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Testbericht

21. Dezember 2004
Haar, 21. Dezember 2004 – Benzin wird immer teurer, und auch Diesel ist nicht länger wirklich günstig. So interessieren sich immer mehr Autofahrer aus finanziellen Gründen für das günstige Erdgas. Aber spart man im laufenden Betrieb so viel, dass sich die Anschaffung lohnt? Wir sind dieser Frage anhand des VW Golf Variant 2.0 Bifuel nachgegangen und haben den Erdgaskombi für Sie getestet. Flotter Motor Das Wolfsburger Erdgasfahrzeug besitzt ein 2,0-Liter-Aggregat, das 115 PS leistet. Dieser Wert gilt für den Benzinbetrieb, im Erdgasmodus sind es nur 102 PS. Denn wie der Name Bifuel schon sagt, kann das Auto mit beiden Kraftstoffen betrieben werden. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der 2.0 Bifuel 11,7 Sekunden im Benzinmodus und 12,7 Sekunden im Erdgasbetrieb. Den Unterschied bemerkt man im Alltag kaum. Unabhängig vom gerade verwendeten Treibstoff macht der Motor einen flotten Eindruck. Die Höchstgeschwindigkeit von 185 beziehungsweise 195 km/h erreicht das Auto ohne Probleme. Das eher harte Fahrwerk macht hohe Geschwindigkeiten gerne mit. Beim Schalten mit dem serienmäßigen Fünfgang-Getriebe stört allerdings die spät kommende Kupplung. Und wenn man auf nassem oder glattem Untergrund anfährt, lässt der Grip zu wünschen übrig: Die Vorderräder drehen öfter durch. Ein Grund dafür mögen die schweren Gastanks in der hinteren Fahrzeughälfte sein; sie verschlechtern die Gewichtsverteilung bei dem Fronttriebler.

Eine anrüchige Sache Während bei den Erdgasvarianten des Opel Zafira oder Fiat Multipla die Erdgastanks unter dem Fahrzeugboden untergebracht sind, liegen sie beim Golf innen. Sie sind im Kofferraumboden in einem etwa zehn Zentimeter hohen Sockel integriert. Der Kofferraum wird dadurch um schätzungsweise hundert Liter verringert, sodass etwa 350 bis 1.400 Liter übrig bleiben. Die Tanks bestehen nicht wie bei anderen Modellen aus Stahl, sondern aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Vorteil: Sie sind leichter und weniger wartungsintensiv. In unserem fast neuen Testwagen allerdings roch es deutlich nach Gas, wenn der Tank nicht leer war. Diese Tatsache flößt einem nicht gerade Vertrauen in die Erdgastechnik ein. Wir jedenfalls hätten Bedenken gehabt, uns im Auto eine Zigarette anzuzünden. Wie man Gas tankt Getankt wird das so genannte CNG, also Compressed Natural Gas, das im Volksmund Erdgas heißt. Derzeit gibt es deutschlandweit 534 Tankstellen für diesen Treibstoff. Die Tankmöglichkeiten im eigenen Umkreis kann man allerdings meist an einer Hand abzählen – in München gibt es gerade mal fünf Tankstellen. Hat man aber eine Erdgasquelle gefunden, so ist der Tankvorgang nicht viel schwieriger als bei flüssigem Kraftstoff. Man lässt den Tankrüssel am Stutzen einrasten, legt einen Hebel um, drückt einen Knopf an der Tanksäule, und das Erdgas strömt in den Tank. 55 Liter großer Benzintank Neben den Erdgastanks hat der Bifuel einen Benzintank; er fasst 55 Liter wie beim normalen Modell. Den Kraftstoffverbrauch des 2.0 Bifuel gibt VW mit 8,1 bis 8,2 Liter Super auf 100 Kilometer an. Im Erdgasbetrieb liegt der Verbrauch bei 6,0 Kilogramm auf 100 Kilometer.

Nur 300 Erdgas-Kilometer Die Gesamtreichweite liegt laut Hersteller bei etwa 900 Kilometern. Auf unseren Testfahrten schafften wir rund 750 Kilometer. Davon entfallen nur etwa 300 Kilometer auf das Erdgas, der Rest auf Benzin. Aufgrund der kleinen Gas-Reichweite und der geringen Tankstellendichte ist der Erdgaseinsatz also bei Langstreckenfahrten etwas unpraktisch. Aber auch wenn es bequemer ist, mit Benzin zu fahren: Der Druck auf die Umschalttaste unter dem Lenkrad lohnt sich. Bei den derzeitigen Kraftstoffpreisen ist Erdgas etwa nur halb so teuer wie Super. Und zumindest der Steueranteil am Gaspreis ist bis Ende 2020 festgeschrieben. Nebenbei tut man als Erdgasfahrer etwas für die Umwelt. Denn die Kohlendioxidemission pro gefahrenen Kilometer ist im Erdgasbetrieb um ein rundes Viertel niedriger als mit Benzin. 4.000 Euro mehr als für das Benzinmodell Der Einstiegspreis für den Golf Variant 2.0 Bifuel liegt bei 24.150 Euro. Das reine Benzinmodell ist mit 20.050 Euro runde 4.000 Euro günstiger. Um diesen Nachteil zumindest teilweise auszugleichen, fördern regionale Erdgasversorger die Anschaffung von Erdgasautos. In Südbayern beispielsweise bekommt man 400 Euro in Form von Tankgutscheinen.

Rentabel oder nicht? Um herauszufinden, ob sich die Mehraufwendung rentiert, haben wir die jährlichen Gesamtkosten für das Benzinmodell mit denen für die Bifuel-Version verglichen. Dabei verwendeten wir die CD-ROM ADAC Autokosten 2004/2005. Ergebnis: Bei 20.000 Kilometern pro Jahr und fünf Jahren Haltedauer spart man beim Bifuel nicht weniger als 600 Euro pro Jahr. Versicherung und Steuer sind bei beiden Varianten gleich hoch, und die Wartungskosten unterscheiden sich kaum – diese Faktoren können also vernachlässigt werden. Bei überdurchschnittlichen Laufleistungen lohnt sich Erdgas also. Aber wie sieht es bei Fahrern aus, die nicht so viele Kilometer fressen? Die Antwort klingt fast unglaublich: Laut ADAC-Programm rentiert sich der Erdgaseinsatz bereits ab 7.000 Kilometern jährlich. Ob die Rechnung im Einzelfall aufgeht, hängt allerdings davon ab, ob man – wie vom ADAC prognostziert – einen deutlich besseren Wiederverkaufserlös als beim Benziner erzielt.

Die einfach Rechnung Wer das Auto für die gesamte Lebensdauer behalten möchte, kann einfach die Differenz der Anschaffungspreise gegen die Differenz der Kilometerkosten rechnen. Hiernach rentiert sich die Bifuel-Anschaffung erst nach etwa 90.000 Kilometern. Aber auch so dürfte sich das Auto in den meisten Fällen amortisieren. (sl)
Technische Daten
Antrieb:Front
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Otto-Reihenmotor
Hubraum:1.984
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:85 kW (115 PS) bei UPM
Drehmoment:172 Nm bei 3.500 UPM
Fazit
Den noch auf dem Golf IV basierenden Erdgaskombi will VW bis 2006 anbieten. Für den Nachfolger sollte man in Wolfsburg überlegen, ob nicht ein Unterflursystem mit Stahlbomben günstiger wäre. Denn der Erdgasgeruch im Innenraum flößt wenig Vertrauen in die Gastechnik ein. Der 2,0-Liter-Motor überzeugt jedoch; er ist durchaus kein bloßer Sparmotor, sondern entpuppte sich als flotter Geselle. Die Mehrkosten für das Bifuel-Modell von rund 4.000 Euro amortisieren sich leicht – aber nur wenn man auch tatsächlich mit Erdgas fährt. Wegen der kleinen Erdgas-Reichweite und der immer noch geringen Tankstellendichte ist das mit etwas Mühe verbunden. . Wer neben einer Erdgas-Tankstelle wohnt oder oft an einer vorbeikommt, kann solche Bedenken vergessen. Außerdem ist der Benzintank ja groß genug, und das Erdgas-Tankstellennetz wächst ständig. (sl)

Quelle: auto-news, 2004-12-21

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