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Testbericht

Marcel Sommer, 3. September 2014
Mit dem neuen Twingo bringt Renault einen flinken Hecktriebler auf den Markt. Baugleich mit dem Smart forfour geht er im Kleinwagensegment auf Kundenfang.

Der Geldbeutel ist klein, die eigene Familie noch nicht geplant und das Surfbrett knapp über zwei Meter lang? Sollte sich dann noch ein zweites X im Chromosomensatz befinden, sind die Voraussetzungen für eine zukünftige Renault Twingobesitzerin perfekt. Denn mit dem neuen Kleinstwagen des französischen Herstellers mit der Raute auf der Nase steht in Kürze das passende Modell beim Händler. Der Einstiegspreis in die Welt der neuen Twingos beträgt mit 9.590 Euro knapp 2.000 Euro weniger als für den baugleichen Smart forfour. Die Konkurrenten Toyota Aygo und Citroen C1 spielen hingegen in derselben Preisklasse, wie auch der neue Twingo. Das getestete Topmodell mit 90 statt 70 PS in der höchsten der drei Ausstattungsvarianten kostet ab 13.590 Euro.

Der schon in die dritte Generation fahrende Twingo ist dabei alles andere als ein schnöder, auf modern getrimmter Nachfolger. Er ist mehr. Denn schon allein die Tatsache, dass derjenige, der einen Blick unter seine Motorhaube werfen will, an den Hintern des 3,60 Meter langen Autos geführt wird, macht neugierig. Neugierig auf ein Heckmotor- und Heckantriebskonzept, das er sich mit seinem Kooperationsbruder Smart teilt und im slowenischen Werk in Novo Mesto auf die bis zu 16 Zoll großen Räder gestellt wird.

Einen Blick in den hinten liegenden Motorraum gewährt der kleine Franzose aber nur demjenigen, der bereit ist, sechs Schrauben per Hand zu lösen. Die Tatsache, dass das Antriebsaggregat zwischen den Hinterrädern platziert ist, sorgt gleichzeitig für eine leicht erhöhte Ladekante. Trotz allem verfügt der Twingo über 219 bis 980 Liter Stauraum, der zugleich auch einen bis zu 2,30 Meter langen Gegenstand schlucken kann. Am zu erwartenden Fahrspaß ändert dies nichts. Mit dem 90 PS starken Cityflitzer ist Renault ein richtig fideles Automobil gelungen. Dank seines bis zu 45 Grad messenden Radeinschlagwinkels schafft er einen Wendekreis von 8,60 Meter. Allerdings muss das Fahren mit einem solch stark einlenkenden Fahrzeug erst einmal gelernt werden. Viel zu schnell kommt die ansonsten mit vollem Lenkradeinschlag umkurvte Laterne in die Nähe der hinteren Tür.

Hintere Tür? Ja, denn der neue Twingo verfügt erstmals und ausschließlich über vier Türen. So lassen sich zwar die hinteren beiden Plätze schneller besetzen. Mehr Platz gibt es dahinten aber dennoch nicht. Ganz im Gegenteil. Hühner auf einer Stange haben mehr Beinfreiheit - und das, obwohl der Radstand im Vergleich zum Vorgänger um 13 Zentimeter angewachsen ist. Interessant ist an dieser Stelle, dass der rund eine Tonne schwere Zwerg insgesamt um zehn Zentimeter geschrumpft ist. Zum Fußballtraining und zurück reicht es aber natürlich allemal - solange der Minderjährige Sohn und nicht der Ehemann auf der Rückbank zum Bolzen gefahren werden muss.

Der 0,9 Liter kleine Reihenvierzylindermotor mit 135 Newtonmeter trägt während der Trainingsfahrt aber auch ein wenig dazu bei, dass die Mundwinkel des Fahrers nicht gen Boden sinken. Unaufgeregt und im hohen Drehzahlfenster agil genug lässt es sich mit ihm in jedem seiner fünf Gänge ausreichend im Verkehr mitfahren. Und auch kurze Überholmanöver wesentlich langsamerer Verkehrsteilnehmer stellen auf der Landstraße keine Probleme dar. Die Motorengeräusche bleiben stets zurückhaltend. Sie werden sogar ab Tempo 80 von den Windgeräuschen, die an der A-Säule entstehen, übertönt. Bei zurückhaltender Fahrweise, die mit dem 165 Kilometer pro Stunde schnellen Twingo zum Alltag gehören sollte, lassen sich mit ihm über 800 Kilometer am Stück zurücklegen. Der Spritverbrauch von 4,3 Litern auf 100 Kilometern kann sich sehen lassen. Die Sprintzeit von 10,8 Sekunden ist auch nicht zu verachten.

Nicht so gut wie seine Fahrdynamik kommen die Sitze des Franzosen weg. Weder Seitenhalt noch ausreichend Beinauflage sorgen schon auf kurzen Strecken für schlechte Laune. Hinzu kommt, dass die sehr harten Polstersitze mit integrierter Kopfstütze schlicht unbequem sind. Was wiederum sehr schade ist, da der Rest des Autos einen mehr als nur ordentlichen Eindruck hinterlässt. Die Armaturen sind gut ablesbar, das Navigationssystem mit großen Touchscreen und guter Smartphone-Kompatibilität lässt sich intuitiv bedienen und die Wendigkeit sucht ihresgleichen. Zudem finden sich im farblich individualisierbaren Interieur viele Ablagen und Flaschenhalter. Sogar unter der Fondsitzbank befindet sich ein 29 Liter großes Fach. Mit dem neuen Twingo braucht sich Renault nicht hinter seinem Kooperationspartner Smart verstecken. Dank des Preisvorteils von fast 2.000 Euro ist der Franzose mehr als nur eine interessante Alternative.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-09-03

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