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Testbericht

Sebastian Viehmann, 26. September 2008
Schon 2012 könnte der EU-Grenzwert beim CO2-Flottenschnitt 120 Gramm pro Kilometer lauten. Selbst kleine Hersteller müssen deshalb Spritspar-Techniken entwickeln. Kia setzt auf Start-Stopp und Hybrid.

Eigentlich lernt man das ja schon in der Fahrschule: Bei längerem Halt an der Ampel bitte Motor abstellen und Benzin sparen. Doch meistens lässt man es aus Bequemlichkeit sein. Abhilfe schaffen Systeme zur automatischen Motorabschaltung. Bei BMW (1er und 3er) sowie Mercedes (A- und B-Klasse) gibt es bereits Spritsparpakete inklusive Start-Stopp-Technik. Bei Kia stehen Modelle mit Start-Stopp-Technik ab 2009 beim Händler.

Die Kompaktklassekönige Ford, Opel oder VW haben Start-Stopp-Technik bislang nicht zu bieten. Dabei gab es im Volkswagen-Konzern schon Anfang der 80er Jahre Systeme zur Motorabschaltung. Wolfsburg baut beim BlueMotion-Konzept stattdessen auf Gewichtseinsparung, Leichtlaufreifen, verbesserte Aerodynamik oder eine geänderte Getriebeübersetzung. Ford setzt bei Fahrzeugen wie dem Fiesta Econetic aufs gleiche Pferd, ebenso Opel mit seinen Ecoflex-Modellen. Bei Kia macht der Cee’d ISG mit 1,4-Liter Benzinmotor den Anfang. Das System werde ungefähr 600 Euro Aufpreis kosten, heißt es. Die genauen Zahlen stehen noch nicht fest. Die Koreaner wollen erst antesten, ob die Kunden bereit sind, in der Kompaktklasse für Spritspartechniken mehr Geld auf den Tisch zu legen. Bei BMW und Mercedes kostet die Start-Stopp-Automatik keinen Aufpreis.

Kias System heißt ISG (Idle Stop & Go). Es schaltet den Motor ab, wenn der Wagen langsamer wird als 4 km/h. Voraussetzung dafür ist, dass die Batterie mindestens 75% ihrer maximalen Ladung zur Verfügung hat. Wenn im Winter der Motor kalt ist und viele Verbraucher wie Licht oder Heizung ihren Stromanteil vom Bordnetz fordern, schaltet die Elektronik das System erst einmal ab. Ähnlich arbeiten auch die Start-Stopp-Systeme anderer Hersteller. Auf einer ersten Testfahrt im Cee’d ISG mit dem 109 PS starken 1,4-Liter Motor hinterließ das System einen positiven Eindruck. Das automatische An- und Abschalten des Motors geht fast unbemerkt vonstatten und erweist sich im City-Betrieb nicht als störend. Wenn man vor dem Anfahren die Kupplung tritt, springt der Motor wieder an, bevor man den ersten Gang eingelegt hat. Man muss sich allerdings daran gewöhnen, immer kurz vor dem Halten den Ganghebel in den Leerlauf zu bringen und auszukuppeln.

Mit Start-Stopp schluckt der Kia Cee’d laut Herstellerangaben bis zu 15% weniger Benzin. Knapp über fünf Liter Verbrauch und ein CO2-Ausstoß um die 140 Gramm pro Kilometer sollten dann im Durchschnitt drin sein - was für die ehrgeizigen Pläne aus Brüssel allerdings noch längst nicht ausreicht. Während der kleine Autobauer Kia vielen großen Konkurrenzunternehmen in Sachen Start-Stopp eine Nasenlänge voraus ist, gibt es bei Hybridfahrzeugen noch keinen Termin für die Serienreife. Der Cee’d Hybrid ist mit einem 1,6 Liter großen Benzinmotor und einem 15 Kilowatt starken Elektromotor bestückt. Die Gesamtleistung des Wagens beträgt 140 PS. Der Cee’d ist ein Mild Hybrid, kann also nicht rein elektrisch fahren – der Elektromotor unterstützt nur das Benzinaggregat. Der Verbrauch soll so um immerhin ein Viertel sinken.

Bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes ihrer Fahrzeugflotten machen die Autohersteller unterschiedliche Fortschritte. Das britische Internetmagazin Clean Green Cars veröffentlichte vor kurzem eine Statistik, die die CO2-Flottenemissionen im ersten Halbjahr 2008 mit denen im gleichen Zeitraum 2007 vergleicht. Die größten Fortschritte erzielten demnach Jeep (etwa 17% Verbesserung), Subaru (14%) und BMW (11%). Zu den Verlieren zählten laut Clean Green Cars unter anderem Dodge und Chevrolet – deren Flottenemissionen stiegen sogar an. Bei den absoluten Zahlen des durchschnittlichen CO2-Ausstoßes liegt Fiat als umweltfreundlichste Marke an der Spitze, dicht gefolgt von Mini und Peugeot.

Den von der EU für 2012 geplanten CO2-Grenzwert für PKW von durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer erreicht bislang noch keiner der Hersteller - der aktuelle Durchschnitt liegt EU-weit bei rund 160 Gramm. Dabei sind keineswegs nur deutsche Autobauer die Buhmänner – Ford, Volkswagen und BMW etwa stehen beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Flotten noch ganz passabel da. Viele Hersteller müssen sich denn auf Strafzahlungen an Brüssel einstellen. Für den Endkunden heißt das: So manche Autos dürften empfindlich teurer werden.
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Quelle: Autoplenum, 2008-09-26

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