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Testbericht

Sebastian Viehmann, 1. März 2011
Vom unbezahlbaren Supersportler bis zur Neuauflage des Samba-Bullis: VW packt in Genf einen großen Koffer aus. Ganz oben liegt eine Extraportion Selbstbewusstsein. Es wird geklotzt, dass die Wände wackeln.

„Spitze 350 Km/h, von 0 auf 100 in 2,9 Sekunden“. Mehr muss Lamborghini-Präsident Stephan Winkelmann zum neuen Aventador eigentlich gar nicht sagen. Viel mehr Zeit bleibt auch nicht, denn kurz nachdem der grell orangene Murciélago-Nachfolger auf die Bühne gerast ist, kommt schon das nächste Modell. VWs Premierenshow am Vorabend des Genfer Salons ist wie üblich gerappelt voll. Jedes Auto wird von einer spektakulären Akrobaten-Show begleitet. Kameraleute drängen sich auf den Emporen, und Reporter prügeln sich um die Pressemappen, als würden Goldbarren verteilt.

Dem echten Aventador hätte diese Show vielleicht gefallen: Der Namensgeber des scharfkantigen und 700 PS starken Supersportwagens war ein berühmter Kampfstier. Die Halle Espace Sécheron in Genf wird denn auch zur VW-Arena, in der die Wolfsburger ihre Kämpfer durch die Manege führten. Nur die Starken überleben. VW gehört zweifellos dazu.

So geht der bunte Marken-Reigen weiter. Nicht nur bei Lamborghini, auch bei Bentley dreht sich alles um Geschwindigkeit. Begleitet von Tänzern in weißer Antarktis-Montur wird die Bühne vernebelt, hinter einer künstlichen Eiswand erscheint ein schwarzes Continental Supersports Convertible. Der Zwölfzylinder-Bolide stellte kürzlich einen Weltrekord auf Eis auf, als er mit 330 Km/h über die zugefrorene Ostsee raste. Aus diesem Anlass bringt Bentley ein auf 100 Exemplare limitiertes Sondermodell des Continental namens „Ice Speed Record“ auf den Markt.

Bei Seat darf wieder geträumt werden, diesmal von einem kompakten SUV namens IBX. Ob aus der Studie jemals ein Serienmodell wird, bleibt abzuwarten, aber Seat-Chef James Muir macht schon mal eine klare Ansage: „Die Designsprache des IBX werden Sie künftig in all unseren Modellen wiederfinden.“ Skoda zeigt derweil mit der Studie VisionD, wie ein neues Modell der Tschechen aussehen könnte. Die Mischung aus kühler Eleganz und Sportlichkeit harmoniert allerdings nicht so ganz mit dem Fließheck samt XXL-Heckscheibe.

Ein lang erwarteter Höhepunkt des Abends ist die Studie „Tex“ der Designschmiede Italdesign Giugiaro. Die wurde bekanntlich vom Volkswagenkonzern geschluckt. Giorgetto Giugiaro und VWs Designchef Walter de Silva spielen sich auf der Bühne brav die Bälle zu und beglücken das Publikum mit der Information, dass sie bei der Arbeit italienisch miteinander reden. Der Scirocco-Verschnitt Tex kommt übrigens wirklich italienisch daher. Er hat an der Front und an der Seitenlinie ein bisschen was von Alfa Romeo – so als wollte VW sagen: Falls uns Sergio Marchionne doch noch Alfa verkauft, haben wir schon mal das passende Auto.

Eine zweite Giugiaro-Studie gibt es erst auf dem Autosalon zu sehen, und das gilt auch für andere Neuheiten des Konzerns. Weder der Audi A3 Concept noch das Golf Cabriolet wurden auf dem VW-Abend enthüllt. Die Ingolstädter hatten als Trostpflaster nur den Audi TTS Urban Mobility dabei. Der Forschungsträger soll ohne Fahrer vollautomatisch durch die Stadt flitzen.

Das Thema alternative Antriebe spielt für den Multi-Marken-Konzern natürlich auch eine Rolle in Genf. Zwar gibt es noch immer keine elektrischen Serienmodelle wie bei Chevrolet oder Nissan, und die Hybridpalette bleibt vorerst den Besserverdienenden vorbehalten. Das beste Beispiel dafür ist der Porsche Panamera S Hybrid. Doch es gibt einen netten Ausblick auf VWs elektrische Zukunft - Serienfertigung freilich ohne Gewähr: Der „neue Bulli“ ist ein Konzeptfahrzeug, das durch seine Zweifarblackierung und die kompakten Abmessungen an den berühmten Samba-Bus auf Basis des T1-Bullis erinnert.Statt kleiner schräger Dachfensterchen hat die knapp vier Meter lange Studie ein großes Panorama-Dach. An der Mittelkonsole prangt keine Blumenvase mehr, sondern ein herausnehmbares iPad als Multifunktionsbildschirm. Heckantrieb ist natürlich auch passé, beim neuen Bulli wird die Vorderachse angetrieben – rein elektrisch. Der Motor leistet 85 kW, mit seiner Lithium-Ionen-Batterie soll der Minivan bis zu 300 Kilometer weit fahren können.

„Dieser Konzern lebt von der Strahlkraft seiner Marken“, so VW-Chef Martin Winterkorn am Ende der Show. Und das tut das Unternehmen samt seiner Aktionäre nicht schlecht, wie 2010 ein operativer Gewinn von 7,1 Milliarden Euro bewies – viermal soviel wie 2009. Die unsichere Stimmung der letzten Jahre, in der sich Autobauer bei jeder Veranstaltung für ihr Produkt mit guten Vorsätzen und Umwelt-Reden zu rechtfertigen schienen, ist wie weggeblasen. Winterkorn lässt keinen Zweifel daran, dass er sich auf der Zielgeraden zum Jahr 2018 wähnt. Dann will er Toyota die Krone für den weltweit größten Autobauer vom Haupt reißen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-03-01

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