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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 24. Februar 2020

Renault präsentiert mit dem Twingo Z.E. ein weiteres Elektromodell. Doch der Stromer ist kein Klon des Smart Forfour und offenbart ganz nebenbei, wie die Franzosen ihre Elektromobilität-Strategie aufziehen.

Das Erste, was einem beim Anblick des Renault Twingo einfällt, ist: Unspektakulär. Und das ist bei einem Elektrofahrzeug, bei dem es hauptsächlich um Praktikabilität und Effizienz geht, kein Nachteil. Die Franzosen nennen ihr jüngstes Produkt "Super City Car" - damit ist eigentlich alles gesagt, was der kleine Stromer können soll. Bei dieser Stellenbeschreibung liegt es nahe, dass der Wagen viel Technik vom Zoe bekommt. Grundsätzlich basiert der R80-Elektromotor auf dem des Zoe, baut aber kürzer, damit er in den knapp bemessenen Bauraum passt. Die Leistungselektronik ist zum Beispiel moderner und der Rotor ist aufgrund der kompakten Bauweise des Aggregats verändert. "Wir haben den Motor für den Twingo entwickelt. Er ist auch moderner, als der des Smart EQ. Die Technik ist ausgereifter", erklärt Techniker Sébastien Michel.

Das Aggregat leistet 60 kW / 82 PS und hat ein maximales Drehmoment von 160 Nm. Damit erreicht der Twingo Z E nach 4,2 Sekunden 50 km/h und ist bis zu 135 km/h schnell. Gut genug für die Stadt und die Autobahn. Doch dieser Twingo ist für die Ballungsräume gemacht, deswegen reicht auch die 21,3 Kilowattstundenbatterie für eine Distanz von 180 Kilometern (WLTP) beziehungsweise 250 km (WLTP City). "Im Eco Fahrprogramm schaffen wir auch 215 Kilometer", plaudert Michel aus dem Nähkästchen. Rekuperiert wird in drei Stufen, die über den Ganghebel angewählt werden. Innerhalb von 30 Minuten kann man für 80 Kilometer Strom in die Lithium-Ionen-Batterie pumpen, falls der Twingo Z E an einer 22 kW Ladestation hängt. An einer 2,3 kW Haushaltssteckdose (230 Volt / 10 Ampere / 1-phasig) dauert es von 0 bis 100 Prozent 13:30 Stunden, an einer 7,4 kW Wallbox (230 Volt / 32 Ampere / 1-phasig) vier Stunden und an einer elf kW Ladesäule (400 Volt / 16 Ampere / 3-phasig) von 0 bis 80 Prozent 2:10 Stunden.

Durch die Wasserkühlung wird die kompakte Bauweise der Akkus möglich gemacht. Die Architektur des Twingo ist für dieses in erster Linie urbane Anforderungsprofil ausgelegt. Die Franzosen verzetteln sich nicht in hochkomplexen Baukästen, sondern konzentrieren sich auf die Sachen, die sie für kundenrelevant halten. Nur so kann man bei einem Elektromobil einen wettbewerbsfähigen Preis erreichen, über den sich die Franzosen noch ausschweigen. Schaut man sich bei der Konkurrenz, wie den Skoda Citigo e iV um dürfte der Twingo Z E etwa 21.000 Euro kosten -eher weniger Wie der Kampfpreis genau ausfällt, wird sich gegen Ende des Jahres herausstellen, wenn der Twingo Z E beim Händler steht.

Türablage sind nicht wirklich solide - Letztere haben sie sogar mit einer Verstrebung versteift. Die Fixierschraube im hinteren Becherhalter ist nicht verkleidet, ein Cent-Spar-Trick, der auch bei günstigen Renaults für harte Preiskampfmärkte wirkt. Das hinten nicht viel Platz ist, versteht sich bei einer Länge von 3,62 Metern fast von selbst. Wenn man die Lehnen der Rücksitzbank umlegt, vergrößert sich das Kofferraumvolumen von 240 auf 980 Liter. Macht man das Gleiche mit der Beifahrerlehne, kann man Gegenstände bis zu einer Länge von 2,31 Metern verstauen. Vorne sitzt man vernünftig und blickt auf ein klassisches Renault-Cockpit mit digitalen Instrumenten und einem sieben Zoll Touchscreen. Immerhin gibt es einen Spurverlassenswarnung, eine Rückfahrkamera, eine Fußgängerwarnung per Signalton und eine Berganfahrhilfe. Dass sich die Konzentration auf das wirklich Wichtige nicht nur in Pfennigfuchserei auswirkt, zeigt die Lenkung mit einem Einschlagswinkel von 45 Grad. "Damit erreichen wir einen Wendekreis von 8,75 Metern", strahlt Produktmanager Frederic Clermont. Passt zu einem City Car, ob das das Attribut "super" verdient, wird sich zeigen.

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Quelle: Autoplenum, 2020-02-24

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