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Testbericht

28. Juli 2014
Hamburg, 28. Juli 2014 - Volvo hat hierzulande einen Dieselanteil von über 90 Prozent. Man hätte die Benzinerseite der neuen modularen Drive-E-Motoren demnach auch schlicht weglassen können. Hätte doch eh keiner gemerkt. Nun, ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Schließlich haben die Menschen in den USA oder in China wenig Lust auf nagelnde Selbstzünder. Und spätestens wenn der weltweite Hoffnungsträger XC90 im Frühjahr 2015 auf den Markt kommt, wird es sich als sehr nützlich erweisen, dass man die alten Benziner-Saufbolde mit fünf und sechs Zylindern durch topmoderne Turbo-Vierzylinder ersetzt hat. Schwer aber schnell Der Kleinste im Schweden-Programm profitiert nun auch von den Neuerungen. Denn im V40-Topmodell T5 schlägt jetzt ebenfalls ein Drive-E-Herz. Es verfügt - wie nicht anders zu erwarten - über zwei Liter Hubraum und ersetzt den Fünfzylinder-Turbo mit 256 PS. Seine 245 PS und 350 Newtonmeter gehen per Achtgang-Automatik ausschließlich an die Vorderräder. Klingt ziemlich ordentlich und beschleunigt den mit 1.583 Kilo reichlich properen V40 auch entsprechend. In 6,3 Sekunden gelingt der Sprint von null auf 100 km/h, Schluss ist erst bei Tempo 240. Direkt nach dem Start und bei niedrigen Drehzahlen stellt sich auch beim neuen T5 ein Phänomen ein, das so viele moderne Direkteinspritzer teilen - er klingt wie ein Diesel. Ein lauter Diesel. Glücklicherweise verschwindet das unangenehme Nageln recht flott und mutiert im weiteren Drehzahlverlauf zu einer herrlichen Ruhe, wie man sie nur selten findet. Sportlicher eingestellte Naturen würden dagegenhalten, dass er einfach nach gar nichts klingt. Sei`s drum. Kräftig und geschmeidig Das Ansprechverhalten des T5 ist für einen Turbo-Benziner relativ anständig. Richtig wach ist er ab etwa 2.700 Touren, von wo aus er kräftig, aber durchaus geschmeidig bis zur roten Linie durchzieht. Die neue Achtgang-Geartronic macht einen vernünftigen Eindruck, kann aber in punkto Gangmanagement und Geschwindigkeit nicht mit den besten Auto-Boxen, etwa von Audi oder BMW, mithalten. Nichtsdestotrotz ist der V40 T5 ein richtig schnelles Auto, das vor allem mit der Mühelosigkeit seiner Leistungsentfaltung beeindruckt. Die Antriebseinheit wird dem Premiumanspruch der Marke also durchaus gerecht.
Normverbauch wohl nur schwer zu erreichen Allerdings erschließt sich die bahnbrechende Sparsamkeit des neuen Drive-E-Aggregats, mit der Volvo in jedem zweiten Halbsatz wirbt, nur bedingt. 5,9 Liter Normverbrauch sind ein kühnes Versprechen. Nach einem (zugegeben) ziemlich virtuosen Autobahnritt und einigen Kilometern Hamburger Innenstadt-Chaos waren es laut Bordcomputer eher zehn Liter. Ein Alltags-Verbrauch um die sieben bis acht Liter erscheint also realistisch. Sportfahrwerk erfordert Nehmerqualitäten Was die Fahrdynamik angeht, ist der V40 T5 ein zweischneidiges Schwert. Das liegt weniger am V40 T5, sondern vielmehr am 450 Euro teuren Sportfahrwerk, welches unserem Testwagen mit auf den Weg gegeben wurde. Das Setup lässt den V40 hoppeln wie einen Hasen auf der Flucht, ändert aber nichts an seinem ansonsten recht gediegenen Wesen. Mit der leichtgängigen, elektronisch unterstützten Lenkung und der frühen Neigung zum Untersteuern fährt man zwar akkurat, zielgenau und sicher, aber niemals richtig sportlich. Am besten lässt man das Kreuzchen beim Sportfahrwerk also einfach weg und freut sich dann umso mehr auf ein sehr erwachsenes, in sich ruhendes Fahrverhalten. Schön aber umständlich Auch der Innenraum unseres V40 T5 ist ein Ort, an dem man es sich durchaus gut gehen lassen kann. Das Gestühl ist famos und mit dem optionalen R-Design-Paket (je nach Ausstattungslevel zwischen 1.650 und 2.600 Euro) hält sachliche Sportlichkeit Einzug. Mit allerlei Paketen in Bezug auf Infotainment- und Assistenzsysteme kann man den V40 natürlich auch zur bestens vernetzten Mega-Trutzburg machen, leider fällt das Auto aber bei der Bedienung ein wenig hinter den besten deutschen Konkurrenten zurück. Es gibt ganze Horden an Untermenüs, durch die man sich für teils einfachste Befehle hindurch klicken muss und auch das Navi wirkt nicht so edel, wie im BMW 1er oder dem Golf 7.
Preislich auch Premium Und so bleibt der Volvo V40 T5 am Ende ein gutes Auto (dem immer ein klein wenig zu Audi, BMW, Mercedes oder VW fehlt) mit einem klasse Motor, den kaum jemand kaufen wird (sie wissen schon, 90 Prozent Dieselanteil). Sollten Sie einer dieser "Kaum Jemands" sein: Der V40 T5 startet bei 33.680 Euro. In der von uns gefahrenen Ausstattung Momentum werden mindestens 35.180 Euro fällig. Unser Testwagen summierte sich - mit so ziemlich allem, was die Aufpreisliste hergibt - auf 48.165 Euro. Das hört sich happig an, liegt aber auf Augenhöhe mit der durch die Bank schwächeren deutschen Premium-Konkurrenz. Zum Vergleich: Den 218 PS starken BMW 125i Fünftürer mit Achtgang-Automatik gibt es ab 33.100 Euro, der Mercedes A 250 mit Siebengang-Doppelkupplung und 211 PS kostet mindestens 34.153 Euro.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Reihen-Vierzylinder, Turbolader
Hubraum:1.969
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:180 kW (245 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 1.500-4.800 UPM
Preis
Neupreis: 33.680 € (Stand: Juli 2014)
Fazit
Der neue Drive-E-Zweiliter-Vierzylinder-Turbo macht den Volvo V40 T5 zu einem schnellen, souveränen und laufruhigen Premium-Kompakten. Auch mit 245 PS ist er aber mehr der Gleiter mit Reserven als ein echter Kurvenräuber. Das schwer erklärbare Gefühl, dass ein kleines Quäntchen zur deutschen Konkurrenz fehlt, bleibt bestehen. + durchzugsstarker Motor, optisch ansprechend (innen und außen), beeindruckende Sicherheitsausstattung - Sportfahrwerk zu hart, Handling ausbaufähig, Bedienung teils verwirrend
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2014-07-28

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