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Testbericht

Jürgen Wolff, 26. November 2008
Wer nicht unbedingt die teure Kombi-Ware aus Wolfsburg braucht, dafür aber nicht minder viel Platz, etwas weniger Stauraum und solide Qualität, der sollte sich den Hyundai i30cw zumindest einmal näher ansehen.

Gut, der Korea-Kombi ist nicht gerade ein Auto, das wegen seines Designs Seufzer der Verzückung provoziert - aber solide Hausmannskost bietet er allemal. Ansonsten liegen bei ihm Licht und Schatten eng beisammen: Er bietet ordentlich Platz und Stauraum, fährt komfortabel und ist einfach zu bedienen. Auf der anderen Seite ist Motor eher von der behäbigen Sorte und so richtig preiswert ist er auch nicht mehr. Immerhin: Qualitätsfanatiker werden ihre Freude an ihm haben. Die Verarbeitung ist tadellos, die Fugen und Spaltabstände laufen an der ganzen Karosserie gleich mäßig parallel. Innen setzt sich dieser Eindruck fort: Die Materialien machen einen ordentlichen Eindruck, fassen sich gut an und sind sauber eingepasst. Schon der Einstieg ist bequem: Die Türschweller sind niedrig, die Sitzhöhe passt und die Türöffnungen sind durchaus üppig. Einmal drin, vermittelt der Hyundai ein großzügiges Raumangebot nach allen Seiten. Das gilt - dank der hohen Kombi-Linie - auch auf der Rückbank. Die Sitze sind straff, aber bequem und körpergerecht. Hinten geht es etwas weicher zu. Weniger gut: Die Neigung der vorderen Rückenlehnen lässt sich nur grob und in Stufen einstellen.

Wie schon die Limousine, so lässt sich auch der Kombi einfach und unkompliziert bedienen. Die Armaturen liegen gut im Blickfeld, Schalter und Knöpfe sind leicht zu erreichen. Der Fahrerplatz ist auch für größere Zeitgenossen gut anzupassen. Zu den Verstellmöglichkeiten des Sitzes kommen die des Lenkrades, das in Tiefe (ab Version "Comfort") und Neigung einstellbar ist. Ablagen gibt es zwar nicht reichlich - aber ausreichend. Die Sicherheitsausstattung ist mit Front-, Seiten- und durchgehenden Kopfairbags sehr gut.

Die Übersicht vom Fahrerplatz aus ist mittelprächtig. Durch die Kombi-Karosserie lassen sich zwar Anfang und Ende des i30cw schnell gut abschätzen - die Sicht nach schräg hinten wird durch die breite C-Säule allerdings übermäßig eingeschränkt. Das kann dazu führen, dass man beim Abbiegen Radfahrer und Fußgänger leicht übersieht. Was in der Ausstattungsliste auch fehlt: Parksensoren, die vor schlecht aus zu machenden Hindernissen hinterm Heck warnen.

Der i30 firmiert mit dem "cw" als Kürzel zwar als Kombi - ein Lastenesel ist er aber nur bedingt. Wie die meisten Kombis seiner Klasse. Normal bestuhlt fasst das Gepäckabteil 415 Liter. Ein Golf Variant von VW schafft mit 505, der Ford Focus Turnier mit 503 Litern deutlich mehr. Und auch mit umgelegten Sitzen geht das Maßnehmen deutlich zugunsten des Wolfsburgers und auch noch des Kölner aus: Der Golf kommt auf maximal 1495, der Focus auf 1460 der Hyundai nur auf 1395 Liter.

Immerhin lässt sich der Hyundai-Kombi dank einer großen Ladeöffnung gut bestücken. Und wenn die Lehnen der Rückbank umgelegt sind, ergibt sich ein weitgehend ebener Ladeboden. Praktisch: Die Fächer unter dem regulären Kofferraumboden, in den sich Kleinkram weitgehend rutschfest verstauen lässt. Um im Fall der Fälle an das Reserverad heran zu kommen, muss man erst einmal den halben Laderaum ausräumen - und auch dann findet man nur ein schmales Notrad, um mit Tempo 80 zur nächsten Werkstatt zu rollen. Immerhin: Es hätte ja auch ein Reparaturset sein können.

1,5 Tonnen Leergewicht bringt der Hyundai-Kombi auf die Waage - damit hat der 1,6-Liter-Benzinmotor durchaus seine Mühe. 93 kW/123 PS und ein Drehmoment von 154 Nm sind da nicht wirklich üppig. Aber wer es nicht auf allzu sportliche Fahrweise anlegt und die Gänge immer wieder auch mal hoch dreht vor dem Schalten, der kann mit dem i30cw durchaus ordentlich unterwegs sein und sogar flott überholen. Immerhin läuft der Motor kultiviert und ruhig. Erst jenseits der 140 km/h wird er laut. Immerhin reicht der Vierzylinder für eine Höchstgeschwindigkeit von gut 190 km/h und für einen Spurt in 11,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Den Verbrauch gibt Hyundai mit 6,2 Litern Super auf 100 km an - real war es deutlich über einen Liter mehr. Und das ist in diesem Segment nicht gerade wenig.

Eine gute Figur machen Gangschaltung und Getriebe. Die Abstufung der 5-Gang-Handschaltung passt gut zur Charakteristik des Motors, der Schalthebel lässt sich präzise und mit kurzen Wegen durch die Kulisse bewegen. Ausgewogen zeigt sich auch das Fahrwerk. Es ist straff ausgelegt aber dennoch komfortabel. Die Federung schluckt kleine und größere Unebenheiten auf der Fahrbahn gut weg. Die Wankbewegungen der Karosserie halten sich in Grenzen, auch in Kurven liegt der Hyundai gut auf der Straße. Beim Anfahren auf nasser Fahrbahn vermittelt die Traktionskontrolle effektiv zwischen Antriebskraft und Asphalt. Die Lenkung ist präzise, zielgenau und gut dosierbar, vermittelt einen guten Kontakt zur Straße. In zu schnell angegangenen Kurven greift das gut abgestimmte ESP regelnd ein - allenfalls ein leichtes Untersteuern ist bemerkbar.

Bleiben noch die Preise. Schon in der Basisversion ist der Hyundai i30cw gut ausgestattet: Klimaanlage, Dachreling, Nebelscheinwerfer und mehr gehören zur Serie. Mit dem Basispreis von 17.490 Euro ist der i30-Kombi günstig, aber kein ausgemachtes Schnäppchen mehr. Ford verlangt für den ähnlich motorisierten Focus Turnier 19.750 Euro, Peugeot für den 308 SW 19.550 Euro. Und der Golf Variant ist mit 19.225 Euro dabei. Kia allerdings ist mit dem Cee´d Sporty Wagon - gleiche Plattform, gleicher Motor - mit 16.880 Euro günstiger als der Hyundai. Und nicht schlechter.

Quelle: Autoplenum, 2008-11-26

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