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Testbericht

Sebastian Viehmann, 17. April 2011
Außen Käfer, innen Golf: VW hat in Shanghai den Beetle enthüllt. Die Neuauflage der Neuauflage ist größer denn je und mit aktueller Technik vollgestopft. Retro ist beim Beetle nur die Optik. Die erste Sitzprobe.

Da weiß man, was man hat! So warb VW einst für den Käfer. Und das in einer Zeit, als die Heckmotor-Kultkugel technisch schon total veraltet war. „Der Käfer ist eben bis heute der große Sympathieträger der Marke“, sagt Konzernchef Martin Winterkorn. Bei der Beetle-Weltpremiere an einem Kreuzfahrtterminal in Shanghai rollt deshalb auch erst einmal „Herbie“ auf die Bühne, der berühmte Film-Käfer mit der Nummer 53.

Nach ein paar warmen Worten von Winterkorn und Volkswagens China-Chef Karl-Thomas Neumann ist es dann aber soweit: Während im Hintergrund die gigantische Skyline von Shanghai glitzert, fahren ein roter und ein weißer Beetle durch Nebelschwaden ins Rampenlicht. Da ist sie, die neue Kultkugel. Das jedenfalls soll sie werden, wenn es nach VW geht. Der erste New Beetle, der 1998 vorgestellt wurde, fand sich in den Zulassungsstatistiken ja zuletzt unter ferner liefen wieder. Jetzt heißt das Auto, das eigentlich die Neuauflage der Neuauflage ist, nur noch Beetle, ganz ohne New.

Der neue Beetle behält seine Kulleraugen-Scheinwerfer und die Haube im Käfer-Stil. Doch da enden die Gemeinsamkeiten mit dem Vorgänger New Beetle schon. Den konnte man mit drei Halbkreisen skizzieren – Kotflügel vorn, Kotflügel hinten und darüber ein Kuppeldach. Jetzt verläuft die Dachlinie viel flacher, im hinteren Bereich erinnert die Silhouette des Autos tatsächlich an den Ur-Käfer. Unter dem Stoßfänger gibt es einen breiten Lufteinlass, die Rückleuchten haben ihre Kreisform verloren und sind größer geworden. „Der Wagen ist nicht nur flacher, sondern auch erheblich breiter. Die Motorhaube ist länger, die zurückgesetzte Frontscheibe wesentlich steiler. Das alles führt zu einer neuen Dynamik“, sagt VW-Designchef Klaus Bischoff. Um das zu unterstreichen, haben die Designer dem Sport-Modell sogar einen Heckspoiler verpasst. Wie ein Porsche sieht der Beetle damit trotzdem nicht aus – er wirkt jetzt kräftiger, aber immer noch gemütlich.

Der neue Beetle ist fast 4,3 Meter lang (plus 15 Zentimeter im Vergleich zum Vorgänger), 1,8 Meter breit (plus 8,4 Zentimeter) und 1,48 Meter hoch (minus 1,2 Zentimeter). Spurweite und Radstand sind gewachsen, damit gibt es mehr Platz im Fond. Das Kofferraumvolumen steigt um fast 100 Liter von 209 auf 310 Liter. Im Cockpit des Beetle steckt eine Menge Golf, also Großserientechnik aus dem VW-Baukasten. Doch die erste Sitzprobe zeigt: Ein bisschen Retro darf es dann doch sein. Als Reminiszenz an den Käfer geht die Frontblende der Instrumententafel durch, die je nach Ausstattung in Wagenfarbe lackiert ist. Vor dem Fahrer bauen sich Drehzahlmesser, Tacho und Tankuhr auf, das Lenkrad wurde speziell für den Beetle kreiert. Optional gibt es Zusatzinstrumente sowie ein Navigationssystem mit großem Bildschirm. Zusätzlich zum normalen Handschuhfach wartet ein kleines Fach in der Frontblende. Auch hier lässt der alte Käfer grüßen, wenn auch sehr dezent.

Der Beetle ist in den Ausstattungen „Beetle“, „Design“ und „Sport“ zu haben. Zur Sonderausstattung zählen Dinge wie LED-Tagfahrleuchten und Bi-Xenon-Scheinwerfer, zwei verschiedene Navigationssysteme, ein 400 Watt-Soundsystem, Keyless Access (schlüsselloses Öffnen und Starten) sowie das im Vergleich zum Vorgänger um 80 Prozent vergrößerte Panorama-Glasschiebedach. Serienmäßig sind unter anderem ein CD-Radio, ESP und sechs Airbags an Bord.

Auch unter der Haube hat der Beetle bekannte VW-Kost zu bieten. Die Palette reicht von 77 kW / 105 PS bis 147 kW / 200 PS, alle Motoren sind Vierzylinder mit Turboaufladung. Es warten drei TSI-Benziner mit 105, 160 oder 200 PS, dazu kommt 1.6 TDI mit 105 oder 140 PS. Der sparsamste Beetle mit 105 PS verbraucht im Schnitt 4,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer (Werksangabe). Der ebenfalls 105 PS starke Basisbenziner 1.2 TSI verbraucht 5,5 Liter im Schnitt und ist wie der 1.6 TDI mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet.

Zum kleinen Raketen-Käfer mutiert der Wagen mit 200 PS (Durchschnittsverbrauch 7,4 Liter, Höchstgeschwindigkeit 225 Km/h). Ebenso wie der 160 PS-Benziner kommt die Top-Version mit einer elektronischen Differenzialsperre daher, die die Traktion verbessert. Ähnlich wie beim Jetta gibt es für den Beetle schließlich noch drei für den US-Markt bestimmte Motoren, die in Europa nicht erhältlich sind.

Auch wenn der Beetle von Grund auf modernisiert wurde - der Kultstatus des Käfers fährt immer noch mit. Was hat dieses Auto nicht alles für Spitznamen bekommen: Vocho, Coccinelle, Fusca, Maggiolino. In den USA verpasste man dem ersten Käfer zuerst den wenig schmeichelhaften Beinamen „Bug“ (Insekt, Wanze). Später wurde die nettere Bezeichnung Beetle daraus, denn die Amerikaner hatten den Wagen schnell lieb gewonnen. Von 21,5 Millionen weltweit verkauften Käfern wurden fast fünf Millionen in die USA exportiert. Weder der 1998 eingeführte New Beetle noch der Golf konnten dort diesen Erfolg auch nur ansatzweise wiederholen. Der neue Beetle soll aber nicht nur den schwierigen US-Markt erobern, sondern die ganze Welt. Im September startet er in den USA, einen Monat später in Europa, 2012 folgen Asien und Südamerika.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: press-inform, 2011-04-17

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