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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 12. Juli 2012

Geht nicht, gibt’s nicht. Kein Auto hat diese Regel so eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie die Mercedes G-Klasse. Immerhin überwindet sie nun schon seit drei Jahrzehnten nicht nur jedes Hindernis. Sondern mit dem langen Atem eines Dinosauriers, der sich selbst längst überlebt hat, übersteht sie offenbar auch jeden Trend. Selbst gegen das leidige Downsizing ist der kantige Klassiker offenbar immun. Denn wo alle Welt immer kleinere Motoren einbaut und andernorts die Zylinder wegsterben wie die Ur-Echsen zum Ende der Steinzeit, rüsten die Schwaben nun sogar noch einmal auf: Zum ersten Mal in der Geschichte des Dauerläufers gibt es die G-Klasse jetzt offiziell und ab Werk auch mit einem Zwölfzylinder.

Entwickelt und montiert von der schnellen Schwester AMG, folgt der sportliche Ableger damit schlicht den Gesetzen des Marktes. „Denn vor allem aus Russland, China und den Golfstaaten sind wir immer und immer wieder nach einer V12-Variante gefragt worden“, sagt AMG-Chef Ola Källenius. Und irgendwann waren die Fragen offenbar so laut und drängend, dass er sich diesem Wunsch nicht weiter verschließen wollte. Deshalb steht nun neben dem gerade eingeführten G63 AMG mit dem Doppelturbo-V8 erstmals auch ein G65 AMG in der Liste und provoziert mit mehr Leistung als jeder andere Geländewagen, dem höchsten Listenpreis aller Mercedes-Modelle und einem CO2-Ausstoß, den man bei 17 Litern Normverbrauch besser in Kilo als in Gramm misst.

Während Klimaschützer vor der Auto-Apokalypse mahnen, die reichen Raser schon ihre Rubel zählen,  und die Controller vom riesigen Gewinn träumen, reicht ein einziger Gasstoß am Steuer der Wuchtbrumme, um alle Diskussionen hinfällig zu machen und das eigene Weltbild ins Wanken zu bringen.

Denn kaum kommt der Fuß auch nur in die Nähe des Fahrpedals, drückt es einen tief in die weichen Sitze, und der Berg aus Blech schießt schneller davon als eine Gerölllawine am Mount Everest: Während das gelassene Bollern des Zwölfzylinders zu einem wütenden Brüllen anschwillt, zerreibt es das Gesetz von der Trägheit der Masse wie die 275er-Gummis auf den 20-Zoll-Felgen: 612 PS und 1.000 Nm katapultieren die G-Klasse mit einer solchen Leichtigkeit in 5,3 Sekunden auf Tempo 100, als hätten sich die 2,5 Tonnen förmlich in Luft ausgelöst. Und selbst ein Luftwiderstand wie ein Scheunentor kann den Vortrieb der Furie nicht stoppen: Als wäre er klein und schnittig wie ein Sportwagen, marschiert der hohe Monolith von Mercedes über die linke Spur und läuft erst bei 230 km/h in den Begrenzer. Mit so viel Kraft im Überfluss wäre sicher auch noch viel mehr möglich gewesen. Doch weil sich die Physik eben nicht ganz ausschalten lässt,  am Ende jeder Geraden irgendwann eine Kurve lauert und man die Fuhre ja auch irgendwie wieder zum Stehen bekommen muss, machen die Entwickler dem Wahnsinn irgendwann doch ein Ende.

Schon jetzt braucht es viel Feinschliff an der Federung und stärkere Bremsen, um den Koloss unter Kontrolle zu halten. Und etwas Feingefühl im rechten Fuß kann auch nicht schaden. Zwar sind dem G im Grunde alle Traktionsprobleme fremd. Doch wer bei diesem Biest nur ein bisschen fester zutritt und dabei auch noch lenken will, kommt selbst mit Allradantrieb auf trockener Straße in den Regelbereich des Stabilitätssystems und sieht, wie die ESP-Lampe im Cockpit SOS funkt.

Natürlich braucht so ein Auto kein Mensch, und auf die paar Millionen mehr oder weniger Umsatz dürfte es in der Daimler-Bilanz kaum ankommen. Doch der G 65 AMG hat auch für die anderen Modelle der G-Klasse eine segensreiche Wirkung. Nicht nur, dass ein G 350 CDI mit einem Normverbrauch von 11,2 Litern auf einmal ziemlich sparsam aussieht. Auch wenn man seine 85.311 Euro mit den mindestens 264.180 Euro für den G 65 vergleicht, wird der Dauerläufer plötzlich doch noch zum Schnäppchen.

Sie haben sich lange bitten lassen. Aber irgendwann waren die Nachfragen aus Dubai, Moskau und Peking nicht mehr zu überhören: Auf besonderen Wunsch einiger zahlungskräftiger Kunden baut AMG die Mercedes G-Klasse deshalb jetzt auch als V12. Eine Fahrt bringt mit der Wuchtbrumme bringt das eigene Weltbild schnell ins Wanken.

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Fazit
Sie haben sich lange bitten lassen. Aber irgendwann waren die Nachfragen aus Dubai, Moskau und Peking nicht mehr zu überhören: Auf besonderen Wunsch einiger zahlungskräftiger Kunden baut AMG die Mercedes G-Klasse deshalb jetzt auch als V12. Eine Fahrt bringt mit der Wuchtbrumme bringt das eigene Weltbild schnell ins Wanken.

Quelle: Autoplenum, 2012-07-12

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