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Testbericht

Stefan Grundhoff, 16. August 2011
Als ob eine Corvette nicht schon schnell genug wäre. Pratt Miller verleiht amerikanischen Sportwagenikonen von der Stange buchstäblich Flügel. Nicht nur Sportwagenfans, sondern auch General Motors lassen ihre Prestigeobjekte hier zu siegreichen Rennwagen umbauen.

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans Mitte Juni ist erst ein paar Wochen her und doch dreht sich bei Pratt Miller Engineering in Wixom, rund eine halbe Stunde westlich von Detroit, fast alles um das französische Langstreckenrennen im nächsten Jahr. Dabei ist Pratt Miller, benannt nach ihren Inhabern Gary Pratt und Jim Miller, weit mehr als eine einfache Tuningschmiede. Pratt und Miller hatten sich Mitte der 80er Jahre bei einem Trans-Am-Rennen in den USA kennengerlernt. Man verstand sich auf Anhieb und teilte eine Leidenschaft: den Motorsport. Gary Pratt wurde der Entwicklungskopf der gemeinsamen Firma; Jim Miller wurde derjenige, der die geschäftlichen Belange in Händen hielt.

1989 gründeten die beiden Autofans die Firma Pratt Miller Engineering Fabrication. Im Laufe der Jahre wurden Rennwagen und Prototypen entwickelt, Messemodelle gezeichnet und sogar leichte Panzer für die US-Armee gebaut. Pratt Miller wurde zu einem kleinen Automobilhersteller – doch den Namen kennt insbesondere in Europa nahezu niemand. Dabei ist Pratt Miller Engineering für die beeindruckenden Corvette-Erfolge bei den 24 Stunden von Le Mans verantwortlich. Auch 2011 siegte die gelb-schwarze Corvette C6.R beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt. Akribisch hatte Pratt Miller zusammen mit den GM-Verantwortlichen das Rennen im Westen Frankreichs vorbereitet.

Rückblick: Doug Fehan, bei General Motors seit vielen Jahren für die Rennfahrzeuge des Konzerns zuständig, streichelt bei Haustuner Pratt Miller über die gelbe Corvette von Jan Magnussen. „Wir haben uns ein Jahr lang auf dieses Rennen in Le Mans vorbereitet", erzählt der grauhaarige Amerikaner, „hier muss wirklich alles passen. Jeder von uns arbeitet mit konzentriert und mit militärischer Disziplin. Und doch – auch wenn man alles richtig macht, ist das ganze Rennen zur Hälfte reines Glück." Diese Aussage Ende Mai scheint sich zu bewahrheiten - kurz nach neun Uhr am Morgen des 12. Juni. Das 79. 24-Stunden-Rennen von Le Mans war gerade kaum mehr als 18 Stunden alt, da trifft es nach den schweren Unfällen der Audi R 18 TDI auch das Corvette-Team von Pratt Miller. Die Corvette von Jan Magnussen verabschiedet sich kurz nach Start und Ziel nach einem Porsche-Fremdkontakt vom aktuellen Renngeschehen - Totalschaden. Das ist Le Mans. Das allermeiste ist planbar – doch vieles bleibt schlicht Zufall. „Wir bringen hier jedes Jahr 25 Tonnen Material an die Rennstrecke", erklärt Doug Fehan weiter, „wir haben uns vor Jahren sogar einen eigenen großen Speziallastwagen nur für das Rennen angeschafft. Unsere US-Trucks sind in Frankreich einfach zu groß. Doch der Aufwand muss sein."

90 Tage braucht das Team von Pratt Miller jedes Jahr, um die beiden Corvette-Rennwagen für Le Mans vorzubereiten und fertigzustellen. Der Aufwand, den Pratt Miller bei dem 24-Stunden-Klassiker betreibt ist gigantisch. Kein Wunder, denn der Le-Mans-Titel zählt für viele genauso viel, wie der Titel in Formel-1 oder Nascar. Letztlich lohnte der Einsatz von Pratt Miller und selbst Berufsskeptiker Doug Lehan konnte am Ende strahlen. Die zweite der beiden gelb-schwarzen Corvette des Pratt-Miller-Teams mit der Besetzung Olivier Beretta / Tommy Millner / Antonio Garcia konnte den führenden Ferrari 458 Italia mit der Nummer 51 in der GTE-Pro-Klasse letztlich noch auf Platz zwei verweisen. Der siebte Sieg für Pratt Miller in elf Jahren; erstmals in der GTE Pro Klasse. „Wir waren lange Zeit eine Runde zurück”, so Teammanager Gary Pratt, „aber wir wussten, dass wir es trotzdem schaffen können.” Letztlich siegte die Corvette C6.R nach 314 Runden mit einem dünnen Vorsprung von zweieinhalb Minuten. Kaum ist das Le-Mans-Rennen beendet, gehen die ersten Planungen für den Event im nächsten Jahr los. Parallel laufen die Corvettes von Pratt Miller bei den Rennveranstaltungen in der American Le Man Series.

Die Erfolge sprechen für sich und so kommen auch immer mehr Privatiers zu Pratt Miller. Einige lassen ihrer Corvette nachträglich Flügel verleihen. Andere bringen ihre Oldtimer zum restaurierungsfreudigen Erfolgsduo und ein verrückter Sammler ließ sogar einmal ein Motorrad-Einzelstück aus Kohlefaser fertigen. Doch er gibt noch ungewöhnlichere Kunden. So arbeitet Pratt Miller seit Jahren unter anderem für die amerikanische Regierung. Hier entwickelt die Sportwagenschmiede Fahrzeuge, bei denen es nicht vorrangig um Schnelligkeit und Siege auf der Start- und Zielgeraden geht: leichte Panzer. Auch das visionäre Elektroauto vom Typ Aptera 2e des kalifornischen Herstellers Aptera Motors, wurde zu großen Teilen bei Pratt Miller entwickelt. Die ungleichen Firmeninhaber Gary Pratt und Jim Miller haben eben mehr im Sinn als Siege auf den Rennstrecken dieser Welt. Doch die machen ihnen am meisten Spaß. Der nächste Le-Mans-Triumph ist schon im Blick.
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Quelle: Autoplenum, 2011-08-16

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