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Testbericht

Joaquim Oliveira, 4. April 2016
Der Boxster sieht nach seiner Modellpflege kaum anders aus als vorher. Doch mehr Leistung bedeuten gleichsam zwei Zylinder weniger. Doch der Fahrspaß steigt mit der Turboaufladung im Gleichklang.

Porsches Marketingabteilung müht sich seit Monaten nach Leibeskräften, den Wegfall von zwei Zylindern mit einem blumenreichen Rückblick auf die glorreiche Motorsportszene in den 50er und 60er Jahren zu belegen. Doch ernsthaft: wer erinnert sich an den Porsche 718 und insbesondere wer, der sich heute für einen Boxster interessiert? Muss er ab sofort zwangsläufig, denn der Porsche Boxster trägt nach der Modellpflege den mehr als überflüssigen Namen 718 Boxster. Deutlich schwerer dürfte bei dem geneigten Klientel der Wegfall der grandiosen Sechszylinder-Boxer ins Gewicht fallen, denn zukünftig müssen Boxster und Boxster mit aufgeladenen Vierzylindern Vorlieb nehmen. Immerhin gibt es für das dynamische Duett deutlich mehr Leistung und bessere Fahrleistungen. Wenn schon, denn schon. Der 350 PS starke Porsche 718 Boxster S startet für 66.141 Euro durch - stattliche 12.500 Euro mehr als der normale Porsche Boxster mit 300 PS.

"Es ist das erste Mal, dass ich einen Vierzylinder fahre, dessen Antrieb nicht weit weg von brillant entfernt ist", sagt Rallye-Legende Walter Röhrl nach ein paar Kilometern am Steuern des 718ers und es klingt ein bisschen wie das Pfeifen im Walde. Walter Röhrl ist weltweit am Steuer geachtet wie kaum jemand sonst und muss als Porsche-Markenbotschafter nunmehr das aufgedrängte Downsizing der Schwaben erklären. Er räumt ein, dass das Boxster-Klangspektrum nicht an das eines Sechszylinderboxers herankommt, ist mit dem Ergebnis für einen aufgeladenen Vierzylinder mit 2,5 bzw. 2,0 Litern aber allemal zufrieden. "Wissen Sie, was ich wirklich an einem Auto mag, ist, wenn es Dank Motor und Chassis schneller ist als sein Vorgänger", legt Röhrl nach und es hört sich schon etwas weniger nach dem Pfeifen im Walde an.

Zudem hat der Rallye-Maestro Recht, denn dem aufgeladenen 2,5-Liter-Turbo mögen die unvergleichlichen Sechszylinder-Gene seiner Vorgänger fehlen, doch er ist das, was Röhrl so liebt: schneller und besser als bisher. Daran ändert auch nichts, dass sich kaum jemand an die einstigen Erfolge der historischen 718er-Generationen auf der Targa Fiorio oder in Le Mans erinnert. Der Boxster war und ist ein exzellenter Sportroadster, doch kein Rennwagen. Auf der Nordschleife des Nürburgrings, die Porsche ebenso wie alle anderen Sportwagenhersteller als Urmeter für Dynamik zitiert, ist der neue 718 Boxster S 16 Sekunden schneller als sein Vorgänger. Das sind Unterschiede, die Röhrl eher mit einem Kalender als einer Stoppuhr misst. Seine Jünger würden es ihm nur allzu gerne gleichtun.

Abgesehen von der allemal schmerzhaften Zylinderdezimierung und dem Namensannex hat sich mit der Modellpflege 20 Jahre nach der Premiere des Boxsters nicht allzu viel getan. Hier und da ein paar neue Akzente, geänderte Scheinwerfer und ein aufgefrischter Innenraum. Das 4,38 Meter lange Basismodell Porsche 718 Boxster bietet 300 PS und 380 Nm, 35 PS und 100 Nm mehr als der bisherige Sechszylinder. Das Topmodell 718 Boxster S bietet einen ähnlichen Nachschlag auf 350 PS und 420 Nm maximales Drehmoment. Mit dem empfehlenswerten Doppelkupplungs-Getriebe donnert der aufgeladene Mittelmotorsportler in beachtlichen 4,2 Sekunden auf Tempo 100 und beeindruckt mit 285 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Minderverbrauch von knapp einem Liter (7,3 zu 8,2 Liter) war den Weissachern Entwicklern scheinbar die Abkehr von den charismatischen Sechszylinder-Saugboxern wert. Zudem sind die beiden Turbotriebwerke enger denn je mit den aufgeladenen Sechszylindern der neuen 911er-Generation verwandt. Der Pilot des offenen Zweisitzers merkt den Unterschied zwischen alt und neu am meisten im unteren und mittleren Drehzahlbereich. 420 Nm stehen bereits bei 1.900 U/min zum Abruf bereit. Hier hat der Vierzylinder gerade mit den 2,5 Litern Hubraum deutlich mehr Druck und beschleunigt - wenn auch etwas blutleerer als bisher - beinahe nach Belieben. "Für den besseren Klang nutzen wir einen so genannten Sound Enhancer, um den Klang des Motors zu verstärken", ergänzt Entwickler Stefan Weckbach, "nicht um neue Frequenzen zu schaffen." Geschmacksache bleibt das künstliche Orgelspiel trotzdem - der Fahrspaß sicher nicht.
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Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplung
Motor Bauart:Vierzylinder mit Turboaufladung
Hubraum:2497
Preis
Neupreis: 66141 € (Stand: 2016-04-04)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-04-04

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