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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 12. November 2014
Mit dem Porsche Carrera GTS nehmen die sonst so cleveren Zuffenhausener eine Kannibalisierung in Kauf. Anstelle des Werks-Leistungssteigerungs-Kits für den "normen" 911 S werden viele Käufer gleich zum GTS greifen. Der ist zudem unterm Strich noch billiger, bietet aber mehr. Vor allem bekommen die Piloten eine Fahrmaschine reinsten Wassers geboten.

Ein GTS gehört bei Porsche zur Modellpolitik, wie das Schildwappen auf die vordere Haube. Es gibt einen Boxster GTS, einen Cayenne GTS und jetzt auch einen Carrera GTS. Auf den ersten Blick provoziert diese Variante beim 911er erst einmal ein Grübeln: 30-Zusatz-PS entspricht dem Leistungszuwachs, die auch bei der Werksteigerung angeboten wird. Wo ist der der Sinn, wird sich der eine oder andere zurecht fragen. Der Pressetext hilft auch nur bedingt, das Rätsel zu lösen. "Der Porsche 911 GTS schließt die Lücke zwischen dem 911 Carrera S mit 400 PS und dem 911 GT3 mit 475 PS" heißt es da. Aufschluss gibt letztendlich der Blick auf die Preisliste: Der Porsche Carrera 911 GTS ist mit einem Euro um Grundpreis von 117.549 Euro um 12.376 Euro teurer als der Carrera S. Um bei der Motorenkraft zu Augenhöhe herzustellen, muss man beim "normalen" Carrera 13.804 Euro drauflegen.

Wer sich für den GTS entscheidet, bekommt noch einige Ausstattungs-Geschenke zu der gestiegenen PS-Power spendiert. Serienmäßig sind: das Bi-Xenon-Licht, die Sportauspuffanlage mit Klappen und 20-Zoll-Räder mit Zentralverschluss, die bisher nur beim Turbo-S zu haben waren. Die Konsequenz ist klar: "Wir werden deutlich weniger Leistungssteigerungs-Kits verkaufen, als bisher", wagt Andreas Pröbstle, Projektleiter Gesamtfahrzeug Porsche 911 keine allzu gewagte Prognose.

Das GTS-Paket ist zudem verlockend geschnürt. Der Carrera 4 GTS feuert mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe in vier Sekunden von null auf 100 km/h und hört erst jenseits der 300-km/h-Marke auf ,zu beschleunigen. Damit ist der nachgeschärfte 911er marginal schneller als ein Porsche Carrera 4S. Der beim GTS angegebene Durchschnittsverbrauch von 9,1 l/100 km klingt zwar schön, sollte aber gleich wieder vergessen werden. Wer diesen Porsche nur halbwegs artgerecht bewegt, wird schnell zweistellige Benzindurst-Werte erreichen, aber dafür mit einem Fahrerlebnis belohnt, das den Ausstoß der Glückshormone begünstigt.

Wie nicht anders zu erwarten, ist auch der jüngste Spross der Porsche-911-Familie eine grandiose Fahrmaschine. Bei diesem hohen Grad an Ausgereiftheit ist es fast beruhigend zu erkennen, dass auch Zuffenhausener Ingenieure nicht alles perfekt hinbekommen: Geht man vom Gas, ertönt nicht eine sonores tiefes Bollern, sondern eine Salve an China-Böllern. Dieser etwas aufgesetzte Klang passt nicht zu diesem Porsche. Apropos: Beim Testwagen waren auch die Applikationen um das Handschuhfach nicht ganz sauber eingefügt, was man an den ungenauen Spaltmaßen erkannte. Ansonsten lässt der GTS keine Wünsche offen. Der Fahrer lenkt, das Auto setzt die Richtungsbefehle ohne großes wenn und aber um. Vor allem mit dem Allradantrieb muss man schon grob fahrlässig am Volant drehen, um den 911er aus der Ruhe zu bringen.

Die Optik ist stimmig. Beim GTS gibt es den Pracht-Hintern mit den ausgestellten Radhäusern und der, um 3,6 Zentimeter breiteren Spur serienmäßig. Zusammen mit der Tieferlegung um zehn Millimeter steht der knapp 1,5 Tonnen schwere Sportwagen noch satter da, als der Standard-Carrera und flitzt eine Spur souveräner um die Ecken. Dass es bei steilen Rampen etwas schneller um Unterboden beziehungsweise am Spoiler kratzt, als beim etwas schwächeren Bruder. muss als Kollateralschaden in Kauf genommen werden.

Die Leistungssteigerung zauberten die Zuffenhausener Ingenieure nicht einfach so aus dem Hut. Neben einer neuen Motorsteuerungssoftware haben die Techniker auch auf klassische Tuning-Maßnahmen zurückgegriffen. "Ein wichtiges Ziel war es, mehr Luft in schnellerer in die Brennräume zu bekommen", gewährt Andreas Pröbstle einen Blick in das Lastenheft. Also installierten die Motoren-Tüftler mehr Klappen in Sauganlage und vewendeten polierte Saugrohre, um so den Luftstrom direkter und mit geringerem Widerstand fließen zu lassen. Um den noch mehr Leistung aus dem 3,8-Liter-Boxer-Motor zu kitzeln, wurde der Hub der Einlassventile von elf Millimetern auf 11,7 Millimeter angehoben. Der Porsche 911 Carrera GTS ist bereits erhältlich. Wer also dem Nachbarn mit dem Carrera 4 in der Garage eins auswischen will, kann gleich zum Porsche-Händler eilen.
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-11-12

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