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Testbericht

28. März 2013
Haar, 28. März 2013 - "Es gibt Arbeitsplätze, die ganz besondere Anforderungen an Mensch und Maschine stellen. Zum Glück ist es dem Fiat Strada Lumberjack egal, ob Sie im Wald, in den Bergen oder im Feld auf unbefestigten Straßen unterwegs sind - er macht einfach alles mit." Das steht so im Werbekatalog für den Fiat Strada. Doch es stimmt nicht so ganz. Kein Allradantrieb Beim ersten Blick ins Cockpit des Pick-ups gesehen, aber zunächst nicht geglaubt: Der angeblich so geländegängige Fiat hat keinen Allradantrieb. Weder permanent, noch zuschaltbar. Solange man auch ungläubig danach sucht - die 4x4-Taste gibt es nicht. Und das bei den verheißungsvollen Namenszusätzen Adventure und Lumberjack. Abenteuer und Holzfäller. Man riecht förmlich den Duft der Freiheit, hört bärige kanadische Holzfäller "TIMBEEEEEER " rufen - doch schon bei der Fahrt durch die Kiesgrube kapituliert der Italiener. Mit seinem Frontantrieb und fehlendem ESP eignet er sich allenfalls für die Fahrt zum Laubsäge-Kurs der Volkshochschule. Immerhin: Ein elektronisches Sperrdifferenzial ist mit an Bord. Die Sache mit dem Kompass Der in der Adventure-Ausführung mittig auf dem Armaturenbrett platzierte Kompass erweist sich aufgrund der fehlenden Geländefähigkeit als recht überflüssig. Es sei denn man verirrt sich im Großstadtdschungel. Da ein Navigationssystem auch gegen Aufpreis nicht erhältlich ist, gewinnt der Kompass plötzlich gehörig an Bedeutung und die Fahrt wird doch noch abenteuerlich. Die Daseinsberechtigung der neben dem Kompass platzierten Quer-und Längsneigungsmesser bleibt aber weiterhin rätselhaft.
Naturbursche Äußerlich ist der Strada wohlproportioniert und von eher robustem Gemüt. Ein Blechkleid mit Geländeoptik versucht die mangelnde Offroad-Fähigkeit des Onroad-Abenteurers zu kaschieren. Rammschutz an der Front, Kotflügelverbreiterungen und Kunststoffverkleidungen sorgen für ein kantiges Aussehen. Trittstufen an den Seiten und am Heck erleichtern das Einsteigen und die Beladung. Wer jetzt noch daran zweifelt, dass der Strada ein echter Naturbursche sein will, der wird schriftlich darauf hingewiesen. Die Heckklappe und die seitliche Plastikverkleidung verkünden "adventure", die Seitentüren tragen einen Lumberjack-Schriftzug, auf den Flanken steht ein spielerisch-leichtes "Natural story". Zu verdanken hat der Pick-up diese Bemalung, genauso wie den roten Lack, der 1.273 Euro teuren Lumberjack-Ausstattung, die Fiat gemeinsam mit dem gleichnamigen Outdoor-Label entwickelt hat. Neben Lackierung und Schrift beinhaltet das Paket auch ein Lederlenkrad und Ledersitze, elektrisch verstellbare Außenspiegel sowie Fußmatten mit Lumberjack-Logo. Platz ist in der kleinsten Doppelkabine Überraschend gut für ein Arbeitstier sind die Materialien und deren Verarbeitung im Innenraum. Die Sitze bieten ordentlichen Seitenhalt, das Lenkrad und der Schaltknüppel liegen gut in der Hand. Auch wenn sie etwas in die Jahre gekommen wirkt, die Mittelkonsole ist übersichtlich, die Knopfanzahl angenehm reduziert. Der nur wenige Millimeter hohe Lautstärkeregler fürs Radio indes verwundert: Aufgrund seines flachen Charakters lässt er sich nur mit spitzen Fingern drehen. Ein halber Zentimeter mehr hätte ihm gut getan. Das Platzangebot im Cockpit ist ausreichend, in der zweiten Reihe der Doppelkabine geht es dafür kuschelig zu und auch der Einstieg zur Rückbank ist eher beengt. Dafür sorgt ein manuell verstellbares Glasdach für lichte Verhältnisse. Kleinkariert Die Sicht nach vorne ist dank schmaler A-Säulen gut, nach hinten eher eingeschränkt. Vier Längs- und zwei Querstreben lassen die Welt durch die Rückscheibe kariert erscheinen. Die Ladefläche streckt sich hinter der Doppelkabine 1,08 Meter in die Länge und misst an der schmalsten Stelle zwischen den Radkästen 1,09 in der Breite. Eine 1,20 x 0,80 Meter messende Europalette lässt sich darauf also nicht transportieren. Die gebremste Anhängelast beträgt respektable 1.000 Kilogramm, schade nur, dass eine Anhängerkupplung auch gegen Aufpreis ab Werk nicht zu haben ist. Wer dennoch eine wünscht, muss sich bei Zubehör-Lieferanten umsehen und sollte für Kupplung und Montage laut Fiat mit Mehrkosten von um die 1.000 Euro rechnen.
Übersichtliches Motorenangebot Der Antriebsreigen für den Strada ist mit einem Motor recht überschaubar. Beim Anlassen brummelt der 1,3-Liter-Diesel gut hörbar vor sich hin und tuckert dann gemütlich los. Die Kraftentwicklung im unteren Drehzahlbereich ist gut. 30 km/h sind im dritten Gang möglich, lästiges Dauerschalten im Innenstadtverkehr entfällt. Etwas schneller unterwegs sein kann man mit dem Fiat zwar auch, die flottere Geschwindigkeit macht sich aber am Geräuschpegel des Motors bemerkbar. Ab 100 km/h wird er laut, spätestens bei 120 km/h wünscht man sich sehnlichst, das Fünfganggetriebe habe einen sechsten Gang. Eine Frage der Geschwindigkeit Wobei das mit den km/h so eine Sache ist. Mit zunehmendem Tempo entfernen sich die Tachoanzeige und die satellitengestützte Geschwindigkeitsangabe des portablen Navigationssystems immer weiter voneinander. 140-Tacho-km/h entsprechen 124-Navi-km/h. Damit liegt die Abweichung gerade noch im zulässigen Toleranzbereich. Überzeugend erweist sich hingegen die Lenkung und das Fahrwerk. Bodenwellen werden ordentlich abgefedert, bei rasanteren Kurvendurchfahren bleibt der Strada lange neutral. Testverbrauch und Preis Ebenfalls positiv überraschte der Spritdurst des Pick-ups. Im Datenblatt wird der kombinierte Normverbrauch mit 5,3 Liter auf hundert Kilometer angegeben, im zweiwöchigen Test brauchte er im Schnitt moderate sechs Liter. Trotz seiner Unzulänglichkeiten ist der Italiener wahrlich kein Billigauto. Der von uns getestete Fiat Strada Adventure mit Doppelkabine und Lumberjack-Paket kostet stolze 22.396 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung
Hubraum:1.248
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:70 kW (95 PS) bei UPM
Drehmoment:200 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 22.396 €
Fazit
Was soll man sagen? Der Fiat Strada Adventure ist kein schlechtes Auto. Das Fahrwerk ist gut, der Motor auch - solange man keine Langstreckenrennen auf der Autobahn veranstalten möchte. Was enttäuscht, ist die Tatsache, dass der kleine Pick-up mit dem verheißungsvollen Namen seinen in der Broschüre so verlockend angepriesenen Daseinszweck nicht erfüllt. Ohne Allradantrieb und ESP, ohne Anhängerkupplung und der Möglichkeit Europaletten zu laden, ist der Strada weder ein geländetauglicher Abenteurer noch ein echtes Arbeitstier, sondern allenfalls ein Spaßmobil für Kleinstadt-Cowboys.
Testwertung
3.0 von 5

Quelle: auto-news, 2013-03-28

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