Motorkraft hinten. Die Fahrwerkstransparenz ist hoch. Das fahrerische Gift im Grenzbereich, das im Mittelmotorsportwagen erwartet wird, wirkt im 4C nicht. Selbst zu spät angebremste Kurven pariert er unkritisch. Da das ESP auch im Modus „Dynamic“ Schlupf gestattet, bleibt der Fahrspaß an Bord. Regeln lässt er sich auf der Mittelkonsole, wo ein Modus Technikpremiere feiert: Der „Race"-Modus, der sich zu den drei Modi des „D.N.A.“-Systems („Dynamic", „Natural" und „All Weather") im 258 km/h flotten Alfa sehr passend hinzugesellt.

Schnellsein auf der Straße ist das eine, schnell sein bei der Bestellung das andere. 3.600 Alfa Romeo 4C werden jährlich im Maserati-Werk in Modena produziert. Zu wenig für die Nachfrage. Alfas sexy Sportzweisitzer – Wartezeit zur Zeit: ein Jahr – ist im Moment ausverkauft. Das gab es bei Alfa – eine Firma am Wendepunkt? – schon lange nicht mehr.

(Lothar Erfert)


Testwertung
5.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2013-12-03

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