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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 15. September 2014
Fast zeitgleich mit dem Porsche Cayenne bekommt der VW Touareg ein Facelift verpasst. Anders als der betont sportliche Zuffenhausener legt der Volkswagen-SUV mehr Wert auf ausgewogenes Fahrverhalten.

Optischer Krawall ist bei Volkswagen nicht opportun. Eine Prämisse des Designs ist, dass auch frühere Generationen aktueller Modelle nicht alt aussehen. Evolution statt Revolution ist ein Leitsatz bei der optischen Formgebung. Der gilt bei Modellpflegen umso mehr. Also fasste die Truppe von Designchef Klaus Bischoff den Touareg mit Samthandschuhen an. Bei der Front fallen die Scheinwerfer auf. Sie sind einen Schuss größer, sind nicht mehr gepfeilt und haben jetzt immer Bi-Xenon-Licht. Betont werden die Augen von dem veränderten Chrom-Grill mit jetzt vier Querstreben. In der Ausstattungsvariante Chrome Style umgibt eine glänzende Leiste das 4,80 Meter lange SUV. Das ist für einen Volkswagen schon ziemlich extrovertiert. Zumal jetzt auch der Kofferraumansatz verchromt ist. Der Mut wird belohnt. Das sieht gut aus. Zumal sich das Chrom auch bei den Drehknöpfen im Innenraum wiederfindet.

Die hübschen das Interieur spürbar auf. Allerdings erreichen nicht alle Knöpfe und Schalter die Wertigkeit der verchromten Bedienelemente. Das Hartplastik der Tasten rings um den Infotainmentbildschirm und der Klimaeinheit steht im Gegensatz zu dem feinen Leder und den edlen Holzapplikationen. Da zeigen die Konsequenzen der Gleichteilstrategie. Bei einem Auto, das einen Grundpreis von 68.525 Euro hat, sollte mehr Detailliebe drin sein. Die Töchter aus Ingolstadt und Zuffenhausen machen das besser. Das Navigationssystem mit dem Touchscreen und einer Bildschirm-Diagonale von 20 Zentimetern erledigt seinen Job zuverlässig. Auch wenn die Anzeigen der Wegstrecke etwas angestaubt daherkommen. Es sei denn, man schaltet auf Google Earth. Mit Real Time Traffic statt TMC wären die Verkehrsmeldungen auch präziser.

Das Cockpit verströmt einen gediegenen Eindruck. Die Sitze sind bequem und die Sitzposition gut. Das Lenkrad liegt gut in der Hand. Mit ihm lässt sich der Touareg präzise und sauber um die Ecken zirkeln. Dabei ist das 2.251 Kilogramm schwere SUV nicht so spitz und so fahrdynamisch, wie der Porsche Cayenne. Soll es auch gar nicht sein. Der Touareg macht alles unauffällig und ausgewogen gut. Dieses Motto zieht sich durch das ganze Auto. Dazu trägt auch der neue V6-Diesel bei, der den Wolfsburger mit 262 PS befeuert. In 7,3 Sekunden erreicht der Touareg aus dem Stand die 100-km/h-Marke, bei 220 km/h ist Schluss. Dank eines maximalen Drehmoments von 580 Newtonmetern, das ab 1.750 Umdrehungen pro Minute anliegt, verrichtet der Motor unaufgeregt und akustisch zurückhaltend seinen Dienst. Für geschmeidige Gangwechsel sorgt die bekannte ZF-Achtgangautomatik.

Der Verbrauch liegt bei der Terra-Tech-Version bei 6,9 l/100 km, 0,3 l/100 km mehr als beim Touareg mit "normalen" Allradantrieb, bei dem ein selbstsperrendes Torsen-Differential die Kraftverteilung übernimmt. Auch der Touareg hat jetzt eine Segelfunktion, die den Motor entkoppelt, sobald man vom Gas geht und die Drehzahlen auf Leerlaufniveau fallen lässt. Die Wechsel zwischen Vortrieb und rollen funktionieren reibungslos. Bei der Terra-Tech-Version freuen sich die Offroad-Freaks über ein Untersetzungsgetriebe, ein selbstsperrendes Differential, eine Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und eine gegenüber der 4Motion-Version-auf 17,3 Zentimeter erhöhte Verschränkung. Das alles macht aus dem Touareg zwar keinen Jeep Wrangler, reichen aber für die meisten Ausflüge ins Gelände locker aus.

Einen stärkeren rechten Haken als die 262-Maschine schlägt der V8 TDI mit 380 PS. Beim Hybrid beließen es die VW-Ingenieure bei der nicht mehr zeitgemäßen Kombination aus dem bekannten 333-PS-V6-Benziner, einem Nickelmetallhydrid-Akku und einem 34,3 kW (63 PS) Elektromotor. Da müssen die Elektro-Fans auf die Neuauflage des Kraxlers in etwa drei Jahren warten. Eine weitere Alternative ist der 206-PS-Diesel, mit dem es etwas gemächlicher vorangeht. Die optionale Luftfederung (kostet 2.700 Euro extra) ist ihr Geld wert. Sie garantiert auch auf schlechten Straßen guten Komfort und sorgt für Sicherheit bei schnellen Autobahnetappen, da sie das Fahrzeug bei höheren Geschwindigkeiten Fahrzeug tieferlegt. Ohne das Terra-Tech-Offroad-Paket ist bei der Luftfederung ein dynamischer Wankausgleich im Angebot, der die Zuzahlung aber auf 3.140 Euro erhöht.

Die Aufpreisliste ist, vor allem, was die Fahrassistenzsysteme angeht, lang. Serienmäßig sind die VW-typische Multikollisionsbremse, ein Tempomat und ESP, das auch bei Fahrten mit einem Anhänger helfend eingreift. Ein Paket bestehend aus einem adaptiven Tempomaten mit Stadt-Notbremsassistenten und Stop-and-Go-Fähigkeit, Parksensoren, Spurwechselwarner sowie Toter-Winkel-Assistent schlägt mit 3.545 Euro extra zu Buche. Ein gestochen scharfes Bild liefert die Rückfahrkamera. Die kostet aber mindestens 510 Euro Aufpreis.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-09-15

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