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Testbericht

automobil-magazin.de, 28. Juli 2013
Von Anfang an ist man verliebt in Adam, aber dann begeht er erneut seine Sünde. Und zwar ganz am Ende.

Das Kennzeichen „GG AO 150“ entlarvt, womit das Marketing kokettiert, was man aber tatsächlich meint: Automobilgeschichte. Nicht Adam wie Eva, sondern Adam wie Opel. „A“ steht für Adam, „O“ für Opel, „AO“ für den Firmengründer Adam Opel.

Adam gefällt den Evas. Was zählt, ist die Verpackung – der Tierbabyeffekt in Blech. Gefertigt wird der Süße in Eisenach. Er basiert auf der verkürzten Plattform des Opel Corsa. Die 3,70 Meter vom Bug zum Heck reichen für drei Türen draußen und vier Sitzplätze drinnen. Auf den opulenten Ledersitzen (Aufpreis 1.000 Euro) sitzt es sich vorne bequem wie in einem großen Auto. Dahinter wie in einem kleinen. Was noch weiter hinten an Gepäck unterkommt?

Im Kofferraum beißt Adam in den sauren Apfel. Nicht einmal der Referenzkinderwagen von Recaro – den eigentlich auszeichnet, fast überall unterzukommen – passt nur hinein, wenn der Adam mit 1/3-geklappter Rückbank flott auf Dreisitzer umgebaut wird. Auch der Kindersitz (Recaro Young Professional Plus) muss schräg zwischen Vordersitzlehne und B-Säule eingefädelt werden. 170 Liter Volumen bietet der Kofferraum. Der vom überzeugenden Infinity Soundsystem nochmals um 75 Liter geschmälert wird. Das war es dann aber mit der Sünde.

In Sachen Fahrwerk ist der Adam Adam Riese. Der Rüsselsheimer hat das Handwerkszeug zum schnell sein - Lenkung, Schaltung, vor allem aber ein exzellentes Fahrwerkssetup. Die Servolenkung arbeitet den Asphalt sensibel und feinfühlig auf. Bei Grenzüberschreitungen holt ESP die kompakte Fuhre barsch, aber sicher wieder zurück in die Spur. Dass der Opel bei höherem Tempo – Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h – schneller versetzt als die Großen mit mehr Radstand, liegt in der Natur der Sache, in der Natur der Kürze.

Der Adam ist auf Tuchfühlung zum Mini. Das höchste Lob in dieser Klasse, solange es um Straßenlage und Fahrwerkstransparenz geht. Im Komfortbild weist der Rüsselsheimer den harten Oxforder aber in seine Schranken. Ganz erstaunlich, wie harmonisch die Abstimmung von Federn und Dämpfern geglückt ist. Aber eigentlich keine neue Erkenntnis: Die Fahrwerksentwicklung in Rüsselsheim leistet seit Jahren exzellente Arbeit.

Diesel- und Benzinmotoren arbeiten dem Frontantrieb zu. Mit fünf Liter Super kann man über die Runden kommen (Normverbrauch Adam 1.2 ecoFLEX). Der mit Start-Stop liierte 1,4-Liter verbraucht nach der Norm 5,5 und real ein paar Tropfen mehr als 100 ml pro PS: mit seinen 87 PS im Testschnitt 8,8 Liter Super. Der Vierzylinder erweist sich dabei als angenehmer, nicht lauter Begleiter und mit dem flott zu schaltenden Fünfganggetriebe als gut an den Vortrieb angedockt, Unten herum könnte er in den höheren Gängen etwas flotter in die Puschen kommen – sagen Turboverwöhnte Tester über den Saugmotor. Von 130 Nm Drehmoment erst bei 4.000 Umdrehungen, darf man halt keine Wunder erwarten (0 auf 100 km/h: 12,5 s). Oben herum rotiert er sich zwischen 4.000 und 6.000 Umdrehungen wieder ins Rennen. Bei 140 km/h dreht der 1,4er um 4.200/min. Einen sechsten Gang könnte man in einem Trendsetter erwarten, aber er hat nur fünf.

Adam hat kein Vorbild, trotzdem taugt er zum Vorbild – für andere. Klar schielt er herüber zu Mini und 500 und verlacht den Beetle, mit dem sie in Wolfsburg immer wieder an der eigenen Geschichte scheitern. Trotzdem zitiert die Zweifarblackierung mit weißem Dach die 1960er von Opel. Gut, dass das vom modernistischen „Adam“-Typenschild sogleich wieder konterkariert wird. Erkenntnis: Irgendwie ist der Opel retro, irgendwie aber auch nicht. Auch das macht seinen Charme aus.

Charme und Vernunft passen unters kompakte Dach. Gut, wer im schmalen Interieur hinten sitzen muss, denkt darüber vielleicht anders. Davor ist alles chic: Das in Klavierlackoptik, mit mattem Chrom und Lederimitat durchgestylte Interieur ist kein überstyltes. Funktionalität fährt mit. Beispiel: die Radiobedienung. Sie lässt Fahrer nicht mehr - wie in Astra oder Corsa – schon am Radioeinschalten verzweifeln. Die Getränkehalter nehmen es mit zwei Halbliterflaschen und einer Einliterflasche auf. Lenkradheizung ist was tolles, der Verstellhebel des von Hause aus höhen- und längseinstellbaren Lenkrads keine optische Attraktion. Die Drucktasten für die Lautstärkeeinstellung lassen sich zwar immer noch nicht so flott bedienen wie altbewährte Drehregler, aber dafür stimmt der Sound von Infinity. Die Schiebe-Drück-Regler für die Radiobedienung auf der Speiche des smarten Multifunktionslenkrads zeigt, was die Moderne so für sich hat. Und das Lederlenkrad selbst sieht toll aus und liegt gut in der Hand.

Sieht toll aus, liegt toll in der Hand. Das gilt auch für den Opel Adam. Die beste aktive Sicherheit bietet immer noch ein gut gemachtes Fahrwerk. Dieses ist in seiner harmonischen Abstimmung, und weil sich Opels Adam damit mindestens eine halbe Klasse höher anfühlt, klasse. Der rationale Teil im Testerhirn sagt zwar: Der Kofferraum ist zu klein und der höchste Gang könnte getrost ein sechster sein. Aber er wird vom emotionalen Teil locker überstimmt.

(Lothar Erfert)
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2013-07-28

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