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Testbericht

Stefan Grundhoff, Los Angeles, 29. August 2008
Die vier großen Buchstaben sind nach unten gerutscht: Hybrid steht jetzt in blauen Lettern am Heck des Dodge Durango. Einer der erfolgreichsten Familien-Lastesel der USA ist nun auch mit Sparantrieb zu haben.

Da wo am Heck eines Chrysler oder Doge einst der satte Leistung versprechende Schriftzug "HEMI" prangte, glänzt nunmehr das blaue "Hybrid-Logo" in der Sonne. Der HEMI-Zusatz steht nur klein darunter - so ändern sich die Prioritäten. Auch in den USA. Mit alternativen Antriebskonzepten wollen die Amerikaner die Schmähungen des gleichermaßen geliebten wie durstigen Mega-SUV vergessen machen und wieder die Kunden locken. Es ist in den USA nicht nur der hohe Benzinpreis, der die kraftverliebten Amerikaner zu zögerlichen Autokäufern hat werden lassen. Auch mit der lange Jahre erfolgreichen US-Wirtschaft ist es nicht zum Besten bestellt. Viele Familien sind hoch verschuldet und die fast genauso wie das Auto geliebten eigenen vier Wände stehen oftmals zur Disposition. Da reichen schon etwas Medienhype und ein Kraftstoffpreis von knapp über vier Dollar pro Gallone (3,8 Liter), um das Auto zu verteufeln und das Kaufinteresse herunter zu dimmen.

Unter anderem durch die zumeist kleineren Autos aus Europa und Asien sind die üppigen Pick Up und SUV made in USA unter Druck geraten. Jedoch ist es kaum wahrscheinlich, dass man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der besonders scharfen Tempolimits zukünftig komplett auf Kleinwagen umsteigen wird. Lifestyler wie ein Mini oder ein VW Beetle haben zwar durchaus ihre Chance. Aber da viele Amerikaner jeden Tag einige Stunden im Auto verbringen, wird für sie an den großen Modellen auch zukünftig kaum ein Weg vorbeiführen. Das haben mit Verzögerung auch die großen drei - Ford, General Motors und Chrysler – erkannt. Und während die deutschen Herstellern in Sachen Hybridantrieb noch mindestens eineinhalb Jahre hintan sind, zeigt nach General Motors nun auch die Chrysler Group ihre Modelle von morgen – für heute.

Das Zwillingspaar Chrysler Aspen und Dodge Durango - der eine chic, der andere eher robust - verfügt ab sofort nicht nur über Platz im Überfluss und 345 PS, sondern auch über einen akzeptablen Verbrauch. General Motors hat es zum Frühjahr mit GMC Yukon und Chevrolet Tahoe vorgemacht. Jetzt folgen bei GM die Allradversionen und der Nobel-Gigant Cadillac Escalade. Sie alle nutzen das gleiche Hybridmodul, dass Mercedes-Benz zusammen mit Chrysler und BMW unter Federführung von General Motors entwickelt hat. Ähnlich wie der dicke Chevrolet Tahoe oder der GMC Yukon wird so auch der mehr als 2,5 Tonnen schwere Dodge Durango zum Sparmeister – zumindest wenn man die in Amerika sonst normalen Verbräuche zugrunde legt.

Egal ob in der überfüllten City von Los Angeles oder auf dem Highway Richtung San Diego – der mächtige Durango gibt sich in nahezu jedem Fahrzustand mit knapp 20 Meilen pro Galllone Kraftstoff zufrieden. Nach europäischen Dimensionen entspricht das einem Durchschnittsverbrauch von elf bis zwölf Litern Super pro 100 Kilometer. Gut, echte Sparmeister sehen anders aus. Aber angesichts von Fahrzeugmasse, Stirnfläche und einem 345 PS starken Achtzylinder ist das ein allemal ansprechender Verbrauch. Nicht zu vergessen verfügt der 5,13 Meter lange Dodge Durango ebenso wie sein Zwilling Chrysler Aspen über Allradantrieb, allen nur erdenklichen Komfort und Platz für bis zu acht Personen. Wer will, kann mit dem mobilen Wohnzimmer auch Lasten von über drei Tonnen an den Haken nehmen.

Die Hauptarbeit übernimmt nach wie vor der bekannte 5,7 Liter große Achtzylinder in HEMI-Bauweise mit seinem massigen Drehmoment von 515 Nm. Ersetzt wird er bei langsamer Fahrt von bis zu Tempo 40 sowie jeglichen Rangiermanövern von einem 87 PS starken Elektromotor, der im Getriebe untergebracht ist und jederzeit 319 Nm Drehmoment zur Verfügung stellt. So gibt es auch beim Starten kein sattes Blubbern aus acht Töpfen, sondern nur ein kaum zu vernehmendes Surren vom Elektromotor. Der 300-Volt-Akkupack ist spurlos unter der ersten Rückbank untergebracht. Das Gewicht liegt bei rund 200 Kilogramm. Der Two-Mode-Hybrid arbeitet bei langsamer Fahrt allein und spart so vor allem beim Stopp-and-Go-Verkehr in der Stadt teuren Kraftstoff. Lautlos geht es auf die Melrose Avenue und weiter Richtung Pico Boulevard. Erst beim kraftvollen Beschleunigen gehen Verbrennungs- und Elektromotor gemeinsam an die Arbeit. Das geschieht so sportlich, dass man die 100 km/h-Marke in 7,8 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit des Durango liegt bei abgeriegelten 180 km/h.

Wenn es am Dodge Durango etwas auszusetzen gibt, dann ist es sein Getriebe. Ähnlich wie GMC Yukon und Chevrolet Tahoe ist man mit einem mehr als betagten Viergang-Getriebe unterwegs. Vier Schaltstufen sind angesichts der heutigen Getriebetechnik alles andere als angemessen und so merkt man selbst auf den wenig fahrdynamischen Highways, dass hier etwas mehr Hightech sinnvoll wäre. Doch der mächtige Hubraum und der zusätzliche Elektromotor können Schaltschwächen dann eben doch noch überspielen. Der zusätzliche Elektromotor erlaubt zudem deutlich mehr Zylinderabschaltungen. Das Multi-Displacement-System des HEMI lässt bereits den normalen 5,7-Liter-Motor im Teillastbetrieb mit nur vier Brennkammern laufen. Beim Hybriden geschieht das aufgrund der zusätzlichen 87 E-PS deutlich öfter und effektiver. Wann genau, darüber gibt der Info-Bildschirm in der Mittelkonsole Aufschluss.

Im Vergleich zu den noch größeren und schwereren Chevrolet Tahoe oder GMC Yukon wirkt der Dodge Durango Hybrid des Modelljahres 2009 jedoch etwas hölzern. Die Federung ist sehr weich, lässt Querfugen und Fahrbahnunebenheiten unangenehm durch. Die Nick- und Wankbewegungen kennt man jedoch von den meisten großen US-Geländewagen. Daran wird sich erst in den nächsten Jahren etwas ändern, wenn die Fahrzeuge leichter und die Abstimmungen filigraner werden.

Ob der Dodge Durango und der Chrysler Aspen als sparsame Hybridversionen eine Zukunft haben, wird nicht zuletzt der Preis entscheiden. Der Dodge startet bei 45.340 Dollar, der Aspen ist gerade mal 250 Dollar teurer. Damit liegt man mehr als 7.000 Dollar unter den Vergleichsmodellen von General Motors mit ähnlichem Hybridantrieb. Die Ausstattung ist mit elektrischen Ledersitzen, DVD-Entertainment, Navigation und elektrischer Heckklappe vorbildlich. Doch Kraftstoffersparnis und gutes Umweltgewissen haben auch in den USA ihren Preis. Mit Allradantrieb und ohne Hybridantrieb kosten Chrysler Aspen und Dodge Durango je nach Ausstattung zwischen 35.500 und 38.500 Dollar. Macht einen Elektro-Aufpreis von satten 7.000 bis 10.000 Dollar. Dafür kann man viel Kraftstoff tanken. Insbesondere auch deshalb, weil die reinen Benzinversionen mit riesigen Rabatten von bis zu 10.000 Dollar beim Händler um die Ecke verkauft werden. Da haben es die Hybriden schwer, im 1:1-Kostenvergleich zu bestehen. Bei der nächsten Generation soll die Hybridtechnik in Limousinen und Mittelklasse-SUV kommen. Da dürfte es leichter werden.
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Quelle: Autoplenum, 2008-08-29

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