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Testbericht

Sebastian Viehmann, 19. März 2010
Retro-Musclecars wie Dodge Challenger und Chevrolet Camaro erfreuen sich großer Beliebtheit. Jetzt aber entsteht eine echte V8-Ikone als Nachbau neu: Der Shelby Mustang GT 500 mit bis zu 780 PS.

Detroit hatte es nicht leicht in letzter Zeit. Absatzeinbruch, Insolvenzen, Markensterben – würde nicht Toyotas unendliche Gaspedal-Geschichte gerade die Schlagzeilen beherrschen und auch weidlich ausgeschlachtet werden, kämen die US-Autobauer wohl gar nicht mehr aus dem Tal der Verlierer heraus. Wie zum Trotz schicken die „Big Three“ selbst vier Jahrzehnte nach dem großen Sterben der Muscle Cars – schärfere Abgasbestimmungen, horrende Versicherungsprämien und hohe Spritpreise machten den V8-Monstern damals den Garaus – mehr Retro-Boliden denn je auf die Straße. Ford hat den Mustang, Dodge den Challenger und Chevrolet den Camaro.

Die Autos haben ihre Fans, doch es bleiben eben Retro-Modelle, die den Originalen wohl nie den Rang ablaufen können. So bleiben die Preise für die echten Muscle Cars aus den späten 60er und frühen 70er Jahren trotz Wirtschaftskrise auf Rekordniveau. Und wer einen originalen Shelby GT 500 aus dem Jahr 1967 sein Eigen nennt, der besitzt so etwas wie die Blaue Mauritius der Hubraum-Sammler.

Nun bekommen Freunde des verbrannten Gummis eine zweite Chance. Das Unternehmen Classic Recreations aus Oklahoma bringt den Über-Shelby wieder auf die Straße. Optisch entspricht der Wagen dem Original, doch Firmengründer Jason Engel lässt modernere Technik unter die Karosse stopfen. Angetrieben wird der Wagen, der mit dem offiziellen Segen des mittlerweile 87-jährigen Mustang-Tuners Carroll Shelby entsteht, von einem sieben Liter großen V8-Motor mit 545 PS. Eine per Kompressor aufgeladene Hochleistungs-Version wird sogar 780 PS auf die Straße bringen.

Ein Sperrdifferenzial und ein verstärktes Fahrwerk mit Stabilisatoren sowie üppig dimensionierte Bremsen sollen das V8-Monster in Zaum halten. Optional gibt es eine Lachgaseinspritzung, die 150 Extra-Pferde beisteuert – „The Fast and the Furious“ lässt grüßen. Im Cockpit geht es abgesehen von den modernen Sportsitzen ganz klassisch zu, das Holzlenkrad, der gebogene Schalthebel und das Armaturenbrett mit viel gebürstetem Aluminium versprühen den Charme der 60er.

Gebaut werden die Fahrzeuge in Oklahoma, und zwar nur auf Vorbestellung und in Handarbeit. Vier Monate und 2500 Arbeitsstunden werden pro Exemplar benötigt. „Jeder Wagen wird von der Shelby-Fabrik überprüft und abgenommen, und wir verwenden ausschließlich Shelby-Teile“, sagt Classic Recreations-Sprecherin Elana Scherr. Das Top-Modell kostet umgerechnet rund 146.000 Euro. Verkauft werden die Shelbys von Händlern in den USA, in Australien, in England und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Auch wenn die Nachbauten ins offizielle Shelby-Register eingetragen werden und damit quasi den Ritterschlag erhalten, dürften die originalen GT 500 aus den 60ern bei Sammlern weiter hoch im Kurs stehen. Rund 2050 Exemplare wurden damals gebaut, alle basierten auf dem 67er Ford Mustang. Berühmtheit erlangte ein modifizierter GT 500 durch den Film „Nur noch 60 Sekunden“ mit Nicholas Cage. In dem Streifen muss eine Autoknacker-Bande in einer einzigen Nacht 50 Edel-Karossen stehlen, und der Shelby namens „Eleanor“ ist der letzte.

Der GT 500 war nicht der erste Mustang, dem der Viehzüchter, Rennfahrer und Tuning-Papst Carrol Shelby auf die Sprünge half. Schon 1965 kreierte er den Shelby GT 350. Vierfachvergaser, schärfere Nockenwellen, Auspuff-Fächerkrümmer sowie eine verstärkte Hinterachse aus dem Ford Galaxie machten aus dem eher braven Ponycar eine kraftstrotzende Fahrmaschine. Statt der serienmäßigen 271 PS entließ der GT 350 mehr als 300 Pferde auf die Asphalt-Weide. Der Wagen war im Rennsport erfolgreich und wurde mit einer schwarz-goldenen Lackierung und dem Zusatz „H“ sogar vom Autovermieter Hertz an amerikanischen Flughäfen vermietet. Hertz zog die Autos allerdings schnell zurück, als bekannt wurde, dass manche Leute mit den Mietwagen Rennen fuhren.

Da der Ford Mustang im Jahr 1967 deutlich größer und schwerer wurde, hatte auch der neue Shelby nicht mehr viel mit seinem leichtfüßigen Vorgänger gemein. Den 67er Shelby mit der Fiberglas-Haube und den großen zentralen Zusatzscheinwerfern gab es auch in einer GT 350-Version mit 306 PS, doch vor allem der GT 500 mit einer Leistung bis zu 400 PS und sieben Litern Hubraum zog sich die Bewunderung der PS-Fetischisten zu. Dass die Neuauflage nun GT 500 CR heißt, liegt zum einen an den Anfangsbuchstaben der Firma Classic Recreations, doch es ist wohl auch als Wortspiel gedacht: Eine spezielle Version des Shelbys, die 1968 mit dem Cobra Jet-V8 von Ford ausgerüstet wurde, bezeichnete man damals als GT 500 KR. Die Buchstaben standen für „King of the Road“ – König der Straße.
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Quelle: Autoplenum, 2010-03-19

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