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Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Januar 2008
Fiats Strada ist kleiner, sparsamer und deutlich billiger als andere PickUps. Der Adventure soll mit Offroad-Optik Käufer locken, die ein trendiges Freizeitmobil suchen. Dabei muss man allerdings auf vieles verzichten.

In Amerika gehören PickUps so selbstverständlich zum Straßenbild wie hierzulande der Golf. Ihre Einsatzmöglichkeiten kennen kaum Grenzen - genau das mögen die Amis. Außerdem sind die beliebten Lastesel – mal abgesehen vom Spritverbrauch – ziemlich günstig. Viele Trucks gibt es bereits ab 18.000 Dollar, und reichlich Leistung haben alle. Die Größe ist kein Problem, schließlich sind die Straßen in den USA lang und breit, Parkplätze gibt es an jeder Ecke.

In Europa sieht das ganze anders aus. Wer einmal mit einem fetten Chevy Silverado in der Münchner City unterwegs war, der weiß, dass es angenehmere Innenstadt-Vehikel gibt. Trotzdem lässt sich auch in Deutschland eine Pickup-Welle registrieren. Mehrere Hersteller haben im vergangenen Jahr die neuesten Auflagen ihrer Freizeit-Laster auf den Markt gebracht. Die robusten Autos sind dabei längst ihrem Nutzfahrzeug-Charakter entwachsen: Komfortable Doppelkabinen, reichhaltige Ausstattung und coole Optik machen aus Pickups trendige und familientaugliche Lifestyle-Mobile. Dabei haben die meisten Pickups einiges gemeinsam: Sie sind in der Regel über fünf Meter lang, kosten mehr als 25.000 Euro und sind nicht gerade sparsam im Verbrauch.

Auftritt Fiat: Der Strada ist nur 4,4 Meter lang, kann immer noch 610 Kilogramm zuladen und verbraucht mit seinem 1,3-Liter Diesel-Motor im Schnitt weniger als sechs Liter. Die Preise für die kurze Kabine starten bei 14.367 Euro, das Top-Modell "Adventure" ist mit seinen 16.481 Euro immer noch rund 10.000 Euro billiger als die meisten anderen Pickups. Freilich fällt auch die Anhängelast mit 1000 Kilo deutlich geringer aus. Und den Strada gibt es nur als Zweisitzer: Selbst die "lange Kabine" (serienmäßig beim Adventure) hat nicht einmal Notsitze im Fond, sondern nur ein zweites Seitenfenster und mehr Stauraum hinter den Sitzen. Der ist immerhin ganz ordentlich, so dass man eine Menge Gepäck vor der Witterung geschützt in der Kabine transportieren kann.

Pluspunkte sammelt der Strada bei der Optik. Die gefällige Front wirkt mit dem robusten Kunststoffgrill kernig, aber nicht protzig. Die vier Scheinwerfer unter der Stoßstange (Nebelleuchten und zusätzliche Fernscheinwerfer) verleihen ihm eine eigene Note. Schutzleisten rundum, eine Dachreling und ein Schutzgitter hinter der Heckscheibe machen die Offroad-Optik komplett. Die relativ niedrige Ladekante erleichtert das Füllen der 2,1 Quadratmeter großen Ladefläche. Hinten und an den Seiten sorgen Trittbretter für den nötigen Halt.

Leider setzt sich der positive Eindruck im Innenraum nicht fort. Die Sitze sind weich und bieten wenig Seitenhalt. Der Aufroll-Mechanismus des Sicherheitsgurtes funktionierte zumindest bei unserem Testwagen nicht richtig. Auch die Verarbeitung und die Materialien des Armaturenbretts wirken nicht so gut, wie man es von Fiat mittlerweile gewohnt ist. Eine Klimaanlage ist nur gegen Aufpreis zu haben. Für Frischluft-Zufuhr sorgt ersatzweise das kleine Schiebefenster in der Heckscheibe. Ein Vorteil des kompakten PickUps ist die gute Übersicht. Rangieren und Einparken gehen leicht von der Hand. Doch einmal in Fahrt gebracht, macht der Fiat weniger Spaß. Der Schaltknüppel des Fünfgang-Getriebes lässt sich ungefähr so präzise durch die Gänge führen wie der Kochlöffel in einer Teigschüssel. Die Lenkung ist trotz Servounterstützung recht schwergängig und dürfte gern präziser sein. Das Fahrwerk des Strada ist relativ komfortabel ausgelegt, lässt mit Starrachse und Blattfedern auf Bodenwellen aber gern mal Schläge durch. Auch schnelle Lastwechsel mag der Pickup gar nicht. Der 85 PS starke Dieselmotor läuft etwas rauh, ist aber für den leer 1,3 Tonnen schweren Pickup spritzig genug. Den Verbrauch gibt Fiat mit durchschnittlich 5,3 Litern an, für die Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h benötigt der Strada 13,5 Sekunden. Im Gegensatz zur größeren Pickup-Konkurrenz gibt es den Strada leider nur mit Front- und nicht mit Allradantrieb.

Ernüchtern auch die Sicherheitsausstattung des Fiat. Mit ABS, Seitenaufprallschutz und zwei Airbags ist nur das Nötigste an Bord. Vorn gibt es Scheiben-, hinten Trommelbremsen. Fairerweise muss man sagen, dass der Strada gar nicht für den europäischen Markt entwickelt wurde. Der Pickup läuft in Brasilien vom Band und zielt eher auf den Einsatz in Entwicklungs- und Schwellenländern ab. Dort sind simple und robuste Konstruktionen mit Starrachse und Blattfedern schon deshalb wichtig, weil sich kaum jemand an die maximale Zuladung hält, sondern einfach die Pritsche bis zum Anschlag voll packt.

In Europa sind PickUps vor allem in südlichen Ländern beliebt. Dass Fiat den einfachen Strada neben erfolgreichen und ausgereiften Transportern wie dem Doblo, Ducato und Scudo auch in Deutschland anbietet, dürfte vor allem einen Grund haben: Mit vier Produkten im Bereich der Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen ist die Angebotspalette so breit wie bei keinem anderen Hersteller in diesem Segment. In Planung ist außerdem ein größerer PickUp mit einer Tonne Nutzlast, den es auch mit Allradantrieb geben soll.

Mit seinen kompakten Abmessungen und dem sparsamen Motor könnte sich der kleine Strada immerhin ein kleines Stück vom PickUp-Kuchen abschneiden. Zur Serienausstattung gehören ein Bordcomputer, Servolenkung, elektrische Fensterheber, CD-Radio und Nebelscheinwerfer. Gegen Aufpreis sind unter anderem eine Abdeckplane für die Pritsche, ein Motorschutz, Leichtmetallfelgen, ein manuelles Glashebedach und eine Klimaanlage zu haben.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-24

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